(22.02.2017) Am Samstag haben sich wieder 22 Kinder und Jugendliche zum Schreibtreiff in der Stadtbücherei versammelt, um mit mir gemeinsam zu schreiben, von ihren Schreiberlebnissen zu erzählen, meinen Erfahrungen zu lauschen und ihr eigenen Werke vorzulesen. Nachdem ich bei den letzten Treffen viel geredet hatte, dachte ich, es sei mal Zeit, viel zu schreiben.

Eine Geschichte weiterschreiben

SchreibtreffUnd damit auch wirklich alle ans Schreiben kommen und weil ich gute Erfahrungen mit einem Geschichtenanfang beim Facebook-Krimi gemacht habe, habe ich die ersten drei Sätze vorgegeben. Dabei habe ich bewusst Alter, Aussehen und Eigenschaften der Figuren offen gelassen und auch keine Angaben zum Ort gemacht, um die Fantasie nur mal eben so anzuticken. Der Anfang lautete:

„Joshua drehte sich um. Was knackte da? Er nahm die Hand seiner Schwester Amelie und ging mit ihr langsam weiter.“

Wer Lust hat, dazu eine Geschichte zu schreiben, ist auch außerhalb des Schreibtreffs herzlich eingeladen. J Vielleicht mache ich daraus mal eine Blogparade.

Schreiben im Schreibtreff

Soviel kann ich verraten: Die Ergebnisse waren überwältigend. Ehrlich. Ich schreibe die Texte gerade ab und bin wirklich beeindruckt von den Ideen und teilweise auch von der Art der Umsetzung. Schon am Samstag war ich überrascht, wie konzentriert die Jugendlichen geschrieben haben. Wir treffen uns immer an der Lesetreppe, weil das ein markanter Ort ist, den man schnell finden kann. In den Schreibphasen dürfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann in der Bücherei verteilen. Manche haben Gebrauch davon gemacht, andere haben sich an den Tisch gesetzt und wieder andere haben mit dem Block auf den Knien auf der Lesetreppe gesessen. Da wurde mir klar, dass sie es wirklich gewohnt sind, auch in einer eher geräuschvollen Umgebung zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob ich mich so schnell hätte konzentrieren können. Sie haben es jedenfalls geschafft. In den 30 Minuten, die zur Verfügung standen, haben alle mindestens eine Manuskriptseite geschrieben – mit der Hand natürlich. Dafür, dass sie die Story noch komplett ausdenken mussten, finde ich das beachtlich.

Von gestern bis überübermorgen

Die Inhalte der Geschichten waren ganz unterschiedlich. Am meisten beeindruckt hat mich die Erzählung, in der mein Anfang in den Zusammenhang einer Flucht aus der DDR in die BRD gestellt wurde, die dazu noch wirklich gut geschrieben war. Vielleicht haben wir ja Glück und die Autorin trägt die Geschichte bei der Abschlussveranstaltung am 1. Juli vor. Besonders interessant fand ich auch die Idee, zunächst einmal zu schreiben, was vor der von mir skizzierten Situation geschehen sein könnte. Und dann gab es viele Fantasy-Geschichten, aber auch reale Geschichten mit einer Mutprobe, es gab Traumgeschichten und sogar Science-Fiction. Ich wollte von den TeilnehmerInnen wissen, wie sie auf ihre Ideen gekommen sind. Viele haben über etwas geschrieben, das sie ohnehin gerade beschäftigt wie das geteilte Deutschland oder Dinosaurier – ich war beeindruckt, wie flüssig die Namen von Dinos sprudelten 🙂 Manche hatten aber auch, wie es mir manchmal ergeht, spontan die Idee im Kopf, als sie die Anfangssätze lasen. Insgesamt ist mir aufgefallen – auch schon in vorherigen Geschichten – dass sehr oft über Tod und Töten, über Waffen und Bedrohungen geschrieben wird. Da werde ich mal meine AutorenkollegInnen fragen, wie das bei ihren Schreibanfängen war. Ich weiß, dass ich einen Krimi angefangen habe, aber da ging es um einen Diebstahl, Waffen kamen nicht vor. (Anmerkung: Gerade habe ich die ersten Seiten noch mal nachgelesen und festgestellt, dass ich schon mit zwölf Jahren einen Hang zum Regionalkrimi hatte, ich habe nämlich genau die Strecke der Radtour beschrieben, die meine Detektivinnen Bim und Bam planten 🙂 ) © Birgit Ebbert