(12.11.2018) Ja, ihr habt recht, es gab kein Schneegestöber im wörtlichen Sinne im Theater an der Volme, das Dach ist weiterhin dicht und ich bin im Spätsommer-Outfit dort eingetroffen. Aber auf der Bühne stieg der Schnee bis auf 5 Meter 50. „Das ist fiel, odr?!“ Und schon sind wir bei einem der Wiederholungslacher während der Premiere.

Die Geschichte vom Schneegestöber

Gräfin Griselda wartet in dem abgelegenen Hotel Mount Sauerland auf zwei Bekannte. Sie quält sich durch den Gesang einer extra für die adeligen Gäste engagierten Diva und langweilt sich, als plötzlich der Strom ausfällt. Nachdem die Wirtin endlich mit Kerzen Licht in die Dunkelheit bringt, sitzt die Gräfin leblos in ihrem Sessel. Sofort entspinnt sich die Frage, wer der Gräfin nach dem Leben trachtete und jeder verdächtigt jeden. Zum Glück weilt mit Aladin Adler ein pensionierter Kommissar aus der Schweiz unter den wenigen Gästen. Er reißt sofort die Ermittlung an sich und es gelingt ihm sogar, das Rätsel der toten Gräfin zu lösen. War es der Gärtner? War es der Butler? Das muss jeder selbst erleben 🙂

Spannung mit Spaßfaktor

Das Grundprinzip der neuen Krimikomödie von Indra Janorschke und Dario Weberg kennen wir aus Kriminalromanen: Eine überschaubare Gruppe von Menschen befindet sich in einem von der Außenwelt abgeschlossenen Raum und einer von ihnen segnet das Zeitliche – denkt nur an „Und dann gab’s keines mehr“, das wir vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Volme gesehen haben. Indra und Dario haben dieses Grundprinzip pfiffig umgesetzt, sodass es wirklich lange dauert, bis das Publikum die Zusammenhänge durchschaut. Dies nicht zuletzt deshalb, weil alle Darsteller ihre Rollen überzeugt spielen und man niemandem die Tat zutraut. Na gut, Wirtin Claire vom Hof verschachert ihren Mann für die Aussicht im Testament bedacht zu werden, eine Rolle, die Carole Schmidt super umsetzt, fast hätte ich sie nicht wiedererkannt mit ihrer Sauerland-Frisur :-). Und ihr unsicherer Ehemann Bastian, der sich mit leisem Widerspruch auf die Ränke seiner Frau einlässt, kann wirklich nicht der Täter sein, das vermittelt Stefan Schroeder überzeugend. Dienstmädchen Susanna, von Alissa Schwichtenberg herrlich dumm-naiv dargestellt, taugt sowieso nicht zur Täterin. Bleibt eigentlich nur Diva Dietlinde Marley, von Indra Janorschke herrlich selbstverliebt personifiziert, die allerdings so auf sich fixiert ist, dass sie als Mörderin kaum in Frage kommt. Aber wer weiß, vielleicht ist der Mörder nicht der Gärtner, sondern der Ermittler, Dario Weberg in der Rolle des Kommissars Aladin Adler lässt durchaus Raum für diesen Verdacht. Einzig unverdächtig ist Gräfin Griselda, der Ariane Raspe einen starken Hauch adeliger Überheblichkeit verleiht. Da kann eigentlich nur die Schwester der Gräfin, Madelaine Hurtiger, die Täterin sein, würde Ariane Raspe sie nicht so sympathisch darstellen. Das Publikum hat es wirklich nicht leicht bei der Tätersuche, zumal es zwischendurch immer mit Lachsalven kämpfen muss, wenn Dario Weberg mit Schweizer Dialekt feststellt: „Das ist viel, odr?!“ Auf jeden Fall viel Spannung und gute Unterhaltung 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.theaterandervolme.de

Weitere Termine: 23.11., 24.11., 12.12., 14.12., 15.12., 06.01., 11.01., 17.01., 19.01., 27.01., 17.02., 08.03., 12.04.