(13.04.2016) Ehe ich zu der wunderbaren neuen Ausstellung rund ums Post-it der zauberhaften Ardan Özmenoğlu komme, muss ich etwas loswerden. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie Themen sich einem von verschiedenen Seiten nähern. So ging es mir mit den Post-its. Ich nutze sie seit Jahrzehnten, ohne dass ich darüber nachgedacht hätte, was man damit tun könnte außer Seiten oder Stellen zu markieren. Na gut, ich glaube, ich erwähne sie in meinem Selbstmarketing-Buch, weil man sie auch einsetzen kann, um sich von anderen abzusetzen. Aber das war’s auch schon. Dann begann ich Anfang des Jahres zu recherchieren, was ich mit Papier basteln könnte und landete bei einem Beitrag über den „Post-it-Krieg“ in Frankreich. 2011 haben sich dort Bürogemeinschaften einen kleinen Wettstreit geliefert, wer mit Post-its die schönsten Motive an Fenster kleben kann.

Post-it als Werkstoff für Künstler und Bastler

Erst vor wenigen Tagen entdeckte ich in einem Antiquariat ein Buch mit Bastelanregungen für Kindergeburtstage – aus Post-its. Als Tüpfelchen auf dem „I“ flatterte dann noch die Einladung zur Ausstellung von Ardan Özmenoğlu auf meinen Tisch mit – genau: Post-it-Kunst. Klar, dass ich dieses Pressegespräch nicht verpassen durfte, wo ich schon bei der Eröffnugn der Ausstellung nicht in Hagen sein werde. Schade, sehr schade.

Ich bin jetzt noch geflasht von den wunderbaren Bildern, die Ardan Özmenoğlu aus dem Werkstoff Post-it zaubert. Teilweise klebt sie mehrere Schichten übereinander und bemalt oder bedruckt sie. Wenn ihr eine Stelle nicht gefällt, zieht sie die Post-its wieder ab oder überklebt sie. Wie lange sie an einem solchen Bild sitzt, kann sie gar nicht genau sagen, weil sie in jeder Minute klebt – „Art is my husband“, sagt sie und erzählt, dass sie über dem Kleben der Bilder Welt und Zeit vergisst, allenfalls hört sie Musik dabei, stundenlang ist sie damit beschäftigt, ihre Skizzen in Bilder aus Klebezetteln umzusetzen. Die Motive sind ganz unterschiedlich, der türkische Überlandbus, der sich dadurch von Linienbussen unterscheidet, dass er überall hält, um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen, ist ebenso zu sehen wie der Sultan mit der Rose, der vor fast 600 Jahren Konstantinopel erobert hat, Queen Elizabeth oder die Skyline von Istanbul, wo Ardan Özmenoğlu lebt.

Ardan Özmenoğlu erneut im Osthausmuseum

Manche Hagener müssten die Künstlerin bzw. ihre Bilder schon kennen, vor sechs Jahren war sie mit fünf Werken in einer Sammlung vertreten, damals entstand auch der Kontakt zum Osthausmuseum. Post-its sind seit 2005 ein zentraler Werkstoff für Ardan Özmenoğlu, ihr erstes Werk mit dem Material Post-it war ein Selbstporträt. Ihr Stil hat sich seitdem entwickelt, sagt sie, geblieben ist aber, dass sie die Post-its bemalt oder bedruckt und mehrere Schichten übereinander klebt, um eine zusätzliche Wirkung zu erzielen, wenn unter den bemalten Zetteln gelbe Post-its durchschimmern, die immer die Grundlage der Werke bilden.

Wer morgen Abend Zeit hat, zur Ausstellungseröffnung zu gehen, sollte diese nicht verpassen. Wie ich schon eingangs sagte, die Bilder sind wunderbar und die Künstlerin ist zauberhaft, man spürt die Freude und Kraft, die ihre Bilder ausstrahlen und erlebt das Augenzwinkern, mit dem sie ihre Themen auswählt und ein Post-it neben das anderen klebt. Ardan Özmenoğlu und ihre Kunst wirken in vielerlei Hinsicht ansteckend! © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Eröffnung und zur Ausstellung: www.osthausmuseum.de