Kugeln zum Nachbasteln(22.02.2016) Am Samstag war ich nicht nur auf dem Steampunk-Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle in Bochum, sondern auch bei der Eröffnung der Ausstellung „Lasst hundert Blumen blühen“ mit rund 150 Werken von Ren Rong, einem deutschen Künstler mit chinesichen Wurzeln. Seit 30 Jahren lebt er vor allem in Deutschland, aber immer wieder auch in China und hat es geschafft, sich in der Kunstszene beider Kulturen zu etablieren. Dabei setzt er auf klassische Techniken wie die Frottage, Wachsarbeiten, Prägung und sogar Scherenschnitte, die bei ihm dann auch schon mal zu Stahlschnitten im Großformat werden.

Ren Rong arbeitet mit verschiedenen Werkstoffen

Ren Rong im KabinettBeim Rundgang durch die Ausstellung fasziniert einen vor allem eben diese Vielseitigkeit der Werkstoffe, aber auch der rote Faden, das wiederkehrende Muster, an dem die Objekte und Installationen sofort erkennt. Ob das die Metallskulpturen in der großen Halle sind, die man übrigens sogar zum Klingen bringen kann und darf, die Augenhände oder den Raum voller Flammengesichter. Immer schafft er es, seine „Pflanzenmenschen“ einzubinden, teils nur angedeutet, teils überdeutlich. Damit möchte er zeigen, dass wir Menschen unabdingbar mit der Natur verbunden sind und uns diese bewusst machen sollten. Wie könnte das besser geschehen als durch Kunstwerke, die zugleich schön sind und doch irritieren, sodass man genauer hinsieht und das Werk hinterfragt.

Ein kurzer Abriss zum Leben des Künstlers

Flammengesichter von Ren RongRen Rong ist 1960 in Nanjing geboren und dort auch aufgewachsen. 1986 zog er – der Liebe wegen – nach Deutschland, nach Bonn, wo er auch heute noch lebt und wo er bereits im gleichen Jahr seine erste Einzelausstellung hatte. Er hatte Kunst studiert und in China vor dem Umzug bereits Werke ausgestellt. In Deutschland hat er das Studium an der Kunstakademie in Münster bzw. Düsseldorf fortgesetzt und seinen ganz eigenen Stil zur Verbindung seiner beiden Kulturen entwickelt.

Wie Kinder Werke von Ren Rong erlebenHagen ist für die Ausstellung, die zusammen mit dem Atelier M des Kunstvereins Bildung-Kultur aus Witten entstanden ist, der Startpunkt einer kleinen Reise durch die Welt. Nach dem 15. Mai wird sie nach Österreich und China reisen, man sollte also jetzt die Chance nutzen, diese faszinierenden Werke anzuschauen und vielleicht sogar selbst eine Melodie auf den Skulpturen zu spielen – nicht nur, aber gerade auch die Kinder-Besucher in der Ausstellung hatten viel Spaß daran, wie sie ohnehin begeistert durch die Räume gingen. Vielleicht, weil sie die hundert Blumen sahen oder spürten, die über der Ausstellung schweben. Der Titel bezieht sich übrigens auf einen Satz aus einer Rede Mao Tse Tungs 1956, in der er forderte: „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern!“ Mit der Rede forderte er das chinesische Volk, vor allem die Intellektuellen auf, sich auch kritisch mit dem Staat zu beschäftigen. Das war eine andere Zeit, was? © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de