Schreibtreff(07.02.2017) Am Samstag war wieder Schreibtreff in der Stadtbücherei Hagen. Es waren fast alle 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder da, die anderen waren krank oder hatten eine Veranstaltung. Dafür waren aber drei neue Teilnehmerinnen da und ein Vater hat sich mit einem Sohn erkundigt, ob er noch einsteigen kann. Kann er. Das ist ja genau die Idee des Schreibtreffs, dass es zwar eine feste Gruppe gibt, aber immer auch Kinder und Jugendliche kurzfristig dazu kommen können, um sich mit anderen Jungautoren auszutauschen.

Wie eine Geschichte ins Buch kommt

Weil beim ersten Mal immer wieder gefragt wurde, wie eine Geschichte ins Buch kommt und wie man einen Verlag findet, habe ich zunächst aus dem Näh- bzw. Schreibkästchen geplaudert. Dabei habe ich versucht, die Kids weder zu demotivieren noch ihnen zu große Hoffnungen zu machen. Natürlich kann es sein, dass die eine oder der andere später mit seinen Geschichten einen Verlag findet und Erfolg hat. Aber in dem Alter ist eine Veröffentlichung in einem echten Verlag, bei dem kein Druckkostenzuschuss gezahlt werden muss, doch eine sehr große Ausnahme. Es ist aber auch nicht so wichtig, finde ich. Auch in anderen Bereichen – ob das nun Film oder Sport ist, sind 10- bis 16-Jährige eher die Ausnahme. Und nicht jeder, der gut Fußball spielt, wird Bundesligaspieler.

Der Schreibwettbewerb als erster Talentcheck

Seltsamerweise geht beim Schreiben häufig unter, dass das auch einfach nur entspannen kann, Spaß machen und vielleicht sogar helfen, Frust, Zorn und Freude zu verarbeiten und festzuhalten. Das gilt übrigens ebenso für Erwachsene. Die meisten wollen ihre Bücher in einem Verlag veröffentlichen und viele zahlen dann sogar dafür. Kein Mensch käme auf die Idee, dafür zu zahlen, dass er in der Bundesliga oder in einem Film mitspielen kann. Doch das nur am Rande. Ich habe die TeilnehmerInnen ermuntert, statt gleich in Verlagsveröffentlichungen zu denken, erst einmal an Wettbewerben teilzunehmen und sie auf den aktuellen Wettbewerb „Grüner Lorbeer“ der Eckenroth-Stiftung hingewiesen. Sobald ich etwas Zeit habe, werde ich eine Übersicht über solche Wettbewerbe erstellen, Tipps nehme ich gerne entgegen. Eine Teilnehmerin berichtete, die dass sie gerade erst am Theo-Schreibwettbewerb mitgemacht hätte, da drücken wir nun kollektiv die Daumen.

Helden & andere Geschichten

Geschrieben wurde natürlich auch wieder am Samstag. In einer ersten Runde haben wir Helden gesammelt. Helden aus dem wahren Leben, Helden aus Medien und Helden aus den eigenen Geschichten – von Harry Potter bis zur eigenen Mutter und den Figuren der eigenen Geschichten war alles dabei. Anschließend wurden dazu Geschichten geschrieben, die sind aber noch nicht fertig und die würde ich natürlich auch nicht vor der Abschlussveranstaltung am 1. Juli posten 🙂 Interessant war allerdings, dass einige TeilnehmerInnen die Gelegenheit genutzt haben – wie ich mir das auch gedacht hatte – an ihren zu Hause begonnen Geschichten weiterzuschreiben. Ein Mädchen schrieb sogar auf ihrem Smartphone, was ich niemals könnte. Es sind einige Jugendliche dabei, die an längeren Geschichten arbeiten, da bin ich gespannt, wie die ausgehen. Die haben allerdings eine Hausaufgabe bekommen, bis zum nächsten Mal einen Klappentext für ihre Werke zu schreiben. Sonst ist es schwer, den Einstieg nach zwei Wochen zu finden, denn natürlich steht am Ende jedes Schreibtreffs eine Vorleserunde. Bisher musste ich noch nichts aus meinen Büchern lesen, weil es genug Interesse seitens der TeilnehmerInnen gab, ihre Texte zu lesen.

Erkenntnisse zum Schreibtreff am Rande

Neben den Ideen der Kinder und Jugendlichen finde ich auch die Erkenntnisse interessant, die ich am Rande bekomme. Letztlich bestätigen sie meine Erfahrungen, leider auch die negativen sowohl was die Rolle der Lehrer als auch der Eltern bei der Schreibförderung angeht. Besonders gefreut hat mich, dass ein Vater extra gekommen ist, um seine Tochter zu entschuldigen und zu fragen, ob sie denn zu Hause etwas arbeiten solle. Besonders erschreckt hat mich, dass eine Teilnehmerin eine Stunde zu Fuß nach Hagen geht, weil sie kein Schokoticket hat und auch nicht das Geld für den Bus bekommt. Das wirklich am Rande, um zu zeigen, wie wichtig solche Projekte sind – auch und gerade in Hagen. Vor allem bin ich wirklich immer wieder beeindruckt, dass es so viele Jugendliche gibt, die schreiben und dazu stehen. Das macht mir Mut für die Zukunft, denn wer schreibt, denkt auch und schon deshalb braucht es solche Projekte. © Birgit Ebbert