(19.11.2013) Im Thalia-Theater in Tailfingen gab es gestern eine ganz besondere Veranstaltung mit dem Theater Lindenhof  im Rahmen der Literaturtage. Regisseur und Theatermusiker Heiner Kondschak setzte zusammen mit dem Schauspieler-Trio Constanze Klemenz, Berthold Biesinger und Gerd Plankenhorn Auszüge aus dem Werk Robert Gernhardts in Szene. Für alle, die sich wundern, warum sie das verpasst haben – es handelte sich um eine interne Veranstaltung für Schulen, in die ich mich schleichen durfte. Ok, ein paar Lehrerinnen und Lehrer waren auch im Publikum, vor allem war aber das Thalia-Theater bis auf den letzten Platz, den ich sehen konnte, mit Jugendlichen besetzt. Im dunklen Zuschauerraum konnte man nur an ihrem Gelächter und am spontanen Szenenapplaus erahnen, ob es ihnen gefallen hat. Und beides gab es immer wieder, vor allem natürlich bei den Szenen und Texten, die einen Bezug zu ihrem Leben hatten – allen voran die Beziehung zwischen Jungen und Mädchen, Frau und Mann. Aber auch an den zahlreichen Wortspielen und Nonsense-Texten schienen sie ihren Spaß zu haben, das verrieten auch ihre Äußerungen nach Ende der immerhin 75-minütigen Aufführung.

Da ich einige Lebensjahre mehr als die Schüler mitbringe, war die Veranstaltung für mich in jedem Fall ein Erlebnis. Schon diese 70er Jahre Deko mit Fransenlampe und die Schlaghosen der Schauspieler – köstlich. Auch der überdimensionale Fernseher erinnerte mich gleich an den ersten Fernseher in unserer Familie. Dazu passten für mich wie das Tüpfelchen auf dem I die Scherenschnitt-Animationen, die mich gedanklich in die Kinderstunden-Zeit versetzt haben. Dieses Mal waren sie allerdings anfangs unterlegt mit einer kurzen Biografie Robert Gernhardts, der nicht nur ein bedeutender Schriftsteller war, sondern auch ein begnadeter Satiriker, was er unter anderem in den Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ bewies, die er mitbegründet hat. Um den Bezug zur Realität der Zuschauer herzustellen, wurde erwähnt, dass Gernhardt auch für Otto Waalkes gearbeitet hat – ich spürte förmlich, wie die Aufmerksamkeit mit einem Schlag zunahm.

Von da an lauschten die Schülerinnen und Schüler gebannt den musikalisch begleiteten Gernhardt-Rezitationen, die teilweise so theatralisch-komisch umgesetzt wurden, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass es sich wirklich um Gernhardt-Texte handelte. Ob das „Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgedicht“ oder die vielfältigen Spiele mit Namen waren, die Interpretation von Fernsehsendungen wie „Top die Watte gilt“ oder Serien, die teilweise den Schülern gar nicht bekannt waren. Für 50-Jährige eine Revival-Veranstaltung, für 15-Jährige witzige Sprachkunst, die neugierig macht auf mehr von diesem Autor. Ich zumindest fand es schade, dass die 75 Minuten so schnell um waren und bin sicher, dass es auch dem einen oder anderen Jugendlichen so erging. Aber auch stecken bereits in der Tretmühle – der Bus wartete, die nächste Unterrichtsstunde wartete … Aber vorher nahmen sie sich Zeit, dem Ensemble mit einem Applaus Tribut zu zollen. Ob 50 oder 15 – beim Klatschen merkte man an dem Vormittag keinen Unterschied.