Seeschloss(15.09.2017) Für fünf Tage durfte ich mich auf Kreativ-Recherche-Reise im August wie eine Königin, Fürstin oder Gräfin fühlen, denn ich habe in einem Schloss logiert. Im Seeschloss, um genau zu sein, das früher Waldschloss hieß. Beides ist richtig, von der Terrasse hatte ich einen Blick auf den See und aus dem Zimmer schaute ich in den Wald.

Ein Hotel mit Geschichte

Erbaut wurde das Gebäude vor 130 Jahren. Was die Wände erzählen könnten! Auf jeden Falls, das ist verbrieft, würden sie über Max Schmeling berichten, der hier, ein paar Meter hinter meinem Terrassen-Frühstücksplatz, im Saal Boxkämpfe ausgefochten hat, noch ehe er bekannt wurde. Das Verrückte ist, dass ich vom Seeschloss aus nach Berlin zur Recherche über Hertis Lebensorte aufgebrochen bin. Sie war sehr begeistert vom Boxen und schreibt in ihren Briefen mehrfach, dass sie Boxkämpfe besucht hat. Wer weiß, vielleicht hat sie auch Max Schmeling gesehen und sogar einen Ausflug zum Seeschloss gemacht. Ja, als sie in Berlin lebte, hieß das Hotel bereits Seeschloss. 1920 wurde es umbenannt, nachdem es 1887 als Waldschloss gegründet worden war.

Wie Max Schmeling ins Seeschloss kam

Der anfängliche Pächter und spätere Inhaber Julius Zimmler hatte neben der dem Hotel am Obersee eine Destille am Rosenthaler Platz in Berlin. Dort gingen Amateurboxer ein und aus, was den pfiffigen Hotelier auf die Idee brachte, Saal und Zimmer an die Herren zu vermieten. Auf diese Weise wurde das Seeschloss bekannt und zu einem der beliebtesten Ausflugsziele für die Berliner. Deshalb: Vielleicht war Herti auch dort.

Ein Hotel im Wandel der Zeit

Der Betrieb des Hotels wurde bis Kriegsbeginn aufrechterhalten. Nach dem Krieg nutzten die russischen Besatzer den Saal, in dem Max Schmeling seine Kämpfe ausgefochten hat, als Pferdestall. Sie zerstörten einen Großteil des Gebäudes. Dennoch wurde es am 9. Oktober nach vielen Wochen Handarbeit wieder eröffnet. In der DDR-Zeit wurde es jedoch schwierig, das Hotel zu führen, weil Heinz Zimmer, Sohn des Gründers, nach seiner russischen Kriegsgefangenschaft gegen alles war, was aus Russland kam. In der DDR nicht einfach. Zumal er aufgefordert wurde, sein Hotel als Kommissionshändler zur Verfügung zu stellen. Er willigte zum Wohle der Familie ein. Das Hotel verfiel zusehends und hat seinen Vorkriegsruf nicht wieder erreicht. Bald konnte man keine Übernachtungsgäste mehr beherbergen, weil die Räume nicht vermietbar waren. Erst der Fall der Mauer verhalf dem Betrieb zu neuem Aufschwung. Inzwischen ist das Hotell wieder ein beliebtes Ausflugs- und Reiseziel und die fünfte Generation tapst bereits über die Bretter, auf die vor Jahrzehnten Max Schmeling seine Gegner geschickt hat. © Birgit Ebbert

 

Nachtrag zum Thema: „Wenn Autorin frühstückt“

Das erste Frühstück

Wie schön, auf der Terrasse in der Sonne zu sitzen und mit Blick auf den See zu frühstücken. Bis auf einmmal Krimistoff vom Nachbartisch geliefert wird.
„Wo bleiben Peter und Hilde denn?“ (Name geändert)
„Das passt gar nicht zu ihnen, dass sie noch nicht da sind!“
„Vielleicht sind sie schwimmen.“
„Ich stelle mir immer den Wecker um 6 Uhr.“
„Ich klopfe jetzt mal.“
„Und?“
„Keiner reagiert.“
„Um 9.00 Uhr kommen wir nicht mehr los.“
„Ich rufe jetzt an.“
„Und?“
„Es hat jemand abgenommen und gleich wieder aufgelegt.“
„Dass die jetzt noch schlafen!“
„Na, wenigstens sind sie nicht ertrunken. Erst neulich habe ich gehört, dass irgendwo jemand angeschwemmt wurde, der alleine rausgeschwommen ist.“
„Um 9.00 Uhr kommen wir nicht mehr los.“
„Wir sind doch nicht auf der Flucht.“
Abrupt ändert das Gespräch seine Richtung, es geht um Imkerei und Honigpreise. Von dem vermissten Paar weiterhin keine Spur, so weiß ich leider nicht, was der Grund war, weshalb es so ungewöhnlich zu spät kam. ICH bin nämlich um 9.00 Uhr losgefahren 🙂