(08.10.2019) In meinem Kopf spukt schon seit Jahren eine Idee für ein Buch herum, das ich in meinen letzten Gotha-Wochen endlich in Angriff nehmen will. Ja, der Herti-Roman ist noch nicht fertig, aber es sind noch ein paar Archiv-Recherchen nötig, ehe ich daran weiterarbeiten kann und dazu muss ich nach Berlin. Für die Geschichte, die ich im Sinn habe, scheint mir hingegen Schloss Friedenstein mit seinem Park und dem Herzoglichen Museum wie geschaffen. Ob das dann wirklich passt, wird sich beim Schreiben zeigen. Am letzten Freitag und Samstag war ich noch einmal dort, um jedes Eckchen und Fleckchen intensiv mit Augen, Kamera und Kreativgeist zu betrachten.

Entdeckung im Herzoglichen Museum

Angefangen habe ich im Herzoglichen Museum und jedes Bild und jedes Exponat einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Dabei habe ich dann auch die Exponate der Ausstellung „Keramische Horizonte“ anschauen können, die Vernissage war im Gotha-glüht-Feuer untergegangen 🙁 Schade, denn gezeigt werden Exponate aus der Lotte Reimers Stiftung und bei der Eröffnung war Lotte Reimers anwesend. Wenigstens sind ihre Exponate noch da, wobei nur einige wenige der ausgestellten Werke von der Keramikkünstlerin selbst stammen. Sie hat darüber hinaus in der ganzen Welt Keramikkunst gesammelt. Die Spannbreite der gezeigten Keramiken ist breit, von figürlichen Menschendarstellungen bis zu abstrakten Erarbeitungen von Alltagsbegriffen, von der Schale bis zur Vase ist alles zu sehen. Und nicht nur im Raum für Sonderausstellungen im Parterre, sondern im gesamten Museum. Manche Exponate fügen sich wunderbar in die Vitrine oder den Raum ein, andere irritieren auf den ersten Blick, aber dann passen sie doch zu den Werken in der Nähe. Und ich muss froh sein über diese Art der Präsentation. Ich wunderte mich nämlich in einem Raum und kam mit einem Herrn von der Aufsicht ins Gespräch. Er erwähnte beiläufig, besonders unheimlich wäre ihm diese Verbindung bei den Mumien. Äh, Mumien? Bis dahin hatte ich noch keine Mumie zu Gesicht bekommen, obwohl ich schon mehrmals im Museum war. Also habe ich nach meinem Rundgang in den oberen Etagen endlich einmal genau auf den Wegweiser im Parterre geschaut und entdeckt, dass es im Souterrain einen weiteren Ausstellungsraum gibt. Schon die farblich Gestaltung der Räume hat mich gleich begeistert und dann befanden sich dort tatsächlich Mumien und Grabbeigaben, fragt mich nicht, aus welchen Gräbern, es sind wohl hauptsächlich Frauenmumien zu sehen und Mumien von Tieren. Sehr interessant fand ich auch die Sammlung von Korkmodellen antiker römischer Bauten aus dem 18. Jahrhundert. Die Modelle wurden in Rom von dem Künstler Antonio Chichi geschnitten, sie waren in jener Zeit beliebte Souvenirs, die Adelige von Italienreisen mitbrachten. In Gotha zu sehen ist eine Sammlung, die Prinz August von Sachsen-Gotha-Altenburg um 1772 gekauft hat. Mal sehen, was ich mit diesem Input anfangen werde 🙂

Natur, Theater und mehr in Schloss Friedenstein

Nach den neuen Entdeckungen im Museum musste ich Teil 2 meiner Erkundungen auf den nächsten Tag verschieben, da bin ich dann mit Kamera, Notizbuch und neugierigem Blick durch Schloss Friedenstein geschlurft. 🙂 Ok, geschlurft bin ich nur durch die herzoglichen Gemächer und da ist das vorgeschrieben. Mich hat dabei weniger interessiert, wie der Herzog und die Herzogin geschlafen oder gewohnt haben. Mein Augenmerk lag eher auf den Details, die für meine Geschichte interessant sein könnten. Nein, die verrate ich jetzt nicht. Ich habe jedoch in jeder Ausstellung außergewöhnliche Details gefunden, in den herzoglichen Räumen ebenso wie in der „Baustelle Geschichte“ mit einem kurzen Abriss vom Faustkeil über die Glasharmonika bis zum Mauerfall, in der Kunstkammer, im Museum der Natur im Westturm und im „Theatermuseum“, das gar keines ist, sondern eine Sammlung theaterhistorischer Exponate aus dem Ekhof-Theater. Interessant war, dass ich neben der Theatersammlung einen Schrank entdeckte, der mich sehr an die Vitrinen in der Puppenstadt in Arnstadt erinnerte. Da muss ich noch herausfinden, ob dieser Schrank vielleicht auch Grundlage für eine Puppenstube war. Ich liebe es ja, wenn sich solche Effekte zeigen, dass Erlebnisse wie Dominosteine aneinanderpassen. Das gilt auch für die Backgammon-Spiele, die mir in Arnstadt im Puppenhaus, im Herzoglichen Museum auf einem Gemälde und in der Kunstkammer im Schloss begegnet sind. Inzwischen weiß ich, dass es eins der ältesten Brettspiele der Welt ist, ich habe es erst im Studium kennengelernt, da haben wir nächtelang gespielt und ich war richtig gut. Ich könnte das wirklich mal herauskramen oder nach einer digitalen Version suchen. Tja, so bringt einen ein Museumsbesuch zurück in die Wirklichkeit, dabei sollte ich endlich mit meiner Geschichte beginnen, aber jetzt muss ich erst nach Backgammon digital schauen 🙂 © Birgit Ebbert