(23.01.2017) Am Samstag war der erste Termin des Schreibtreffs „Helden & andere Geschichten“, den ich im ersten Halbjahr in der Stadtbücherei im Rahmen der Initiative Schreibland leiten darf. Ich freue mich besonders darüber, weil ich seit Jahren davon träume, für Kinder und Jugendliche, die gerne schreiben, einen regelmäßigen Treffpunkt zu initiieren. Das ist genau das, was ich mir als Kind gewünscht habe.

Und so ging es los beim Schreibtreff

Als ich um 10.40 Uhr in die Stadtbücherei kam, war noch kein Kind oder Jugendlicher zu sehen. Da bekam ich plötzlich Zweifel und ich hoffte, dass wenigstens ein paar der angemeldeten 20 Interessenten kommen würden. Es kamen bis auf einen alle. Und nicht nur das. Es kamen drei Mädchen, die nicht angemeldet waren, aber natürlich trotzdem bleiben durften. Daraufhin stellte eine Mutter spontan ihr Samstagsprogramm um, damit ihre nicht angemeldete Tochter bleiben konnte. Am Ende machten dann 22 angehende Autorinnen und Autoren aus der Lesetreppe in der Kinderbücherei eine Schreibtreppe 🙂

Alte Schreibhasen und junge Schreibtalente

Wir begannen mit einer klassischen Vorstellungsrunde, weil ich wissen wollte, wer von den Teilnehmern wie, was, seit wann schreibt. Bis auf zwei oder drei schreiben alle auch außerhalb der Schule kurze oder längere Geschichten, viele am PC, manche haben keinen PC zur Verfügung, die meisten nutzen ein Notizbuch und schreiben unterwegs Ideen auf. Ein Thema, das sich durchzieht, und von dem auch wir Profi-Autoren ein Lied singen können: Man hat zu viele Ideen und nicht die Geduld, Disziplin oder Zeit, um an einer Idee länger zu arbeiten. Mal sehen, wie wir in der Gruppe helfen können. Erst einmal wollte ich, dass die Teilnehmer sich besser kennenlernen und auch etwas schreiben.

Namengedichte – verrückte Geschichten aus dem eigenen Namen

Meine Lieblingsmethode für den Schreibeinstieg ist das „Namengedicht“. Es basiert auf der literarischen Form des Akrostichons und entsteht dadurch, dass man zu jedem Buchstaben eines Wortes man sich ein Wort sucht. Aber so leicht, ein beliebiges Wort zu suchen, mache ich es den Teilnehmern nicht. Ich möchte, dass ein ganzer Satz entsteht, der sich auch als Anregung für eine Geschichte eignen würde. Als Beispiel habe ich ein altes Namengedicht zu meinem Namen mitgebracht:
Bären im Regen gurgeln immer Tintenfischsaft. Ja, das ist ziemlich unsinnig, aber ein Junge fragt gleich, warum die Bären das tun und schon sind wir mitten im Sammeln von Ideen für eine Geschichte. Hier sind die Ergebnisse der Teilnehmer:

  • Mäuse in Griechenland unterhalten Euristes lange
  • Sonnen im Niemandsland eilen mit
  • Affen-Nasen eiern mondbeschienen nach oben
  • Alligatoren nießen nicht abends
  • Nashörner ohne Riesenhörner aßen Holz
  • Johannisbeeren am Strauch mixe ich nach Aepfeln
  • Chamäleons arbeiten ruhig im nördlichen Afrika
  • Super-Elefanten leben in Namibia
  • Schlechte Astronauten mogeln immer
  • Langweilige Angeber nur anders
  • Räuber ohne Nasen jagen Adlige
  • Zoos ohne eisblaue Yetis
  • Ball of Lost
  • Geparden auf beiden Rivalen im eigenen Land, Abwehr
  • Eine Robbe macht immer nur Aaah!
  • Vor ihrem Chamäleon thronen orakelnde Ratten im Abwasserkanal
  • Alle Yetis operieren ungerne Bären
  • Ein Nilpferd nascht Obst
  • Raben aßen Bananen in Amerika
  • Seepferdchen ist meine Oma Natascha
  • Dein imaginäres Alles, nichts Anderes
  • Alte Yaks backen übertrieben königlichen Erdbeerkuchen

Personenbeschreibung als Rätsel

Die zweite Schreibübung war gleich eine Personenbeschreibung – aber in Rätselform wie „Ich sehe was, was du nicht siehst …“, es hieß aber „Meine Person ist …“. Ich hatte Karten mit den Namen vorbereitet, sodass keiner wusste, wer wen beschrieben hat, und wir anschließend raten konnten. Die Methode habe ich zum ersten Mal eingesetzt, aber sicher nicht zum letzten Mal, ich war begeistert und die Teilnehmer wohl auch, zumindest hatten wir viel Spaß beim Raten – äh, habe ich rotbraune Haare? Oh, tatsächlich! 🙂 – und Vortragen ihrer Rätsel.

Den Abschluss des eineinhalbstündigen Treffs bildete eine Lesung – ich hatte sicherheitshalber zwei Bücher von mir mitgebracht, aber die brauchte ich nicht, weil zwei Teilnehmer Texte dabei hatten und daraus vortrugen. Beides sind längere Texte, sodass ich gespannt bin auf die Fortsetzung – aber auch auf die Geschichten der anderen beim nächsten Schreibtreff am 4. Februar um 11.00 Uhr in der Stadtbücherei. © Birgit Ebbert