(24.08.2014) In einem Blogbeitrag habe ich mich kürzlich gefragt, ob ich alt werde, weil ich in der letzten Zeit so viel Spaß daran habe, in mein Leben zurückzublicken. Nach der Lektüre eines Artikels über Nostalgie in der Juni-Ausgabe der „Psychologie heute“ weiß ich, Nostalgie ist keine Frage des Alters. Wobei Autoren immer auf der Suche nach Geschichten sind und dabei vermutlich zwangsläufig im eigenen Leben landen. Angesichts der Bücher, an denen ich gerade schreibe, ist es nicht verwunderlich, dass ich in meinen Erinnerungen krame. Und vielleicht nutze ich nostalgische Erinnerungen als Selbstheilungskräfte angesichts von Stress, Hektik und nicht immer leichten Aufgaben in diesem Jahr. (Auf dem Foto: Mein erster dokumentierter Auftritt 1968)

Was auch immer mich bewegt, ich liege damit voll im Trend der Zeit. Das fällt besonders bei Facebook auf. Kein Tag vergeht, an dem nicht jemand ein Kinderfoto von sich postet oder an ein Lieblingslied, einen Lieblingsfilm, ein Lieblingseis oder ein Spiel aus seinem bisherigen Leben erinnert. Und das tun bei weitem nicht nur meine 50+-Freunde, sondern auch junge Leute aus meiner Timeline.

Annette Schäfer hat für uns herausgefunden, was es mit der Nostalgie auf sich hat und warum es für die meisten Menschen positiv ist, sich gelegentlich darauf einzulassen. Sie hat die „Erfinder“ des psychologischen Forschungsbereiches „Nostalgie“ besucht und fasst in ihrem Artikel zusammen, wie sich der Blick der Wissenschaft verändert hat. Galt im 17. Jahrhundert die Nostalgie noch als Fluchtreaktion lebensuntüchtiger Menschen, so gilt sie heute als psychisch und physisch wirksames Phänomen, über dessen gezielten Einsatz in Therapie, Gesundheitsförderung, Arbeitsmotivation und Gruppendynamik geforscht wird.

Dabei weckt Nostalgie nicht nur positive Gefühle, sie setzt vielmehr auch wehmütige Emotionen frei. Weil diese aber zugleich mit Menschen und angenehmen Situationen in Verbindung gebracht werden, überwiegt am Schluss nicht die Trauer über Vergangenes, sondern die positive Wirkung. Die kann – das haben Studien gezeigt – unterschiedliche Facetten zeigen, die Stimmung steigt, das Selbstbewusstsein wächst, der Sinn des Lebens wird klarer, Nostalgie verbindet Menschen und sogar das körperliche Wohlbefinden wird gesteigert.

Wenn das so ist, schaue ich direkt mal nach, was in meinem Kindheitsarchiv noch alles schlummert. Die nächsten Blogbeiträge sind gesichert. Dann nostalgiert mal schön! © Birgit Ebbert

Inspiration und Quelle: Annette Schäfer: „Nostalgie: Warum ein bisschen Wehmut guttut“. Psychologie heute, Juni 2014.