(31.01.2012) Musik aus den 20er Jahren begrüßt die zahlreich erschienenen Zuschauer in dem kleinen Hagener „Theater an der Volme“ – und Erich Kästner. Er sitzt an der Schreibmaschine und nimmt uns mit in sein Werk und sein Leben.

Natürlich ist es nicht Erich Kästner, der dort sitzt, auch in Hagen stehen keine verstorbenen Dichter auf der Bühne, aber Dario Weberg gelingt es, uns Zuschauer einen authentischen Eindruck von Kästner, von seinem Arbeiten und Denken zu vermitteln. Mit Auszügen aus bekannten und unbekannten Texten Kästners, aus Gedichten und Geschichten, Briefen und Epigrammen führt Dario Weberg uns zusammen mit Indra Janorschke durch eine – teils leider, teils zum Glück – vergessene Zeit.

Immer wieder zeigen Lachen, Nicken und Raunen im Zuschauerraum, dass die Zitate bekannt sind. Erich Kästner ist kein vergessener Dichter, auch wenn es 1933 danach aussah, als seine Bücher verbrannt wurden und sein Werk in einem der zehn „Feuersprüche“ geschmäht wurde, auch wenn die Nationalsozialisten alles dafür taten, sein Schaffen zu bremsen. Doch da war ja noch Emil, der natürlich auch einen Platz in dem Programm hat, zusammen mit der Verlegerin Jacobson, die Kästner dazu aufforderte, endich ein Buch für Kinder zu schreiben.

Nebenbei: Emil war es, der Kästner mehrfach gerettet hat, „alles außer Emil“ stand auf der schwarzen Liste 1933 und einmal, das ist verbürgt, ließ die Nazi-Polizei Kästner laufen, weil er der „Vater“ von Emil war.

Ja, der Vater, auch der findet sich im Programm, ebenso wie Kästners Sohn, wer nur die Lyrik Kästners kennt, darf sich über das eine oder andere Familiengeheimnis wundern.

Dario Weberg und Indra Janorschke gelingt es, ein sehr treffendes Bild von Kästner zu zeichnen, sie geben einen Einblick in die Bandbreite seines Schaffens und sie zeigen durch die szenische Darbietung einiger Gedichte, warum Kästner von Hitler und seinen Mannen gehasst und verfolgt wurde, was viele ub der heutigen, freizügigen offenen Zeit gar nicht verstehen können.

Kurzum: Eine gelungene Aufführung, die ich jedem an Herz legen kann – auch jenen, die glauben, alles von Kästner schon zu kennen. Ich kenne alles von Kästner, ich habe über ihn promoviert und geschrieben und wirklich alles von ihm gelesen, und dennoch habe ich mich köstlich amüsiert, mich an manchen vergessenen Text erinnert und mich inspirieren lassen, mich wieder einmal mit Kästner zu beschäftigen.

Wer mag, kann gleich hier Eintrittskarten für die nächste Aufführung am 20. März ordern: www.theaterandervolme.de.

Und wer sich gerne vorher oder stattdessen wieder mit Kästner beschäftigen möchte, ist herzlich eingeladen, auf meiner Website www.kaestner-im-netz.de zu stöbern oder auch meine Dissertation „Erziehung zu Menschlichkeit und Demokratie“ zu lesen 🙂