(26.08.2018) Es ist wieder so weit. Unter dem Motto „Schloss mit lustig“ finden zurzeit die Schlossspiele Hohenlimburg statt. Am Freitag wurden sie mit dem Lustspielklassiker „Der zerbrochene Krug“ eröffnet und wer glaubt, nach „Hexenjagd“, „Harold & Maude“ und „Ein Käfig voller Narren“ ist Dario Weberg mit seinem Schlossspiel-Ensemble wieder eine herausragende Inszenierung gelungen. Nun liebe ich ja klassische Schauspiele und „Der zerbrochene Krug“ über den Amtsmissbrauch eines Richters gehört zu meinen Lieblingsstücken, aber die Rückmeldungen des Publikums am Abend und bei Facebook zeigen, dass das einhellig Meinung ist. Das Stück muss man sich anschauen.

Die Geschichte vom zerbrochenen Krug

Die Story des Lustspiels, das Heinricht von Kleist zwischen 1802 und 1806 schrieb, ist schnell erzählt: Marthe Rull führt Klage bei Gericht in Huisum, weil jemand einen wertvollen Krug aus ihrem Haushalt zerbrochen hat. Einen Täter hat sie auch schon im Visier, den Verlobten ihrer Tochter Eve. So sitzen Marthe und Eve, der Verlopte Ruprecht und sein Vater Veith vorm Dorfrichter Adam, der an diesem Tag gar nicht gut drauf ist. Er hat Wunden im Gesicht, einen Kater und würde viel lieber schlafen. Zu allem Überfluss ist überraschen Gerichtsrat Walter zur Revision erschienen und wohnt auch noch dem Gerichtstag bei. Dieser Gerichtsrat wundert sich doch sehr über die Art des Dorfrichters, das Verfahren zu führen. Nicht nur, dass er mit der Tochter der Klägerin tuschelt, er ist auch nachlässig beim Befragen des Angeklagten und anderer Zeugen. Irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Wer das Stück kennt, weiß, wie es ausgeht, den anderen will ich die Spannung nicht nehmen 🙂

Die Inszenierung

Indra Janorschke, die die Regie des Stückes übernommen hat, hat sich zusammen mit Dario Weberg für eine klassische Inszenierung des Klassikers entschieden, mit reduziertem Bühnenbild, das aus wenigen Holzblöcken und einem Fensterrahmen einen Gerichtssaal schafft. Stefan Schroeder hat Kleists Fassungen von „Der zerbrochene Krug“ so bearbeitet, dass die Sprache erhalten geblieben ist, die Geschichte aber so gestrafft wurde, dass es keine Längen gab, sondern die Spannung die ganzen 100 Minuten erhalten blieb. Über die Schauspieler im einzelnen etwas zu sagen, fällt mir wirklich schwer, weil alle ihre Rollen überzeugend dargestellt haben, gespielt wäre der falsche Ausdruck, sie waren eins mit ihren Rollen. Und das war angesichts der altertümlichen Sprache, deren Logik und Bilder mich wieder fasziniert hat, eine echte Herausforderung war. Gerade die Monologe verlangten den Darstellern alles ab. Das war großes Kino, wie man heute sagen würde. Dario Weberg hatte sich für die Rolle des Amtsrichters zum Glatzkopf gewandelt, hier hat Alexandra Böhm in der Maske Beachtliches geleistet. Carola Schmidt als barfüßige Magd Hanfriede zeigte sich unterwürfig und aufmüpfig, wie man sich eine Magd in einem Junggesellenhaushalt vorstellen kann. Simon Jakobi als Schreiber Licht schaffte es, mit wenigen Gesten und Mimik das Verhalten des Dorfrichters zu kommentieren. Lars Lienen schien die Rolle des Gerichtsrats Walter auf den Leib geschrieben. Indra Janorschke zeterte und lamentierte überzeugend als Marthe Rull. Hervorzuheben ist Karolin Kersting als Eve, die als verkörpertes schlechtes Gewissen neben ihrer Mutter saß und deren Zerrissenheit in jeder Minute spürbar war. Aber auch Vincent Hoff gab seiner Rolle als Angeklagter die passende Dosis Zorn über den Verdacht und Enttäuschung über den Verrat durch die Liebste. Michi Kleiber als Veit Tümpel sorgte mit seinem Eingreifen in die Verhandlung dafür, dass es zwischendurch mal laut wurde und Kerstin Menzebach als naiv-gottesfürchtige Zeugin brachte den entscheidenden Hinweis zur Lösung.

Eine Bemerkung zu den Schlossspielen

In diesem Jahr werden die 64. Schlossspiele durchgeführt, wie immer organisiert mit viel ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder des Schlossspielvereins und darüber hinaus. In diesem Jahr hatten sie eine besondere Aufgabe zu meistern. Erstmals hat der Schlossherr die Spiele auf die grüne Wiese vor seinem Schloss verbannt. Das hieß für das Schlossspiel-Team im Park eine komplette Infrastruktur für die Spiele aufzubauen, Garderoben für die Schauspieler, Raum für die Premierenfeier, Toilettenanlagen und die vielen kleinen Dinge, die ich aus der Ferne gar nicht überschauen kann. Das haben sie mit Bravour gemeistert und durch Zelte und kleine Hütten ein Ambiente gezaubert, das den einen oder anderen vergessen ließ, wie Schlossspiele im Schlosshof waren. Dennoch bleibt bei mir und vielen Schlossspiel-Besuchern Verwunderung und Unverständnis über das Gebaren des Fürstenhauses, das sich diese PR-Chance für sein Schloss entgehen lässt und stattdessen immer höhere Hürden für die traditionsreichen Spiele aufbaut. Um ihm zu signalisieren, welche Bedeutung die Schlossspiele für Hohenlimburg und die Stadt Hagen haben, sollte man die Veranstaltungen besuchen. Die weiteren Aufführungen von „Der zerbrochene Krug“ sind heute, 26.8., 18 Uhr, 31.8. 20 Uhr, , 2.9. 18 Uhr und 6.9. 20 Uhr, dazu gibt es zwei Schülervorstellungen. Das komplette Programm findet sich hier. © Birgit Ebbert

Und noch ein paar Fotos: