(16.03.2015) Bei meinem literarischen Bummel durch Marbach im letzten Jahr habe ich natürlich auch das Geburtshaus von Friedrich Schiller besucht, aber irgendwie ist der Artikel untergegangen. Nun aber! Das Schiller-Geburtshaus hatte ich von außen anders in Erinnerung, aber der Vergleich eines Gemäldes aus dem Jahr 1830 mit dem Foto von 2014 lässt vermuten, wie das Haus auch in den 90er Jahren aussah, als ich zuletzt dort gewesen war.

Innen hat sich allerdings einiges geändert, habe ich mir erklären lassen. Zum 250sten Geburtstag 2009 wurde die Ausstellung überarbeitet. Natürlich ist alles moderner geworden, es gibt weniger Exponate, aber die kann man in Ruhe ansehen. Vor allem gewinnt der Besucher einen Eindruck davon, mit wie viel bzw. wenig Platz die Familie Schiller in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts auskommen musste.

Zur Erinnerung Friedrich Schiller ist am 10. November 1759 in Marbach geboren, er lebte nur die ersten Jahre dort und zog später mit seiner Familie zunächst nach Lorch und dann Ludwigsburg. Schillers Vater stand in den Diensten des Herzogs von Württemberg, dieser Beruf bestimmte das Leben der Familie sehr. So besuchte Friedrich Schiller nicht freiwillig und gegen den Willen seiner Eltern die Militärakademie. Doch das war viele Jahre später. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Marbach, wo seine Großeltern mütterlicherseits ganz in der Nähe des Geburtshauses den Gasthof Zum goldenen Löwen betrieben, bis sie ihn wegen zu großer Schulden aufgeben mussten. Diese Großmutter verarmte nach dem Tod ihres Mannes, der eine Stelle als Torwächter innehatte, weil sie als Frau diese Stelle nicht weiterführen durfte. Das Armengeld, das für sie gesammelt wurde, bekam sie nicht ausgehändigt, sondern die Familie Glock, bei der sie untergebracht wurde.

Wer in dem Geburtshaus Mobiliar aus der Zeit Schillers erwartet, wird enttäuscht. Da die Familie häufig umzog, sind die Möbel nicht erhalten geblieben. Lediglich der Herd in der Küche vermittelt noch einen Eindruck, wie die Familie gelebt hat. Sie musste sich auf die Räume im Erdgeschoss beschränken, im Obergeschoss wohnte der Besitzer. Heute befinden sich dort drei weitere Ausstellungsräume mit Dokumenten über die Familie Friedrich Schillers und eben jenem Gemälde, das das Schiller-Geburtshaus 1830 zeigt.

Das ist es eigentlich, was mich am meisten fasziniert hat. Zu sehen, dass man schon Anfang des 19. Jahrhunderts begonnen hat, an Schiller zu erinnern. Dem ging, so erfuhr ich nebenbei, der sogenannte Denkmalstreit zwischen Stuttgart und Marbach voraus. Stuttgarter Bürger haben sich bereits in den 1830er Jahren dafür engagiert, dass die Landeshauptstadt ein Denkmal von Friedrich Schiller erhält. Der Däne Bertel Thorvaldsen wurde beauftragt, nach einem Bild, das Johann Christian Reinhart 1787 von Schiller gezeichnet hat, das Denkmal zu erstellen. Da wollte Marbach mithalten, man besann sich auf das Geburtshaus, gründete einen Verein und richtete es als Gedenkstätte ein, die passend zum 100sten Geburtstag 1859 fertig war. Diese Gedenkstätte zieht bis heute zahlreiche Besucher an, vermutlich einzigartig in Deutschland ist sie jeden Tag außer Weihnachten und Silvester von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Und selbst, wenn man wie ich, um kurz nach 9.00 Uhr eintrifft, wird man bereits mit spannenden Informationen begrüßt.

Es ist beeindruckend zu sehen, wo Schiller als Kind geschlafen, gespielt, gegessen und die Welt kennengelernt hat und sich bei dem einen oder anderen Utensil aus dem Besitz der Familie vorzustellen, dass es rund 250 Jahre alt ist. Bei manchen Dingen wusste ich – zum Glück – nicht, was das ist, nachdem ich erfahren habe, dass sie für den Aderlass und das Zahnziehen genutzt wurden, war ich froh, in der heutigen Zeit zu leben. Obwohl ich gerne erlebt hätte, wie Schiller war. Im Nationalmuseum erfuhr ich, dass er schon zu seinen Lebzeiten darauf hingearbeitet hat, eine Ikone zu werden. Von Marketing hatte er anscheinend ebensoviel Ahnung wie auch die Stadtväter von Marbach. Ich kann mich an keine Stadt erinnern, in der einem der große Sohn der Stadt so auf Schritt und Tritt begegnet – ob auf der Speisekarte im Restaurant oder beim Winzer. Schiller ist allgegenwärtig – zu Recht, wie ich immer schon fand. © Birgit Ebbert

Informationen über das Schiller-Geburtshaus, zu dem es auch einen sehr interessanten Katalog gibt und wo man wunderschöne Postkarten mit Schillerzitaten kaufen kann, die es sonst nirgendwo gibt.