Upps, „Koch-Gotha“, denkt ihr, hat das was mit der Stadt Gotha zu tun? Ja, hat es. Und da ich vor Jahren schon Fotos von einer Häschenschule-Installation gemacht habe, dachte ich, Ostern in meinem Stadtschreiberin-Jahr ist der passende Augenblick, etwas zu dem Thema zu schreiben.

Fritz Koch-Gotha

Fritz Koch-Gotha wurde am 5. Januar 1877 als Friedrich Koch in Eberstädt in der Nähe von Gotha geboren. Die Familie zog wenig später nach Breslau, kam dann aber zurück nach Thüringen, wo sie sich in Gotha ansiedelte Hier besuchte Fritz Koch-Gotha die Schule und beendete seine Schullaufbahn mit einem Abschluss von der kaufmännischen Berufsschule. Sein Vater hätte den kleinen Friedrich gerne beim Militär gesehen, allerdings war Fritz Koch-Gotha nach einem Unfall beim Turnen schwerhörig und untauglich für die Soldatenlaufbahn. Für ihn ein Glück, weil er schon immer mehr Interesse an Kunst als an Krieg hatte. Von 1895 bis 1899 (Kästners Geburtsjahr!) studierte er in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie an der Kunstakademie in Karlsruhe Malerei. Ab 1902 arbeitete und ab 1904 lebte er in Berlin. Hm, da könnte er ja fast Herti Kirchner getroffen haben, auf jeden Fall könnte ich ihn irgendwie in meinen Herti-Roman schmuggeln 🙂 Er war freischaffender Illustrator und Pressezeichner. Unter anderem zeichnete er für die Berliner Illustrierte, Lustige Blätter und Die Woche, die alle im Ullstein-Verlag erschienen und – wie klein die Schreibwelt ist – bei meinen Recherchen über Herti immer wieder aufgetaucht sind. Den Namenszusatz „Gotha“ hat er sich in Berlin gegeben, weil es einige Künstler mit dem Namen Fritz oder Friedrich Koch gab, aber dann nur einen Fritz Koch-Gotha 🙂 Einige seiner Zeichnungen, so heißt es, lassen Gotha deutlich erkennen und 1917 hat er sogar „Kriegs-Notgeldscheine“ gestaltet. Mal sehen, was ich darüber herausfinden kann 🙂 Fritz Koch-Gotha beendete seine Arbeit für die Zeitung 1933, als die Nationalsozialisten ihn für ihre Propaganda einspannen wollten. Zwar erschien 1940 dann doch ein Buch mit dem Titel „Mit Säbel und Gewehr“, das von Rezensenten aber eher als Erklärung der Kriegsabläufe und keine NS-Propaganda eingeschätzt wird. 1944 wurde die Wohnung der Koch-Gothas in Berlin bei einem Bombenangriff zerstört, Fritz Koch-Gotha zog mit seiner Frau in das Sommerhaus in Ahrenshoop. Koch-Gotha starb am 16. Juni 1956 in Rostock, er ist zwar in Wustrow begraben, auf dem Hauptfriedhof in Gotha erinnert eine Inschrift auf dem Stein seines Vaters William Koch an den Künstler, der seine Jugend in Gotha verbracht hat. Es kann sein, dass ich euch im Blog noch einmal mit Fritz Koch-Gotha komme, ein Teil des Nachlasses ist nämlich in der Forschungsbibliothek Gotha, zuerst muss ich aber noch herausbekommen, was es damit auf sich hat 🙂

Die Häschenschule

Den meisten fällt, wenn sie den Namen Koch-Gotha hören, als erstes die Häschenschule ein. Dabei hat Fritz Koch-Gotha „nur“ die Illustrationen beigesteuert, der Text stammt von Albert Sixtus, was häufig untergeht. In der „Häschenschule“ lernen kleine Hasenkinder, was sie fürs Leben wissen müssen, welche Pflanzen sie essen können und vor wem sie sich in acht nehmen müssen, dem Fuchs natürlich, und wie sie Ostereier bemalen. Was uns heute allenfalls amüsiert, war im Erscheinungsjahr 1924 ein genialer Marketingcoup. Damals wurden die Kinder nämlich nach Ostern eingeschult – das war übrigens bis zum Schuljahr 1966/67 noch so! Was passte da besser, als das Osterfest mit der Einschulung zu verbinden. Ein Konzept, das aufging, nicht nur, dass die Häschenschule noch heute bekannt ist und sie z. B. mehrere Frühjahre in der Volme-Galerie in Hagen als Osterdeko präsentiert wurde, von den Verkaufszahlen in den Anfangsjahren träumen die meisten heutigen AutorInnen und IllustratorInnen. Bereits im Jahr nach dem Erscheinen waren mehr als 240 Tausend Exemplare gedruckt worden.

Die Fotos der „Häschenschule“ entstanden 2012 mit Genehmigung des damaligen Centermanagements in der Volme-Galerie Hagen

Link zu einem Beitrag von Martina Berg über „Die Häschenschule“