(06.03.2017) Am Samstag hieß es im Schreibtreff „Helden & andere Geschichten“ einmal nicht: Ran an den Stift, sondern: Rein ins Bild. Zusammen mit 24 Kindern und Jugendlichen, Laura Visel von der Stadtbücherei und Martin Ermer mit der Kamera war ich in der Ausstellung „Mach dich zum Kunstwerk“ im Osthausmuseum.

Inspirationen finden

SchreibtreffÜblicherweise unterscheiden sich Autoren von Nicht-Autoren unter anderem dadurch, dass Inspirationen sie anspringen – man steht zum Beispiel in der Schlange im Supermarkt, hört hinter sich Leute reden und hat schon die Idee für eine Geschichte, gerne auch in Bus oder Bahn oder beim Zeitunglesen. Aber es gibt immer auch Momente, in denen einem der zündende Einstieg fehlt oder man für eine bestimmte Geschichte einen Input benötigt. Dann heißt es, sich gezielt auf die Suche nach Inspiration zu machen. Ich nutze dazu oft das Internet, für mich eine riesige Quelle der Inspiration. Aber auch Ausflüge, Gespräche oder Museumsbesuche bringen mich manchmal auf die passenden Gedanken. Das habe ich bei der Konzeption des Schreibtreffs „Helden & andere Geschichten“ mit berücksichtigt, ohne zu wissen, dass just während des Workshops eine so tolle Ausstellung im Osthausmuseum zu sehen ist.

Participate – Mach dich zum Kunstwerk

Seit dem 19. Januar ist im Osthausmuseum die Ausstellung „Mach dich zum Kunstwerk“ zu sehen, die die Besucher einlädt, zum Teil eines Kunstwerks zu werden. 24 Kunstwerke aus 500 Jahren sind so installiert, dass man sich hineinbegeben und Teil des Kunstwerks werden kann. Das Ergebnis darf man dann sogar fotografieren, was in Museen sonst eher nicht erlaubt ist. Auf diese Weise entsteht ein ganz neuer Bezug zur Kunst und zu den Kunstwerken. Was auf den ersten Blick wie ein reiner Spaß wirkt, führt nämlich dazu, sich Gedanken zu machen, was auf dem Bild eigentlich dargestellt wird und wie man sich darin in Szene setzen kann. Eine der Teilnehmerinnen hat das schön auf den Punkt gebracht: „Es gab manchmal Bilder, wo man wirklich Kunst verstehen musste, wenn man das Bild verstehen wollte.“

Vom Kunstwerk zur Textillustration

Andere Formen der Inspiration erlebbar zu machen, war der erste Anlass, mit den Schreibtreff-Kids ein Museum zu besuchen. Beim nächsten Mal werden sie Geschichten zu ihren Bildern schreiben und ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Das Schöne ist, dass wir auf diese Weise eine Illustration zur Geschichte haben werden, denn es haben nicht nur die Kinder fleißig fotografiert, sondern auch Martin Ermer und ich, sodass wir viel Input und Illustrationsmaterial haben. Ich hoffe, dass wir einiges davon bei der Abschlussveranstaltung zeigen können, das hängt aber davon ab, für welchen Text sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende entscheiden.

Ein besonderes Erlebnis

Ganz ohne wenigstens einen geschriebenen Satz wollte ich die Schreibkids natürlich nicht ins Wochenende schicken :-), so habe ich sie gebeten, aufzuschreiben, wie sie die Ausstellung fanden. Ich habe das bewusst neutral formuliert, schließlich wollte ich auch wissen, wenn ihnen etwas nicht gefallen hat. Aber da gab es nur zwei Rückmeldungen von zwei Mädchen, die mir schon beim Besuch dadurch auffielen, dass sie die meiste Zeit auf der schönen Bank im großen Saal saßen. Ihnen war die Dreiviertelstunde, die wir in der Ausstellung verbrachten, zu lang. Ein anderes Mädchen hingegen beklagte: „Die Zeit ging sehr schnell um, was leider ein bisschen doof war.“ Sie gehörte zu denen, die ich am Ende fast von den Bildern wegzerren musste, weil sie immer neue Ideen hatten, wie sie sich fotografieren könnten. Doch davon abgesehen, waren alle begeistert von dem Ausstellungsbesuch, manche haben das mit „hat mir gefallen“ beschrieben, hier sind die ausführlicheren Rückmeldungen:

  • Ich habe eine tolle Idee bekommen.
  • Mir hat es gut gefallen, weil man selbst Fotos machen darf und bei normalen Ausstellungen darf man es nicht.
  • Der Ausflug hat mir viel Spaß gemacht. Es ist lustig, wenn man auf einem Bild ist und man kann kreativ werden.
  • Mir hat es gut gefallen, weil man in die Fotos gehen und sich fotografieren konnte.
  • Mir hat es super gefallen, ein Teil vom Kunstwerk zu sein. Die Bilder waren toll und es hat mir viel Spaß gemacht.
  • Tolle Bilder, regen einen zu Ideen an.
  • Mir hat es richtig gut gefallen. Am besten das Bild, wo man so tun konnte, als könnte man mit einer Banane schießen.
  • Die vielen Bilder, also die große Auswahl, am besten war der Hund aus Blumen.
  • Ich fand es super, cool, schön, toll! Es war ein echt schönes Erlebnis.
  • Ich fand es schön, weil es viele coole Kunstwerke gab und man verschiedene Posen ausprobieren konnte. Außerdem sah man auf den Fotos immer aus, als wäre man schon immer im Bild gewesen.
  • Mit hat besonders das Bild von den Männern mit den Bananen und von dem Hund gefallen. Die Bilder von den nackten Frauen haben mir gar nicht gefallen.
  • Mit hat es gefallen, wortwörtlich in ein Kunstwerk einzutauchen. Ich hätte niemals erwartet, dass es so realistisch aussehen würde.
  • Mir gefiel, dass man sich in Kunstwerke stellen konnte.
  • Die Ausstellung hat einem die Möglichkeit gegeben, sich wie ein Kunstwerk zu fühlen, wenn man in meinem Alter ist, kommt das eher selten vor …

Dass der Besuch so gut wurde, liegt auch daran, dass wir im Osthausmuseum sehr freundlich empfangen wurden und auch die Aufsicht sehr geduldig auf die quirlige Gruppe reagiert hat. Vielen Dank dafür und auch vielen Dank Laura Visel von der Stadtbücherei Hagen für die Begleitung und Martin Ermer für die Foto-Unterstützung. © Birgit Ebbert