Mehr als nur Papier beim StartUpDay(20.03.2016) Eher zufällig habe ich mitbekommen, dass gestern auf der Creativa der erste StartUpDay stattfand und war verblüfft, dass die Messe sich von einer reinen Verkaufsmesse zu einer Messe mit Weiterbildungscharakter gemausert hat. Schon der Vortrag über Friedrich Fröbel und seinen Bezug zum kreativen Gestalten war ja sehr interessat. Da war ich neugierig, wer sich beim StartUpDay wie zu welchen Themen von wem informieren lassen wollte.

Um mein Fazit vom StartUpDay vorwegzunehmen: Ich habe lange nicht eine so gut strukturierte Veranstaltung erlebt, bei der sich alle Referenten an ihre Gesprächszeit gehalten haben und trotzdem viel Input vermittelt haben. Für mich war das meiste nicht neu – nach fast zehn Jahren Selbstständigkeit kein Wunder, aber ich habe die eine oder andere Inspiration mitgenommen und mich vor allem daran gefreut, wie abwechslungsreich der Vormittag gestaltet war. Auf die Einzelgespräche am Nachmittag habe ich verzichtet, was hätte ich auch fragen sollen, ich bin ja schon selbstständig in einem kreativen Beruf. Aber für die Teilnehmer waren diese Gespräche eine gute Chance, Feedback zu bekommen oder offene Fragen anzusprechen.

Gründernetzwerke zur Inspiration & Motivation

Materialien ohne Ende auf der CreativaWie wichtig diese Gelegenheiten für einen Existenzgründer ist, legte Jung-Unternehmerin Diana Jean-Pierre dar. Nach einer Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin hat sie Modedesign studiert und sich anschließend mit einem eigenen Label für Herrenmode selbstständig gemacht. Ganz aktuell hat sie in Dortmund die Concept Gallery gegründet und sogar schon die ersten Arbeitsplätze geschaffen. Bis es dahin kam, hat sie mit vielen Menschen über ihre Idee gesprochen und jede Messe und Veranstaltung, bei der Neues erfahren konnte, genutzt. Ihr Tipp an potenzielle Existenzgründer lautete denn auch: Besucht Messen und schafft euch ein Netzwerk.

Beispiele für solche Gelegenheiten, ein Netzwerk aufzubauen, stellte Sylvia Tiews von der Wirtschaftsförderung Dortmund dar. Hier muss ich kurz einfügen, dass ich echt neidisch bin auf die Dortmunder. Ich habe gerade noch ein wenig recherchiert und bin beeindruckt, welche hohe Bedeutung die Stadt der Kreativ- und Kulturwirtschaft zukommen lässt. Das war allerdings nicht Schwerpunkt des Vortrags beim StartUpDay von Sylvia Tiews, sie hat vielmehr die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung in den Blick genommen und den Bogen von Margarete Steiff, die mit einem Nadelkissen und einem Stoffteddy eine Erfolgsgeschichte begründet hat, über Mary Quant, die den Minirock erfunden hat, zu DaWanda-Gründerin Claudia Helming. Alle drei Frauen haben mit ihrer zur richtigen Zeit einen Nerv getroffen. Der Erfolg liegt u. a. darin, dass sie sich gut vorbereitet auf den Weg ins Unternehmertum gemacht haben. Unterstützung bei der Vorbereitung, das ist das Hauptthema von Sylvia Tiews, bekommen Existenzgründer von der Wirtschaftsförderung, aber auch durch verschiedene Initiativen und Netzwerke wie den Wettbewerb Start2grow (www.start2grow.de) oder das Startercenter des Landes NRW (www.startercenter.nrw.de).

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Der StartUpDay zeigt NuancenEin Beispiel, weshalb es wichtig ist, sich intensiv mit dem eigenen Geschäftsmodell zu beschäftigen, ist Sabine Hofius, die vor 34 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und vermutlich die einzige Ausstellerin ist, die die Creativa fast ihre ganze Geschichte hindurch begleitet hat. Sabine Hofius hat zunächst einen erzieherischen Beruf ergriffen, weil ihre Eltern nicht sollten, dass sie sich in ihrem Traumberuf als Schneiderin ausbilden ließ. Später entschied sie sich aber doch für ein Design-Studium, wo sie ihren Mann kennenlernte, einen Bildhauer und – Herrenschneider. Bei ihm lernte sie das Handwerk dann doch noch und begann Babykleidung zu nähen, die chemiefrei, zweckmäßig und schön war. In den ersten Jahren verkaufte sie die Kleidung – mit dem eigenen Kind im Kinderwagen neben sich – auf Kreativmärkten, die zu jener Zeit entstanden. Aber sie wollte mehr und versuchte, Unterstützung zu bekommen, um die Rohstoffe und Arbeitskräfte zu finanzieren, weil zwischen Verarbeitung und Verkauf oft mehrere Monate lagen. Als sie ihren Bankberater um einen Kredit bat, verwehrte er diesen mit der Begründung, er wüsste ja nicht, ob sie das Geld nicht in der soeben eröffneten Spielbank Hohensyburg verspielen würde. Empört über diese Unterstellung beschwerte Sabine Hofius sich beim Bankdirektor – und erhielt von ihm die Kreditzusage. Was zeigt, dass man sich auch als Neuling nicht alles gefallen lassen sollte – immerhin gibt es ihr Unternehmen inzwischen seit Jahrzehnten und alle drei Kinder wollen es lieber heute als morgen übernehmen. Nach dem kleinen Kredit ging plötzlich „die Post ab“ und es war dringend weiteres Geld nötig, um die große Nachfrage zu decken. Da lernte Sabine Hofius die GLS-Bank in Bochum kennen, bei der man Geld bekam, sofern man Bürgschaften einbringen konnte – auch kleine Bürgschaften und so hat das Ehepaar Hofius im Verwandten- und Bekanntenkreis gebettelt und schließlich 40 Bürgen für einen Kredit von 40.000 Mark zusammenbekommen. Auch das zeigt, was Diana Jean-Pierre bereits ansprach – ein funktionierendes soziales Netzwerk ist eine wichtige Säule beim Start in die Selbstständigkeit.

Rechte & Pflichten des Existenzgründers beim StartUpDay

Handwerk auch beim StartUpDayDie Praxisbeispiele wurden ergänzt um einen Crashkurs über die wichtigsten rechtlichen Grundlagen – vom Urheberrecht bis zu Umsatzsteuer, Ulrike Bogatz vom OZ-Verlag gab einen sehr guten Abriss, worauf man vor allem bei der Gründung im Kreativbereich achten sollte, z. B. auf so einfache Dinge, dass man Muster aus Zeitschriften nicht einfach zum Weiterverkauf nachstricken darf. Für viele der etwa 50 Teilnehmer wohl ebenso Neuland wie die Hinweise von Alexa Jüngkring, welche Pflichten ein Unternehmer erfüllen muss. Die Unternehmensberaterin skizzierte den Web von der kreativen Idee zur erfolgreichen Gründung und wies darauf hin, dass die Gründerperson für alles zuständig ist und sowohl über einen guten Plan verfügen, als auch auf Unerwartetes reagieren muss. Sie warb dafür, vor den ersten Gesprächen mit offiziellen Stellen schriftlich das eigene Geschäftsmodell zu formulieren, in dem Produkt oder Dienstleistung, Kundennutzen, Ressourcen, Vertriebskanäle und Kosten sowie erwartbare Einnahmen festgehalten werden.

Online- & Offline-Vertrieb für Kreativprodukte

Außergewöhnliches auf der CreativaDa bereits deutlich wurde, dass viele Teilnehmer des StartUpDay eine Gründung mit Vertrieb via Internet planten, waren auch die Ausführungen von Elke Dohmann und Bart Siegner über die Chancen von Verkaufsplattformen wie DaWanda, Etsy, Amazon & Co. ebenso hilfreich wie der Vortrag über einen eigenen Internetshop von Klaus-Uwe Walth von WUB 24, der mit seinem Unternehmen ca. 1.000 Webseiten und 100 Online-Shops betreut. Dass er weiß, wovon er spricht, wurde an den vielen kleinen Tipps deutlich, die er den Teilnehmern mit auf den Weg gab – aber auch er wies daraufhin, dass bei einer Neugründung die Einzigartigkeit eines Produktes das A & O ist. Vor allem bei einem Vertrieb übers Internet, wo die großen Plattformen in Suchmaschinen immer vorne liegen. Und die sind, auch das legte er dar, ein wichtiger Motor für den Kundenkontakt – allen voran Google, gefolgt von Adwords und unterstützt durch Facebook als Kommunikationsplattform.

Farben und Material auf der CreativaDiejenigen, die doch eher auf direkten Kundenkontakt setzen wollten, bekamen von Patrick Arens vom Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute e. V. einige wichtige Tipps. Da ich die Gelegenheit nutzen wollte, ihn persönlich kennenzulernen, nachdem wir bei Facebook miteinander vernetzt waren, habe ich in dem Expertengespräch gleich einiges aufgeschnappt, was ich vielleicht mal in einem Krimi verwenden kann 🙂 Dass es verschiedene Arten von Märkten gibt, zum Beispiel, für einige braucht man einen Reisegewerbeschein und für die anderen nicht, da ins Detail zu gehen, würde zu weit führen – wichtig ist der Hinweis, unbedingt zu prüfen, ob man für seinen Verkauf einen Reisegewerbeschein benötigt oder nicht, um nicht vor Ort plötzlich überrascht zu werden.

Ihr seht, es war ein Vormittag voller geballter Informationen, allerdings durch einen geschickten Methodenwechsel von Vortrag, Talkrunde und Expertengespräch kurzweilig und auch für mich inspirierend. Mal schauen, was ich aus den ganzen Infos vom StartUpDay mache 🙂 Erst einmal das Faltpapier verfalten, das ich mir vor dem Workhop schnell noch gekauft hatte 🙂 © Birgit Ebbert