Cover Hagen - Porträt einer Stadt(03.03.2016) Da liegt es auf dem Tisch, mein Buch über Hagen: Hagen – Porträt einer Stadt. Puh, war das eine schwere Geburt, ich weiß nicht, ob ich mich so über die Zusage für das Projekt gefreut hätte, wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit mich erwartet. Oder doch? Ich hatte so viele wunderbare Begegnungen, die machen alles wett und jetzt ist das Buch ja da und ich kann mich daran freuen. Obwohl ich schon ahne, dass der eine oder andere nörgeln wird, warum dieser und jener und er selbst nicht in dem Buch vertreten ist. Deshalb plaudere ich nun ein wenig aus dem Schreibkästchen, vielleicht versöhnt das den einen oder anderen mit seiner Enttäuschung.

Es fing alles damit an, dass ich im Sommer 2014 im Katalog des Gmeiner-Verlags, in dem auch meine Krimis erscheinen, die Reihe „Stadtgespräche aus …“ entdeckte. Ich fragte mich gleich, wieso Hagen noch nicht vertreten sei, wo es doch ein Buch über Gelsenkirchen gab. Sofort habe ich den Verlag kontaktiert und das Angebot erhalten, ein Konzept zu schreiben. Das Konzept musste eine Information über die Stadt enthalten, eine Liste möglicher Persönlichkeiten für das Buch und zu zehn Personen bereits einen kurzen Text.

Ebenfalls im Buch vorgestellt: ein WaldkindergartenSchon die Recherche war unglaublich spannend, ich kam auf über 200 Personen, mit denen ich über ihre persönliche Geschichte, ihre Beziehung zur Stadt und einen bedeutsamen Ort sprechen wollte. Als ich dann die Zusage bekam, habe ich zusätzlich über Facebook und die Hagener Medien gefragt, wer in das Buch sollte. Vielen Dank für die vielen Hinweise. Immer unter dem Motto „Stadtgespräche aus Hagen“ – Gespräche also mit Menschen, die in Hagen wirken oder Hagen in die Welt hinaustragen. Was habe ich für tolle Gespräche geführt! Allerdings habe ich bald gemerkt, wie aufwendig die Arbeit ist. Es gab eine genaue Vorlage, wie viele Zeichen ein Text haben durfte, wie viele Texte es mit zwei, vier oder sechs Seiten geben musste, wie viele Fotos für jede Textart nötig waren. Für andere mag das kein Problem sein, für mich war das ein Berg – weil ich das Gefühl hatte, dass ich jemanden persönlich beleidigte, wenn er nur zwei und nicht sechs Seiten bekam. Ich habe das dann so gelöst, dass ich ausgelost habe, wer wie viele Seiten bekommt. Das schien mir der fairste Weg.

Die Qual der Wahl

Die Stadtbücherei auf der SpringeAber ganz ehrlich, das war noch leicht zu handhaben im Vergleich zur Auswahl der Gesprächspartner für mein Hagen – Porträt. Ich habe versucht, alle Stadtteile zu berücksichtigen, aber bei manchen Leuten konnte ich diesen bei der ersten Recherche gar nicht ermitteln. Dann wollte ich nur gebürtige Hagener nehmen und stellte manchmal erst im Gespräch fest, dass Menschen, die mir wie Ur-Hagener vorkamen und auch von anderen als Ur-Hagener benannt worden waren, gar nicht hier geboren waren. Wer das Buch aufmerksam durchsieht, wird außerdem feststellen, dass ich weder Kirchen- noch Parteienvertreter interviewt habe. Auch da stand mir mein Wunsch nach Ausgewogenheit im Weg, entweder wollte ich alle interviewen oder keinen. Ich habe schließlich darauf verzichtet, u. a. weil die Plätze in dem Buch damit schon zu einem Viertel belegt gewesen wären.

Kultur und Natur

Ja, ich weiß, es gibt einen deutlichen Schwerpunkt in meinem Hagen – Porträt. Der Kulturbereich ist überproportional vertreten, obwohl ich mir viel Mühe gegeben habe, auch Wirtschaft, Sport, Natur, Brauchtum etc. zu berücksichtigen. Der Schwerpunkt liegt zum einen daran, dass ich dort ein besonderes Faible habe, aber ich finde auch, dass Hagen ein großes kulturelles Angebot hat. Deshalb habe ich mir erlaubt, mit meinem Buch diese Besonderheit ein wenig in den Vordergrund zu rücken. Viele Gesprächspartner, ganz gleich aus welchem Bereich sie kamen, haben übrigens ebenfalls betont, dass ihnen an Hagen besonders das kulturelle Angebot und die Natur gefällt. Im manchen Bereichen hätte ich mir noch den einen oder anderen Gesprächspartner gewünscht, allerdings habe ich auf manche E-Mails und Rückrufbitten auf Anrufbeantworter keine Rückmeldung erhalten.

Hagen – Porträt einer Stadt statt Stadtgespräche Hagen

Das Redaktionsgebäude von Radio HagenManche Anfragen habe ich auch nicht mehr weiterverfolgt, nachdem der Verlag im Frühjahr 2015 plötzlich den Reihentitel änderte. Anstelle von „Stadtgespräche aus Hagen“ sollte das Buch nun „Hagen – Porträt einer Stadt“ heißen, das ist auch der aktuelle Titel. Für mich sind das völlig verschiedene Bücher. Bei den „Stadtgesprächen“ stehen die Menschen im Vordergrund, auch solche, die sonst nicht an die Öffentlichkeit kommen, und beim „Porträt einer Stadt“ bilden die bekannten Besonderheiten einer Stadt den Kern. Natürlich gibt es eine Schnittmenge. Aber ich hätte das Buch anders konzipiert, wenn es gleich den heutigen Titel gehabt hätte. Also habe ich versucht, durch die verbleibenden 20 Interviews alle Facetten, die noch nicht vorkamen, zu beleuchten.

Fotografien und immer wieder Excel-Tabellen

Als ich den Buchvertrag für „Hagen – Porträt einer Stadt“ abgeschlossen habe, war klar, dass ich die Fotos selbst machen würden. Da wusste ich aber nicht, was auf mich zukommen würde. Man kann sich diese Bürokratie nicht vorstellen, seitenlange Excel-Tabellen mit Bildunterschriften und Hinweisen auf die Bildrechte. Der Horror schlechthin, anders kann ich es nicht sagen und ich entschuldige mich jetzt schon bei allen, die ich womöglich nicht genannt habe. Eigentlich müsste alles richtig sein, aber der Teufel steckte im Detail und ich habe jetzt schon festgestellt, dass das Foto von Cornelia Dietrich gar nicht von mir, sondern von Ulrich Wens ist. Das kommt davon, wenn Fotos nicht per E-Mail sondern via Stick auf den Rechner flattern. Ich hatte am Schluss sämtliche Mails noch einmal gecheckt. Ach, ich kann es nicht ändern. Gefreut habe ich mich, dass die Grafik des Verlags die ausgezeichnete Qualität der Fotos gelobt hat und ich kein einziges Bild nachfotografieren musste. In meinem FotoBlog können die Bilder der 40 Orte betrachtet werden. Nebenbei bemerkt: Wer sich wundert, welche Personen auf dem Cover zu sehen sind und welche nicht – das war eine besondere Herausforderung, weil ich die Fotos bereits zwei Monate vor dem Abgabetermin einsenden musste, da waren aber noch nicht alle Interviewten abgelichtet. Die letzten Fotos habe ich wirklich an dem Freitag gemacht, an dem ich das Manuskript abgeben musste.

Hagen und Hagener neu entdeckt

Sogar die Nacht kommt in meinem Hagen - Porträt vorTrotz dieser manchmal nervenaufreibenden Hürden bei der Erstellung des Buches bleibt aber das Gefühl, dass ich in einer tollen Stadt mit tollen Menschen lebe. Für die Fotos war ich sonntags viel unterwegs und habe ganz neue Ecken kennengelernt, die ich sicher bald genauer erkunden werde. Und vor allem gab es diese wunderbaren Begegnungen mit engagierten, liebenswerten, sympathischen, inspirierenden Menschen, von denen ich keine missen möchte. Und hier löse ich nun auch endlich das Rätsel, wer in dem Buch vertreten ist. Die Ordner mit denjenigen, die ich nicht aufnehmen konnte, stehen im Übrigen noch im Regal, da werde ich immer mal reinschauen, wenn ich etwas mehr Zeit für Blogbeiträge habe, meine Neugier auf Hagener ist noch längst nicht gestillt 🙂 Ich arbeite weiter an meinem Hagen – Porträt 🙂

Das Elbersgelände als Teil HagensIn der Reihenfolge der Beiträge im Buch Hagen – Porträt einer Stadt: Cornelia Dietrich, Robin Hiermer, Christian Vormann, Karl Ernst Osthaus, David Rembold und Sophie Kneip, Carl-Jürgen Brandt, Liselotte Funcke, Erik O. Schulz, Fürstenpaar zu Bentheim-Tecklenburg, Helmut Hoyer, Farid, Uwe Beckmann, Dario Weberg und Indra Janorschke, Johannes Breling, Verein Erzählcafé, Ludwig Deinert, Christa Burghardt, Siggi Bemm, Petra Holtmann, Christina Seeberger, Klaus Ehlers, Uwe Lex, Nicole Völkel, Michael Eckhoff, Kathi Annertzok und Tanja Kioschis, Rolf Möller, Jörn Raith, Beba Ilic, Stefan Kleinkrieg, Emil Schumacher, Nicole Schneidmüller-Gaiser, Ralf Blank, Birgit Ganskow, Bernd Hoffmann, Jens Schilling, Christian Isenbeck, Ralf Blauscheck, Dorothée und Michael Boecker, Oliver Herkelmann, Jasmin Wegner.

Viel Spaß beim Entdecken! © Birgit Ebbert

Die Fotos der 40 Plätze auf www.birgit-ebbert-fotos.de