(17.07.2014) Aha! Powerpoint-Präsentationen sind also Irrsinn, findet die FAZ und zitiert einen Bildungsforscher, der 40 Studien zum Thema Powerpoint ausgewertet hat – weltweit. Leider schreibt sie nicht, in welchem Zusammenhang die Folien präsentiert wurden. Stattdessen tut sie gleich mal alle, die Powerpoint-Präsentationen lieben, als Redner, die sich hinter Folien verschanzen und Worthülsen im wahrsten Sinne des Wortes „aufblasen“.

Bisher habe ich mich nicht so gefühlt, mal sehen wie es mir beim nächsten Vortrag geht. Denn ich gehöre zu denen, die Powerpoint-Folien bewusst einsetzen – zum Beispiel, weil ich mich dann nicht hinter einem Overhead-Projektor, einem Rednerpult oder einem Stapel Vortragskarten verschanzen muss.

Ich habe mich bewusst für diese Art der Präsentation entschieden, weil meine Vorträge keine auswendig gelernten Texte sind, sondern Gespräche mit den Zuhörenden. Da kann es schon mal passieren, dass wir mitten im Vortrag ein Thema vorwegnehmen. Die Folien erlauben es den Zuhörern und mir, wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren und das Thema an der richtigen Stelle einzusortieren. Würden sie nur zuhören, bliebe die Grundstruktur meines Themas womöglich auf der Strecke.

Und das ist genau der nächste Punkt, weshalb ich bewusst Folien einsetze. Ich gehöre selbst zu den Menschen, die Futter für die Augen benötigen, um sich etwas zu merken. Das weiß ich seit meiner Fünf in Physik bei einem Lehrer, der nur dozierte, keine Arbeitsblätter verteilte, keine Merksätze an die Tafel schrieb und Stoff behandelte, der nicht im Schulbuch vorkam. Ich habe versucht, seine Ausführungen mitzuschreiben, da er sie zudem nicht gerade lebendig vortrug – erfolglos. Dank meiner Beschäftigung mit der Lerntheorie weiß ich heute, dass ich den visuellen Sinneskanal bevorzuge und ziemlich verloren bin, wenn ich etwas nur höre. Deshalb mache ich mir bei Vorträgen Notizen und bin froh über jeden Redner, der mir auf einer lesbaren und überschaubaren (!) Folie die Struktur und die Kerngedanken seines Vortrages präsentiert.

Natürlich gibt es Dozenten, die ihre Folien überfrachten oder mit Worthülsen füllen, das habe ich auch schon erlebt. Das ärgert mich auch. Aber ganz ehrlich: Es gibt ebensoviele Redner, deren Vorträge aus Worthülsen bestehen und bei denen man mit oder ohne Folien wegdämmert. Ich kann mich da an viele Pädagogik-Vorlesungen erinnern, besser gesagt, ich kann mich kaum an Inhalte einer Pädagogik-Vorlesung bewusst erinnern, weil es damals noch keine Visualisierung gab und nur wenige Professoren die Gabe hatten, mit Worten Bildern in meinem Kopf hervorzurufen.

Und natürlich muss man sich fragen, ob es nötig ist, jeden Inhalt mit Powerpoint zu präsentieren oder ob es nicht besser wäre, wenn die Zuhörer die Informationen aus Texten, in Gesprächen, bei Exkursionen oder in Experimenten selbst erarbeiteten. Ich bin auch keine Freundin von Folien mit Worthülsen und vielen bunten Bildchen. Aber deshalb Powerpoint gleich komplett zu verdammen, finde ich auch etwas weit hergeholt. Zumal leider nicht nur die begnadeten und lebendigen Dozenten mit schöner Schrift zu Wort kommen. Wenn ich da an einige Lehrer denke, die schöne Tafelanschriebe vorbereitet haben und diese nicht schön auf die Tafel bekamen, weil sie den Platz nicht richtig eingeschätzt hatten und uns den Rücken zuwandten, während sie ihr Werk zum wiederholten Mal an die Tafel malten. Von der Lesbarkeit der Schrift, spreche ich nicht einmal. Wir nannten das früher „Sauklaue“. Dann ist für mich eine Powerpoint-Folie, die ein Lehrer entspannt zu Hause vorbereiten und in der Schule via Whiteboard präsentieren kann, eine echte Alternative. Übrigens auch für die Zuhörer, die beim Versuch meine Handschrift zu entziffern sicher deutlich weniger vom Vortrag mitbekämen als beim Lesen meiner Powerpoint-Folien. © Birgit Ebbert

Zum Nachlesen der FAZ-Artikel „Der Powerpoint-Irrsinn“ vom 11. Juli 2014