(18.03.2014) Das Museum im Bügeleisenhaus in Hattingen zeigt in diesem Jahr eine ganz besondere Ausstellung, an der ich mich leider, leider nicht beteiligen darf, weil ich in Hagen wohne. Nicht aus einer alten Feindschaft zwischen Hattingen und Hagen, sondern weil nur Hattinger sich mit ihren Sammlungen für die Ausstellung bewerben konnten. Ab dem 8. Mai sind in einer Sonderausstellung im Bügeleisenhaus „Private Schätze“ zu sehen – das wird ein Fest für mich. Als Ausgleich, weil ich keine meiner Sammlungen ausstellen darf, gibt es nun aber eine Blogparade zur Frage „Was sammelt Ihr und/oder welche Sammlungen kennt Ihr?“ Dabei ist das für mich eine schwere Frage, weil mein Sammler-Gen sehr ausgeprägt ist und ich vermutlich in der Wiege meine erste Sammlung angelegt habe.

Ich bin nicht sicher, ob meine erste Sammlung das „Bettelarmband“ mit den Stadtwappen als Anhänger war oder der Spazierstock, auf den Plaketten – mit Stadtwappen – genagelt wurden. Beides besaß ich schon vor der Einschulung, das weiß ich, und da mein Vater damals beruflich im Außendienst war, wuchs die Sammlung am Arm für die 60er Jahre ziemlich rasch. Mit dem Armband hat mein – ebenfalls sammelbegeisterter Vater – die Grundlage für meine Sammelleidenschaft gelegt, die merkwürdige Ausprägungen zeigte. So sammelte ich

Briefmarken – Natürlich, und ich war froh, als ich diese Sammlung mit Einführung der Euro-Briefmarken endgültig abschließen konnte

Bierdeckel (nicht Kronkorken, sondern diese Pappuntersetzer, die es in Gaststätten gab und gibt) – Mit der Sammlung habe ich vor zehn Jahren einer jungen Dame aus einem der neuen Bundesländer eine Riesenfreude bereitet, weil sie sonst niemals an Bierdeckel aus den 60er Jahren geraten wäre

Plastiktüten – Von der Sammlung habe ich mir nur schwer getrennt, ich schließe nicht aus, dass sich in der Truhe im Keller meines Elternhauses noch einige befinden, die schönsten habe ich ebenfalls vor zehn Jahren verschenkt, die banalsten über mehrere Jahre als Müllbeutel verwendet.

Fernsehsendungen – Ja, ich habe indirekt Fernsehsendungen gesammelt, bis in meine Studienzeit hinein. Natürlich nicht Fernsehsendungen im wörtlichen Sinne, sondern die Ankündigungstexte aus den Fernsehzeitschriften. Ich glaube, das ist meine schrägste Sammlung, aber dank dieser Sammlung weiß ich, dass ich Fernsehsendungen wie „Sie kamen aus Agarthi“ gesehen habe. Irgendwo im Keller muss die Sammlung noch sein – fein säuberlich sortiert, auf Ringbuchblätter geklebt und abgeheft.

Elefanten – Den ersten Elefanten bekam ich 1974 als Preis bei einem Ballonwettbewerb. (Gibt es so einen Wettbewerb noch, bei dem man eine Karte mit seiner Adresse an einen mit Gas gefüllten Ballon bindet und wartet, wo der Ballon landet?) Danach wuchs die Sammlung, bis ich irgendwann die Losung ausgeben musste: „Ich will keine Elefanten mehr.“ In meiner ersten Stuttgarter Wohnung waren wirklich überall Elefanten. Heute befinden sie sich in Kisten im Keller, aber meinen Talisman-Elefant, den mir ein für mich wichtiger Mensch geschenkt hat, habe ich immer bei mir. Und in meiner Wohnung stehen einige Elefanten mit besonderer Geschichte oder von besonderen Menschen.

Elefantenbücher – Dass ich Bücher sammle, erwähne ich erst gar nicht, das versteht sich für mich als Autorin irgendwie von selbst. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich von den Elefanten irgendwann zu Elefantenbüchern übergegangen bin. In Bochum nahmen diese Bücher – vom Pappbilderbuch bis zum Hochglanz-Sachbuch – ein ganzes Regal ein. Hier in Hagen führen die Bücher ein Dasein im Verborgenen. Dafür nehmen die Bücher rund um die Bücherverbrennung samt einer kleinen Auswahl von Büchern, die die Verbrennung überlebt haben, die Bücher zur NS-Zeit, die Bücher von und über Erich Kästner sowie Biografien sehr viel Raum ein.

Pixibücher – Mitte der 90er-Jahre stellte ich dann beim Besuch der Buchhandlung im Stuttgarter Flughafen fest, dass Pixibücher noch immer das gleiche Format haben wie in meiner Kindheit. Nicht nur das, mir fiel auch auf, dass sie nummeriert waren. Für jemanden mit Sammler-Gen und strukturierter Denkweise gibt es vermutlich keine bessere Sammlung. Anders als bei Elefanten oder Elefantenbüchern, Plastiktüten oder Bierdeckeln kann man nämlich eine vollständige Sammlung aufbauen – ohne wie bei einer Briefmarken- oder Münzsammlung ein Vermögen auszugeben. Schon war ich dem Pixi-Virus verfallen und fing an, die fehlenden Bücher auf Flohmärkten zu suchen. Ja, Mitte der 90er Jahre gab es Ebay noch nicht, da musste man noch von Trödelmarkt zu Trödelmarkt ziehen, um eine Sammlung zu vervollständigen. Was ich auch getan habe. Und damals gab es schon fast 1.000 Bücher. Zum Glück gab es in Bochum samstags einen großen Flohmarkt, bei dem ich einige Jahre Stammgast war, bis sich ebay der Sammler annahm und ich über das Internet andere Sammler kennenlernte und tauschen konnte. Eine Zeitlang hatte ich sogar eine Internetseite über Pixibücher und ein Forum, in dem Sammler ihre Bücher tauschen konnten.

Zitate – Die Sammlung, die neben den Büchern am längsten überdauert hat, ist meine Zitatensammlung. Meine Datenbank umfasst gut 3.000 Zitate, die mir wichtig sind, teilweise nach Stichworten sortiert. Mit dieser Sammlung habe ich in einem Urlaub in einem Ferienhaus am Ende der Welt begonnen, als ich alle Bücher ausgelesen und noch viel Ferienzeit hatte. Da habe ich sämtliche Zeitschriften der Wohnungsbesitzer durchgearbeitet und die Zitate, die mir gefielen, abgeschrieben. Seither wird die Sammlung um neue Sinnsprüche erweitert.

Kindheitsträume – Meine jüngste Sammlung ist nicht physisch vorhanden, auch wenn es drei Ordner voller Ausdrucke, Briefe und Fragebögen gibt. Seit vier Jahren sammle ich Kindheitsträume. Das ist wieder eine Sammlung, die nie fertig sein wird. Aber der Grundstock ist gelegt, er ist auf der Seite kindheitsträume.wordpress.com dokumentiert. Die Kindheitsträume stammen von Menschen, die ich kenne und die mir ihre Visionen anvertraut haben, aber auch von mir nicht bekannten Personen, die den Aufruf in der ZEIT gelesen haben oder die ich über eine Internetsuche oder Zeitungsartikel ausfindig gemacht habe. Diese Sammlung wartet darauf, erweitert zu werden. Aber im Moment sammle ich ja erst einmal

Stadt-ABCs – in einer Blogparade. Diese Sammlung ist auf jeden Fall zeitlich auf den 30. April begrenzt. Bis dahin freue ich mich auf Blogbeiträge, auf E-Mails und Kommentare mit Stadt-ABCs, weil jedes ABC neugierig macht auf die Stadt und ich durch jedes ABC etwas Neues lerne. Das ist vielleicht überhaupt die wertvollste und geheimnisvollste Sammlung, die ich besitze: mein

Wissensschatz – Ich bin manchmal selbst überrascht, wenn ich Dinge weiß, die ich bewusst niemals gelernt habe. Das Gehirn und das Gedächtnis bleiben für mich ein Wunder und das größte Sammelalbum, das ein Mensch besitzen kann.

Ich bin gespannt, welche Sammler im Bügeleisenhaus ausstellen werden und werde ab dem 8. Mai auf jeden Fall nachschauen. © Birgit Ebbert

Informationen zur Ausstellung im Bügeleisenhaus