(30.04.2020) Als ich am Samstag bei meinem Waldspaziergang zwei Frauen traf, die mit Plastikbechern und Pikkolo-Flasche auf einer Bank saßen und sich zuprosteten, dachte ich: Ich muss meine Erlebnisse im Wald aufschreiben, die glaube ich mir ja irgendwann selbst nicht mehr. Manches kann man sich nicht ausdenken, anderes ist einfach nur schön.

Corona-Bekanntschaften

Bereits bei meinen ersten Rundgängen – Wochen vor Corona – ist mir aufgefallen, dass die Menschen im Wald, zumindest auf dem Weg, der zum Turm führt, immer freundlich grüßen. Seit der Kontaktsperre wegen Corona hat das zugenommen und man merkt, dass die Menschen mehr Zeit haben oder sich die Zeit für einen kleinen Plausch nehmen. Es fing damit an, dass ein Mann mir mit Blick auf meine Kamera erklärte, er habe auf dem Weg einen Zeisig gesehen, den könne ich doch prima fotografieren. Findet mal einen Zeisig mitten zwischen Sträuchern und Bäumen. Aber gefreut habe ich mich trotzdem. Dann durfte ich Hunde auf der Wiese vor dem Bismarckturm fotografieren, die Besitzerin habe ich jetzt lange nicht gesehen, ich glaube, sie steht früher auf als ich 🙂 Dafür begegnet mir aber die junge Frau, die sich mitten im Wald dafür bedankt hat, dass ich einen Beitrag über das Theater an der Volme geteilt habe. Sie hat mich am Facebook-Foto erkannt und seither unterhalten wir uns auf dem Weg und verfolgen die Aktivitäten der anderen im Netz. Ein schönes Gespräch ergab sich auch mit einem Ehepaar, das interessiert beobachtete, wie ich meine Papierfigur fürs Foto-Shooting vorbereitete. Als ich erzählte, dass ich als Stadtschreiberin in Gotha mit solchen Fotos angefangen hätte, erinnerte sich die Frau, dass sie über mich in der Zeitung gelesen hat und schon waren wir im Gespräch. Mit einem Mann ergab sich ein Gespräch über Fotografie und Kameras, weil ich meine Kamera immer schlampig einpacke und das Band mit der Kamerabezeichnung aus der Tasche hing. Oh, und dann ist da noch der Mann, der anfangs skeptisch auf meinen Guten Morgen-Gruß reagierte, dann freundlicher wurde und der mich inzwischen auch grüßt, wenn er mich in der Stadt trifft. Eine Frau, die ich am Samstag mit ihrem Sohn am Teich traf, fand auch, dass die Menschen freundlicher und eher bereit zu einem kleinen Smalltalk wären.

Inspirierende Ereignisse

Mit der Kamera entdecke ich ohnehin immer, wirklich jeden Tag etwas Neues im Wald oder im Park: Bäume, Sträucher, Baumrinden, Zweiglein, die aus dem Stamm wachsen, Blüten, Vögel, bemalte Steine, den gelben Ball im Baum, das blaue Vogelhaus auf seiner Wanderung, Spiegelungen und vieles mehr. Unabhängig davon treffe ich die oben beschriebenen Sekt-Damen oder die Boxerinnen, die sich auf der Wiese vor dem Turm mit Boxhandschuhen ausstatteten und trainierten. Zu einer kleinen Aufregung geführt hat ein einzelner Hund, der bergauf humpelte. Weit entfernt von mir, immer im gleichen Abstand. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, ich konnte den Hund nicht richtig erkennen und rätselte bereits, ob es sich um einen Wolf handeln könne. Da joggte eine Frau den Berg herunter und gab dem Hund ein Leckerli. Was war des Rätsels Lösung: Der Hund schafft es nicht mehr auf den Berg, deshalb bleibt er auf halber Strecke zurück und geht hin und her, bis sein Frauchen wieder auftaucht. Genau anders scheint es bei dem kleinen schwarzen Hund zu sein, der ebenfalls allein im Wald unterwegs war. Sein Frauchen stand unterhalb des Waldes auf der Straße, ich konnte sie dank Zoom in der Ferne erkennen, und rief ihren Hund. Der fand es deutlich interessanter allein im Wald herumzustromern, ich will der Frau nichts unterstellen, aber wie gesagt, ich glaube, bei dem Hund-Frau-Paar ist es anders herum 🙂

Gedanken im Wald

Und dann kommen mir im Wald so viele Gedanken, dass ich noch 10 Shutdowns brauche, um sie alle zu realisieren. Mein Lieblingsthema ist „Die Natur findet immer einen Weg“ – weil im Wald so viele Beispiele dafür sind, wie aus vertrockneten Stämmen und abgestorbenen Sträuchern auf einmal wieder Triebe entstehen. Sogar ein entwurzelter großer Baum, der auf dem Boden lag, hat es geschafft, dass an seinen Ästen Zweigen und Blüten entstehen.

Gestern hatte ich auf einmal das Lied „One Man’s Hands Can’t Tear A Prison Down“ im Kopf, allerdings abgewandelt: „One Man’s Masks Can’t Tear The Virus Down“… verrückt, oder? Manche Ideen sollen einmal Geschichte oder Sprüche werden, Fotos habe ich inzwischen wahrlich genug. Seht selbst:

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