(04.04.2014) Bei meinem letzten Besuch in Stuttgart habe ich bei Facebook schon ein Bild von meinem Traum-Feriendomizil gepostet: Schloss Solitude in Stuttgart. Bei blauem Himmel wirkt es natürlich besonders hell und freundlich, aber ich habe es auch schon bei dunklem Wetter besucht und es war wunderschön. Man kommt sich dort vor wie eine Prinzessin oder Königin, kein Wunder, dass Schloss und Park schon am Sonntagvormittag voller Menschen waren. Als ich eintraf verschwand gerade die erste Menschenschlange im Haus, um die Glitzerräume zu besichtigen. Darauf habe ich dieses Mal verzichtet, ich war in meiner Stuttgarter Zeit mehrmals dort und das die früheren Bewohner seit langem tot sind, wird es wohl keine Veränderungen gegeben haben.

Na gut, die Bezeichnung „Bewohner“ trifft den Kern der Nutzung nicht richtig. Man sagt, dass Herzog Carl Eugen von Württemberg das Schloss nur aufsuchte, um dort Jagdgesellschaften abzuhalten und nie dort genächtigt hat. Dabei hat er sich selbst aktiv in den Bauprozess von 1763 bis 1769 eingebraucht, und dafür gesorgt, dass Hofbaumeister Philippe de la Guépière und Johann Friedrich Weyhing ein Schloss nach seinen bauten – mit einer Architektur im Stil des Rokkoko und einem klassizistischen Innenausbau. Zum Schlafen, so heißt es, habe er sich in den Nebengebäuden aufgehalten oder sei er zurück in sein Schloss Ludwigsburg ge… – ja was wohl: geritten, gefahren, wohl eher gefahren worden.

Sicher nicht den, den Besucher heute nehmen. Fährt man zum Schloss, muss man von allen Seiten über kurvige Straßen und durch Wälder fahren, deren Bäume aussehen, als hätten sie auch zu Carl Eugens Zeiten schon an ihrem Platz gestanden. Vermutlich war das Carl Eugen zu mühselig, jedenfalls ließ er sich eine Allee bauen, deren Ausläufer ich jetzt zum ersten Mal gefahren bin, die vom Schloss direkt nach Ludwigsburg führt. Die Kutscher mussten sich also nicht wie ich die kurvenreiche Straße durch den Wald heraufarbeiten, sondern allenfalls ihre Pferde antreiben, den Berg hinaufzuschnaufen.

Das wäre doch ein hübsches Ferienhäuschen!

Mit dem Schloss, das ebenso pompös gebaut und ausgestattet wurde wie Schloss Ludwigsburg, hatte Carl Eugen sich finanziell etwas übernommen. Deshalb wurde es nicht lange als Vergnügungspalast genutzt, sondern erhielt schon bald eine nützliche Bestimmung. 1770 befand sich die Karlsschule in dem Schloss, jene Militärakademie, die auch Friedrich Schiller besucht hat, sein Vater war ab 1775 Leiter der Gärten um das Schloss Solitude. Die ersten Jahrzehnte seines Bestehens bildeten die Hoch-Zeit des Schlosses, im 19. Jahrhundert wurde es kaum noch genutzt und verfiel so sehr, dass Mitte des 20. Jahrhunderts die Deckenfresken größtenteils zerstört waren und auch die Bausubstanz zu verfallen drohte, dennoch befand sich dort von 1968 bis 1986 ein Studentenwohnheim. Während dieser zeit, von 1972 bis 1983, wurde das Schloss wiederhergestellt. Heute kann das Schloss bei einer Führung besichtigt werden und in den Nebengebäuden ist die Akademie Schloss Solitude untergebracht, die sich der Förderung von Künstlern verschrieben hat, unter anderem werden Stipendien vergeben. Hach, die Stipendiaten dürfen dort oben wohnen, leider bin ich schon zu alt für ein solches Stipendium. Schade!

Da oben ist das Schloss schon zu sehen –
der Weg ist aber nur für Fußgänger.
Autofahrer müssen mit der Rennstrecke vorlieb nehmen.

Und an einem Rennen auf der Solitude-Rennstrecke könnte ich auch nicht teilnehmen, weil diese schon seit 1965 nicht mehr genutzt wird. Bis dahin wurden über 60 Jahre Motorrad-Rennen ausgetragen, das erste 1903, und von 1960 bis 1965 auch Formel I bzw. Formel II-Auto-Rennen. Ich war bei der Recherche erstaunt, dass es schon so lange her ist, dass das letzte Rennen dort gestartet wurde. In meiner Stuttgarter Zeit wurde immer von der Solitude-Rennstrecke gesprochen und auch heute noch bekamen – zugegeben ältere – Motorsport-Fans leuchtende Augen, als ich berichtete, dass ich auf einem Teilstück der Rennstrecke gefahren war. Zur 100-Jahr-Feier 2003 gab es auch tatsächlich noch ein Renne auf einer verkürzten Strecke und auch heute noch engagiert sich ein Solitude Revival e. V. dafür, die Strecke oder Teile davon wenigstens für ein Wochenende wieder mit Rennpiloten zu beleben.

Weitere Informationen über Schloss Solitude: www.schloss-solitude.de