(24.07.2014) Beim Aufräumen im Urlaub habe ich einen Text zum Thema „Kinderspiel“ gefunden, den ich vor 24 Jahren geschrieben habe. Ich frage mich , ob sich in den letzten 24 Jahren etwas geändert hat und wenn ja, ob die Situation für Kinder heute besser oder schlechter geworden ist.

Am 5. Juli 1990 erschien in der Stuttgarter Zeitung der Artikel „Rote Karte fürs Kinderspiel in den Abendstunden“. Die Zeitung berichtet darüber, dass in mehreren Fällen Anwohner gerichtlich durchgesetzt hatten, dass Spielplätze nach 20.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen nicht genutzt werden dürfen. Sprich: Die Gerichte haben sich gegen Kinder und Jugendliche auf die Seite der Anwohner gestellt. Etwa zur gleichen Zeit erlebte ich, mal so als Beispiel, dass ein Nachbar ungehindert auf seinem Stellplatz eine Kreisssäge betreiben durfte – in der Mittagszeit und auch abends nach 20.00 Uhr.

Mich hat der Artikel damals so empört, dass ich spontan einen Leserbrief geschrieben habe, der auch abgedruckt wurde und mir neue Freunde und Feinde bescherte. Eine Kontaktadresse zu einem Verlag ist leider verloren gegangen, man hatte mir angeboten, Texte für Postkarten zu schreiben, weil ihnen der Leserbrief so gut gefiel. Tja, man soll eben immer gut mit seinen Notizen haushalten.

Und so lautete mein Leserbrief:

„Es waren einmal Menschen, die kamen schon als Erwachsene zur Welt und hatten daher weder für Kinderlärm noch Musik und Spielgeräusche Verständnis. Sie bemühten einen Rechtsanwalt, der ihre Interessen vertrat und fanden ein Gericht, das ihre Wünsche zur Vorschrift erklärte: Kinder und Jugendliche durften fortan nur noch nach Stundenplan spielen. Und wenn sich niemand findet, der jedem Menschen die Erinnerung an Kindheit und Jugend gesetzlich vorschreibt, suchen junge Menschen auch in vielen Jahren noch Freiräume, in denen sie ihre Träume verwirklichen können.“

Um auf meine Frage oben zurückzukommen, hat sich etwas geändert? Höchstens, dass auf Kinderspielplätzen heute weniger Kinder und Jugendliche anzutreffen sind, weil diese vor den Bildschirmen sitzen. Ein Gesetz, das vorschreibt, sich an die eigene Kindheit und Jugend zu erinnern, könnten manche Erwachsene dennoch gut gebrauchen. © Birgit Ebbert