(25.12.2013) Was soll ich machen, wenn mich eines meiner Weihnachtsgeschenke so neugierig macht, dass ich unbedingt auch an Weihnachten nach den Hintergründen forschen muss? Und dann nicht nur unklare Informationen, sondern auch viele verrückte Inspirationen für Geschichten finde. Ich gebe sie weiter – zur Erheiterung, als Inspiration, zum Nachdenken oder als Erinnerung an die Sprüche der Kindheit.

Natürlich hatte ich den Begriff „Rauhnächte“ schon gehört, ehe ich zu Weihnachten diesen interessanten Kalender bekam. Allerdings hatte ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Aber nun wollte ich wissen, was es damit auf sich hat – man weiß ja nie, wozu es gut ist. Tatsächlich begegnete mir eine Regel, die ich schon einmal gehört hatte. Zwischen den Jahren soll man keine Wäsche waschen, hat mir eine Freundin erklärt. Und schon gar nicht darf sie in der Silvesternacht auf der Leine hängen. Ich weiß nun, warum das so ist, doch da greife ich vor.

Zunächst ein paar mehr oder weniger klare Fakten zu den Raunächten, die auch Rauhnächte, Rauchnächte oder heilige Nächte genannt werden. Je nach Quelle und Region werden damit die Nächte (und Tage) zwischen dem ersten Weihnachtstag und Dreikönig oder zwischen dem Thomastag (21.12.) und Silvester bezeichnet. Oh, manche ziehen noch die Sonn- und Feiertage ab und zählen vom Thomastag bis Neujahr. Mir kommt die Zählung vom 25. Dezember bis zum 6. Januar am ehesten entgegen, das ist die Zeit, die bei uns zu Hause „Kokedage“ hieß, weil man in diesen zwölf Tagen nicht arbeitet, sondern Nachbarn und Verwandte besuchte und ab dem 1. Januar auszog zum „Niejohr-Winnen“.

Heute beginnen also die Raunächte, die nicht nur die Nächte, sondern auch die Tage umfassen, sprich: die ganze Zeit ist eine besondere Zeit, in der man einiges über das neue Jahr erfahren und auch vieles falsch machen kann. Die zwölf Raunächte, so heißt es, stehen für die zwölf Monate und das Geschehen an den Tagen kann symptomatisch für den Monat sein – wenn man die Zeichen richtig zu deuten weiß. Dazu muss man interpretieren, wie das Wetter ist, ob das Essen geschmeckt hat, ob es Zoff gab oder sonstige Auffälligkeiten. Das scheint eine Wissenschaft für sich zu sein, schon Sonnenschein soll je nach Tag eine andere Bedeutung haben. Ich halte mich da lieber heraus.

Wichtiger ist doch auch, an was man alles denken muss und was einen erwarten kann an diesen Tagen und da sind wir bei dem Stoff, aus dem Romane sind. Hätte ich gerade nicht so viele andere Ideen und meinen aktuellen Roman im Kopf, würde ich gleich weiterdenken. Aber vielleicht schenke ich ja jemandem eine Inspiration. Also:

  • Die wichtigste Regel ist Ordnung, das Haus muss gut in Schuss sein und Wäsche darf nicht auf der Leine hängen.
  • Frauen und Kinder sollen des Nachts nicht mehr unterwegs sein.
  • Oh, und Karten spielen ist verboten, da überlege ich doch, ob in meiner Familie nicht gerade in jener Zeit bei Familientreffen häufig Skat oder Doppelkopf gespielt wurde. Das sollte ich doch mal zurückverfolgen.
  • Um Mitternacht mancher Raunacht, wird behauptet, beginnen die Tiere Menschensprache zu sprechen und sie verraten die Zukunft. Pech nur, dass diejenigen, die sie hören, direkt danach sterben.
  • Natürlich wären die Raunächte die Chance für unverheiratete Frauen, wie könnte es anders sein. Dazu müssten sie an einen magischen Ort gehen, ein Kreuzweg wäre gut, um Mitternacht natürlich, und schon könnten sie ihren Zukünftigen sehen. Aber wehe, sie spricht ihn an!
  • Ui, und es macht sich auch gut, wenn in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die in manchen Regionen zu den Raunächten gehört, Schlüssel und Schlösser blitzen und blinken, das könnte Glück und Geld bringen.
  • Oh, das gefällt mir auch gut, das merke ich mir für einen Roman: Wer in die Christmette geht und sich auf einen Holzschemel setzt oder durch eine dünne Holzscheibe schaut, kann, sagt die Überlieferung, Hexen erkennen.
  • Kreuzungen sollen in der Zeit keine sicheren Orte sein, denn dort tanzen die Teufel und Hexen, gelänge es einem jedoch, ihre Gunst zu erlangen, könnte man einiges über die Zukunft erfahren.
  • Silvester soll die „Wilde Jagd“ ausbrechen, da stünde das Tor zum Geisterreich offen und die Seelen der Verstorbenen und alle Geister könnten unsere Welt besuchen. Das tun sie anscheinend nicht heimlich, still und leise, sondern in einer wilden Jagd, deren Anführer Odin und – man staune – Frau Holle sein soll. Menschen, die mit dem Teufel im Bunde sind, sollen sich in Werwölfe verwandeln können.
  • Die Nacht vom 5. auf den 6. Januar ist die „Aufräumnacht“, würde ich sagen. Da ist es wichtig, dass man alles Überflüssige aus dem alten Jahr entsorgt,. nun weiß ich doch, warum sich mein Vater spätestens dann über die Schokoladen- und Keksvorräte hergemacht hat! Ach ja, in dieser Nacht sollte man, heißt es, alle Fenster öffnen, damit die bösen Geister verschwinden und die guten einkehren können.
  • In Regionen, in denen man von Rauchnächten spricht, soll der Rauch eine besondere Rolle spielen. Hilfreich gegen Kopfschmerzen wäre es, wenn man Glut mit Weihrauch in eine Schale täte, eine Kopfbedeckung darüber halte und diese anschließend aufsetzte. Ja, dann viel Spaß.
  • Grundsätzlich sollte man die Augen aufhalten, wenn man an das Mystische der Raunächte glaubt, vielleicht wird man Zeuge, wie versunkene Städte und Schlösser wieder auftauchen, man bekommt Besuch von Zwergen oder hört das Glockenläuten versunkener Kirchen.
  • Insgesamt sollte man auf seine Träume achten, darauf wird extra hingewiesen, je nachdem, wann man was träumt, könnte es in Erfüllung gehen. Aber nicht vergessen, auf die Uhr zu schauen: Träume vor Mitternacht würden in der ersten Monatshälfte und nach Mitternacht erst in der zweiten Monatshälfte wahr werden. Ich sagte ja, das ist mir zu kompliziert.
  • Alle übrigens, die in den Raunächten geboren sind, hätten übersinnliche Fähigkeiten und könnten in Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen.

Mal ehrlich, manches kennt man doch aus Romanen oder Filmen oder – wenn auch in abgewandelter Form – aus den Sprüchen seiner Kindheit, oder? © Birgit Ebbert