(07.11.2013) Mhm, diese Rezension muss ich mit einem Bekenntnis beginnen – tut mir leid, Monika Feth. Aber bis vor wenigen Wochen hatte ich noch kein Buch von Ihnen gelesen. Obwohl meine Patentochter mir begeistert von der „Erdbeerpflückerin“ und den Folgebänden vorgeschwärmt hat. Manchmal ist das so, dann fehlt einfach die Zeit. So wie jetzt, wo ich mich auf meine Zeit in Albstadt vorbereite und keine Zeit habe – den „Erdbeerpflücker“ und Ihre anderen Bücher zu lesen. Sie stehen aber alle auf meiner Wunschliste, weil ich so begeistert bin von „Spiegelschatten“.

Das war das Fazit zum Buch vorweg. Doch worum geht es in dem Thriller, der in einem Jugendbuchverlag erschienen ist und Erwachsene genauso fesselt. In Köln und Bonn werden mehrere junge Männer ermordet. Sie haben unter anderem gemeinsam, dass sie mit dem Zwillingsbruder der Ermittlerin Romy Berner befreundet waren.

Grund genug für sie, sich in die Ermittlungen zu stürzen, auch wenn das weder ihr Bruder noch der ermittelnde Kommissar gerne sehen. Ihre Sorge lässt sie jedoch nicht ruhen, zumal die Ermittlungen eine gute Möglichkeit sind, sich von den Problemen mit ihrem Freund Calypso abzulenken. Sie recherchiert, fragt und – erhält dafür einen eindeutigen Drohbrief. Soll sie doch lieber aufhören, im Nebel zu stochern? Aber auch ihr Bruder wird bedroht und das kann sie nicht ertragen, also bleibt sie am Ball. Ein spannender Wettlauf zwischen ihr, den ermittelnden Kriminalbeamten und dem Täter setzt ein. Und Monika Feth lässt uns daran teilhaben. Dadurch, dass sie die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt – und auch den unbekannten Täter zu Wort kommen lässt, sind wir Leser immer auf dem Laufenden, können rätseln, wer der Mörder ist, und doch nichts tun, als wir ahnen, wer es sein könnte.

Eine mitreißende Geschichte, die mich aus verschiedenen Gründen begeistert hat. Zum einen – das gebe ich zu – weil sie im Bonner Studentenmilieu spielt und ich vieles aus meiner Bonner Studentenzeit wiedergefunden habe, obwohl die schon lange her ist. Damals war Bonn noch Bundeshauptstadt, doch das ist eine andere Geschichte. Darüber hinaus fand ich diese eingestreuten Reflektionen über Zwillingsforschung interessant, aber auch diese immer wiederkehrenden Paarsymbiosen, die in unterschiedlichen Stadien von der Annäherung über die Nähe, die langsame Entfernung und den Bruch beschrieben werden. Und gefallen mir der Aufbau und die sprachliche Umsetzung, unter diesem Blickwinkel ist jede Lektüre ja auch so etwas wie eine Fortbildung für mich als Autorin.

Monika Feth, die wie ich dann feststellte aus Hagen kommt und ebenfalls in Bonn studiert hat, war bereit, mir meine drei Fragen zum Buch zu beantworten. Ich hoffe, dass Sie mir, wenn ich sie bei ihrer Lesung in Albstadt treffe, weitere Fragen beantwortet und bin sehr gespannt auf ihren Lesevortrag.

Wie sind Sie beim Schreiben des Buches vorgegangen? Haben Sie zunächst die Handlungsstränge konzipiert und das Buch komplett geplottet oder hatten Sie eine Idee im Kopf und haben dann drauflos geschrieben?
Ich schreibe meine Bücher nach einem ungefähren Plan, entwickle die Handlung dann von Kapitel zu Kapitel. Das Schreiben hat so für mich eine andere Intensität, und ich muss meinen Figuren kein Korsett anlegen – ich kann ihnen folgen und ihre Entwicklung beobachten.

Wussten Sie von Anfang an, wer der Täter sein würde oder hat sich der im Laufe des Schreibens aufgedrängt?
Die Hauptfiguren stehen von Anfang an fest. Es ist für mich immer besonders faszinierend, meinen Täter kennenzulernen, zu begreifen, warum er tut, was er tut. Ich möchte verstehen, was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er ist. Das heißt nicht, dass ich seine Taten entschuldige, aber er berührt mich und kommt mir sehr nah.

Wie kam es, dass Sie ausgerechnet Zwillinge in den Mittelpunkt des Thrillers gestellt haben?
Zwillinge haben mich schon immer fasziniert. Menschen, die vom Augenblick der Zeugung an zusammen sind. Die sich in- und auswendig kennen. Ich selbst wäre sehr gern ein Zwilling, bin es aber leider nur vom Sternkreiszeichen her …