(12.01.2017) Natürlich ist das Hantieren mit Papier nichts Neues und viele Menschen entspannen sich schon jetzt damit. Allerdings falten, schneiden, kleben oder reißen die meisten ergebnisorientiert, weil sie eine Grußkarte gestalten möchten oder eine Collage erstellen. Darum genau geht es nicht beim PapierZen. Hier steht der Weg im Vordergrund, das Falten, Schneiden, Kleben, Reißen … als Selbstzweck. Erst wenn man nicht mehr weiter kann, weil das Papier zu klein geworden, die Zeit um ist oder man das Gefühl hat, jetzt wäre das Werk genau richtig, liegt ein Ergebnis vor. Und was man damit macht, überlegt man sich erst dann.

Mein Aha-Erlebnis beim PapierZen

Ich muss vorweg schicken, dass ich schon immer viel mit Papier gebastelt habe – als Kind und als Erwachsene. Ohne dass es mir klar war, habe ich mich dabei entspannt. Damals hat sich noch keiner Gedanken über Work-Life-Balance, Meditation oder Entspannung gemacht. Ich habe halt gewerkelt, weil ich Freude daran hatte. 2015 habe ich das Falten dann wiederentdeckt – erstaunlicherweise auf unterschiedliche Weise innerhalb kurzer Zeit:

Installation von Happyguy 🙂

Zuerst erzählte mir der Streetartist Happyguy bei einer Ausstellung, dass er Kraniche faltet, um sich zu entspannen und weil er irgendwann so viele hatte – das kenne ich :-)! – hat er sie auf kleine Äste geklebt und freigelassen. Bei der Ausstellung durfte man sich kleine Kranichbäumchen mitnehmen, einer hat leider den Transport nicht überlebt, aber der andere steht immer noch auf meiner Fensterbank.

Dann brauchte ich für einen Roman eine Beschäftigung, die sich leicht und ohne großen Materialaufwand überall realisieren lässt. Dabei habe ich mich an Origami erinnert und nun faltet die Protagonistin Papier-Delfine.

Als nächstes wollte ich ein Geldgeschenk kreativ verpacken. Meine Freundin wünschte sich Geld für ein besonderes Porzellan, also brauchte ich eine Tasse – und erinnerte mich an die Becher, die wir früher gefaltet haben und die Ziehharmonika-Falz für die Untertasse, ein wenig Pfeifenputzer als Henkel und für die 50, schon war ich fertig.

Schließlich sah ich, dass die Buchhandlung am Rathaus einen Origami-Workshop anbot. Zu dem Zeitpunkt war mir schon klar, dass ich dringend etwas finden muss, um mich im Alltagsstress abseits des Computers zu entspannen. Häkeln und Stricken kamen nicht in Frage, weil die Projekte alle viel zu lange dauerten. Angefangene Dinge kann ich nicht liegen sehen, das stresst mich.

Bei der Recherche zu Origami entdeckt ich dann die Geschichte der 1.000 Kraniche, ich wurde an die Faltungen von Fröbel erinnert und irgendwann hatte ich einen Weg gefunden, mit dem ich innerhalb kurzer Zeit entspannen kann. Und die Ergebnisse lassen sich als Deko-Elemente oder für Grußkarten nutzen wie 2016 für Weihnachtskarten oder als Lesezeichen.

Mein neues Wort: PapierZen

Dass diese Entwicklung einherging mit der Suche nach neuen Formen, Literatur zu präsentieren, war eher Zufall. Meine Literaturart bietet mir natürlich die Möglichkeit, Entspannung und Spannung miteinander zu verbinden. Aber auch ohne diesen Weg gibt es viele Wege, die gefalteten Module zu verwenden. Doch dazu mehr an anderer Stelle, eigentlich will ich ja ein Buch dazu veröffentlichen. Das Exposé dazu liegt bereits bei meinem Wunschverlag – samt dem Kunstbegriff PapierZen für diese Form der Entspannung, Zen mit Papier also.

Seit einigen Wochen liegt das Exposé nun da und langsam fange ich an, mir Sorgen um meine schöne Wortschöpfung zu machen. Deshalb habe ich gestern schnell eine Internetseite darüber erstellt, die Domain habe ich schon einige Wochen. Leider ist es in Deutschland teuer, einen Begriff als Marke schützen zu lassen – klar, für Verlage sind die paar Hundert Euro Peanuts, für eine freie Autorin die Telekommunikationsgebühren für ein ganzes Jahr. Also habe ich mich entschieden, mit der Website und diesem Blogbeitrag deutlich zu machen, dass der Begriff PapierZen von mir stammt! Als ich die Domain reserviert habe, gab es keinen einzigen Suchmaschineneintrag mit diesem Begriff, die einzigen Suchergebnisse mit „papier“ und „zen“ bezogen sich auf Servietten, auf denen Budda, Steine oder andere Elemente, die mit Zen in Verbindung gebracht werden, abgebildet sind. © Birgit Ebbert