Will Lindwer: Anne Frank(18.02.2014) Damit nicht der Eindruck entsteht, ich triebe mich den ganzen Tag in Schokoladen-Cafés oder auf Jahrmärkten herum oder recherchierte über Liebesschlösser, ist hier ein Einblick in meine aktuelle Recherchelektüre. Auf dem Regal neben meinem Schreibtisch stapeln sich unter anderem Bücher, DVDs und sogar eine CD-Rom über das Leben von Anne Frank. Im Regal stehen Ordner mit Ausdrucken von Internetseiten – viele Textstellen mit gelbem oder grünem Textmarker markiert. Und alles ist mit Klebies versehen, damit ich schnell etwas nachschauen kann.

Am meisten beeindruckt hat mich ein Buch von Willy Lindwer: „Anne Frank. Die letzten sieben Monate. Augenzeuginnen berichten“. Das Buch erschien erstmals im August 1993 im S. Fischer Verlag. Es enthält Interviews mit Augenzeuginnen, die Anne Frank noch nach ihrer Verhaftung im August 1944 getroffen haben und die berichten können, wie ihr Lebensweg weiter verlief. Die Gespräche stammen aus einer Dokumentarfilmserie, die im Mai 1988 im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Beiträge werden jeweils eingeleitet durch eine kurze Information über das Leben der befragten Frauen und ihre Beziehung zu Anne Frank.

In dem Buch kommen unterschiedliche Weggefährtinnen von Anne Frank zu Wort wie ihre beste Freundin Hanna Elisabeth Pick-Goslar, die im Tagebuch als „Lies Goosens“ auftaucht und die Anne Frank in Bergen-Belsen noch mehrmals sprechen konnte.

Janny Brandes-Brilleslijper hat Anne Frank erst auf dem Weg nach Westerbork, am Amsterdamer Hauptbahnhof, kennengelernt. Sie traf Anne und Margot in Bergen-Belsen wieder und sie war es auch, die Otto Frank die Nachricht vom Tod seiner Töchter übermittelte, den sie selbst miterlebt hat.

Auch eine Schulkameradin kann sich an eine spätere Begegnung mit Anne Frank erinnern. Bloeme Evers-Emden kannte Anne und Margot Frank aus dem jüdischen Lyzeum. Sie traf die beiden in Westerbork.

Die Bezüge dieser drei Frauen und der anderen Gesprächspartnerinnen zu Anne Frank waren für mich der Anlass, das Buch zu lesen. Nachdem ich einmal begonnen hatte, haben mich die Lebensgeschichten der Frauen in den Bann gezogen. Sie beschreiben die Schikanen und Verletzungen, die Schrecken und den Hunger, die sie erlebt haben. Sie schildern ebenso den Alltag in den Konzentrationslagern, der von eben jenem Hunger, aber auch von Arbeit und Miteinander geprägt war. Ein lesenswertes Buch.

Von dem Film scheint es eine deutschsprachige Fassung unter dem gleichnamigen Titel bei Matthias-Film zu geben, die in manchen öffentlichen Bildstellen zur Verfügung steht. Willy Lindwer ist ein niederländischer Filmemacher, zu dessen Schwerpunkten die NS-Zeit und der Holocaust zählen. Für den Film „The Last Seven Months of Anne Frank“ bekam er 1988 den Emmy. In meinem DVD-Archiv steht von ihm außerdem ein Film über das Lager Westerbork, der 1990 erschienen ist. © Birgit Ebbert

Auszüge aus den Film-Interviews
Internetseite von Willy Lindwer