Schlossspiele 2016(22.08.2016) Am Sonntagabend startete das Kulturprogramm der diesjährigen Schlossspiele Hohenlimburg mit dem Schauspiel Harold & Maude von Colin Higgins, das 1972 von Regisseur Hal Ashby verfilmt wurde und im gleichen Jahr als Roman veröffentlich wurde.

Soviel kann ich vorweg bereits verraten: eine tolle Inszenierung – berührend, beeindruckend und bezaubernd. Ich bin noch immer entzückt und habe mit Vergnügen meine Fotos durchgesehen.

Eine berührende Geschichte

c-birgit-ebbert-P1290716Schon die Geschichte ist so schön. Ja, ich habe irgendwann natürlich den Film gesehen, aber das ist lange her und ich gehöre zu den Menschen, die ohnehin den Schluss vergessen und sich am Gesamterlebnis erfreuen. Für alle, denen es genauso geht, ist hier noch mal kurz die Story: Da ist der 18-jährige Harold, der bei seiner Schickimicki-Mutter aufwächst und der – sehr zu ihrem Leidwesen – lieber zu Beerdigungen geht als auf Partys und mehr Freude daran hat, immer neue Selbstmordinszenierungen auszuhecken als mit Mädchen auszugehen.

c-birgit-ebbert-P1290758Und da ist die 79-jährige Maude, die mit viel Tiefsinn das Leben annimmt und jeden Tag zu einem Abenteuer macht, mal geht sie in die Kirche, mal spuckt sie Kirschkerne. „Du musst jeden Tag etwas Neues erleben“, lautet einer der Ratschläge, die sie Harold gibt. Die beiden treffen sich in der Kirche, bei einer Beerdigung. Im Laufe der Zeit und des Stückes entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, gemeinsam pflanzen sie einen Baum, spucken Kirschkerne und machen Ausflüge. Das bringt Harold auf die Idee, er könnte Maude heiraten, wo seine Mutter so verrückt darauf ist, ihn unter die Haube zu bringen. Keine der drei Kandidatinnen, die sie für ihn einlädt, kann es mit Maude aufnehmen. Dass seine Mutter not amused ist, lässt sich denken.

Beeindruckende Schauspielerinnen & Schauspieler

c-birgit-ebbert-P1290997Wie gesagt, ich hatte den Film nicht präsent, sodass ich mich auf die Darstellung der Schauspieler einlassen konnte und keine Vergleiche gezogen habe. Ich war beeindruckt, wie Beate Wieser es geschafft hat, sich mit Körperhaltung und Mimik in die 79-jährige Maude zu verwandeln. Ein großes Lob auch an Alexander Denz, der den Harold so überzeugend dargestellt hat, dank Kamera-Zoom hatte ich auch einen Blick auf die Mimik und konnte selbst die kleinen Nuancen wahrnehmen, die aus der letzten Reihe sonst nicht sichtbar waren. Die Rolle von Mrs. Chasen, die Mutter von Maude, war Indra Janorschke wohl auf den Leib geschrieben, da fragte ich mich doch, ob das Stück wirklich von Colin Higigins war oder nicht doch Indra Janorschke und Dario Weberg ihren Stift da drin hatten. Herrlich auch Ariane Raspe, wie sie es geschafft hat, die drei Brautanwärterinnen so unterschiedlich zu verkörpern. Aber auch die Nebenrollen waren mit Kerstin Menzebach als Hausmädchen Marie, Simon Jakobi als Therapeut Dr. Mathews, Stefan Schroeder als Inspektor Bernhard, der Maude zu gerne etwas ans Zeug flicken will, und Michi Kleiber als Pater Finnegan sehr gut besetzt, köstlich, wie Pater Finnegan Harold von seinen Heiratsabsichten abbringen will.

Bezaubernd das Bühnenbild und die Musik

c-birgit-ebbert-P1300265Abgerundet wurden Geschichte und Inszenierung durch die geschickte Nutzung des Schlosshofes als Spielort mit verschiedenen Bühnen, sogar der Brunnen wurde sehr schön eingebunden. Was für die Darsteller sicher eine zusätzliche Herausforderung bedeutet, war für die Zuschauer ein zusätzliches Highlight. Zumindest wenn man wie ich in der letzten Reihe saß und den Blick über die ganze Breite des Schlosshofes hatte. Ich konnte sogar Dario Weberg und Martin Broedermann auf die Finger schauen. Die live gesungenen Songs von Cat Stevens, der die Musik zur Filmfassung von Harold & Maude geschrieben hat, waren schon auch besonders. Sehr schön auch die gelegentliche farbige Beleuchtung des Schlosses.

Mein Fazit zum Start der Schlossspiele 2016

c-birgit-ebbert-P1300378Ich war schon im letzten Jahr von der „Hexenjagd“ begeistert und dachte, das wäre nicht zu toppen. Aber der diesjährige Auftakt hat mir noch besser gefallen, vermutlich weil ich eben doch in meiner Jugend ein Cat-Stevens-Fan war und ich mich mit den Liedern in meine Jugend zurückversetzt fühlte. Vielleicht aber auch, weil mich die vielen kleinen Lebensweisheiten von Maude angesprochen haben und Geschichte und Inszenierung für mich rund waren. © Birgit Ebbert

Fotos von der Premiere von Harold & Maude

Weitere Informationen über Termine (25.8., 26.8. und 2.9. ), Spielorte und Karten: www.schlossspiele.de

Weitere Inszenierungen von Dario Weberg: www.theaterandervolme.de