Reise-Ausstellung im LIteraturmuseum Marbach(17.08.2014) Zuletzt war ich im Literaturmuseum in Marbach vor 15 Jahren zum 100. Geburtstag von Erich Kästner. Gestern nun habe ich fast einen Tag dort verbracht und unendlich viele Anregungen bekommen. Unter anderem habe ich die Ausstellung „Reisen – Fotos von unterwegs“ besucht. Die Kuratoren haben aus den Nachlässen im Literaturarchiv zig Fotos und Postkarten herausgesucht und diese zu einer einzigartigen Ausstellung gebündelt. Die Liste der vertretenen Autoren ist so lang, dass ich sie nicht aufzählen kann, Erich Kästner ist dabei, aber auch von Ilse Aichinger und Hermann Hesse, Peter Handke und Siegfried Lenz sowie viele andere Schriftsteller sind mit Fotoeindrücken vertreten.

An den Wänden den Ausstellungsräumen und in Lichtvitrinen werden die Besucher auf zweifache Weise aus dem Alltag gehoben. Zum einen durch die Fotomotive – die von der Ostsee bis zur Ostküste Amerikas, von Deutschland bis in Länder reichen, deren Namen heute nur noch wenige Menschen kennen. Die meisten Fotos stammen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und ziehen einen damit nicht nur an andere Orte, sondern in eine andere Zeit. Die Bilder über Deutsch-Südwestafrika zum Beispiel haben mich gleich an die Geschichte „Die Wildnis in mir“ von Gina Mayers Roman denken lassen.

Zum anderen erfährt der Besucher Neues über die Autoren, welche Reiseziele und Fotomotive sie bevorzugt haben und manchmal auch, wie sie zu jener Zeit aussahen und mit wem sie Kontakt hatten, wenn der eine Schriftsteller den anderen in seinem Urlaubsziel ablichtet. Die Postkarten von Mascha Kaléko haben mich an Max Kersting erinnert, einen Künstler, den ich im letzten Jahr auf der Buchmesse in Leipzig und der alte Postkarten mit Bemerkungen versieht. Ob er die Fotos von Mascha Kaléko kennt? Wenn nicht, zeigt das wieder einmal, dass Ideen frei durch die Zeit fliegen und immer wieder zum Ausbruck kommen.

In einem Raum gab es außerdem Exponate von Mitbringseln oder Reiseutensilien wie den Briefbeschwerer von Friedrich Schiller oder eine „Reisegabel“ von Kafka aus dem Besteck, von dem er einen Teil verspielt haben sollt.

Den Video-Raum habe ich irgendwie verpasst, aber nachden Eindrücken war mein Arbeitsspeicher auch überfüllt. Den Katalog habe ich allerdings mitgebracht, weil man selten die Gelegenheit alte Bilder von Orten findet und die doch hin und wieder für Beschreibungen in Romanen braucht. Außerdem ist das Blättern in dem 500 Seiten starken Buch ein wenig wie das Durchsehen eines Albums, nur dass man hier noch Biografien der Fotobesitzer sowie verschiedene Denkimpulse erhält.

Wer also nicht bis zum 5. Oktober nach Marbach reisen kann, dem empfehle ich den Katalog.

Was ich mir als nächstes wünschen würde, wäre eine Ausstellung mit Bildern der Lebensorte der Schriftsteller, einfach aus Neugier und weil mich fasziniert hat, dass das Geburtshaus von Schiller in Marbach heute noch genauso aussieht wie auf einem Gemälde aus dem Jahr 1830. Doch das ist ein neues Thema, der Beitrag folgt dann demnächst. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen:

Deutsches Literaturarchiv Marbach

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