Erste Hürde: Halteverbot statt Parkmöglichkeit.

(18.12.2013) Manchmal bringt ein Stau einen auf ganz neue Wege – in doppelter Hinsicht. So ging es mir im Sommer, als sich die Autos auf der A45 in Richtung Dortmund wieder einmal kilometerweise stauten und ich beschloss, mich mithilfe meines Navis über Land zur A1 durchzuschlagen. Ich entdeckte nicht nur ganz neue Wege, sondern auch ein Schild zur „Gedenkstätte für das KZ Buchenwald Außenlager Schwerte“. Hier muss ich eine Bildungslücke bekennen, was mir insofern leicht fällt, weil ich seitdem viele Menschen befragt habe. Keiner erinnerte sich an eine Information über Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Zweite Hürde: Kleines Schild am Zuweg

Dabei gab es bei Kriegsende rund 130 solcher Lager, wie ich inzwischen recherchiert habe. Das in Schwerte ist nicht einzige dieser Art hier in der Region. Auch in Witten gab es ein solches Lager, von dem bis Mitte der 80er Jahre niemand wusste oder wissen wollte, ebenso in Bochum, wo es für die beiden KZ-Außenlager keine Gedenkstätten gibt, aber immerhin eine Erwähnung auf der Internetseite der Stadt.

Nebelwirkung: Nicht Können, sondern Zufall

Das Lager in Schwerte wurde ebenfalls lange Zeit nicht erwähnt und erst in den 80er Jahren ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Heute erinnert ein Werk des Dortmunder Bildhauers Horst Wegener an die rund 700 KZ-Häftlinge, die vom 6. April 1944 bis zum 29. Januar 1945 in einem Barackenlager der Nazis hinter elektrisch gesichertem Stacheldraht lebten. Vor allem polnische und sowjetische Bürger wurden nach Schwerte transportiert, damit sie dort im damaligen Reichsbahnausbesserungswerk halfen, Lokomotiven umzurüsten und zu reparieren. Auf der Internetseite der Stadt Schwerte finden sich ausführliche Informationen des Journalisten Alfred Hinz über das Außenlager und seine Geschichte.

Die Gedenkstätte

Ich habe mich auf die Suche nach dem Lager gemacht. Von der Hauptstraße wies das Schild, das ich gesehen hatte, in die richtige Richtung. Doch dann stand ich plötzlich in einem Gewerbegebiet – hätte ich nicht vorher im Internet gelesen, dass sich die Gedenkstätte an der Ecke Emil-Rohrmann-Straße/Ernst-Gremler-Straße befiindet, wäre ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. Mein Tipp an die Stadt Schwerte: Ein Pfeilschild wäre sehr hilfreich. Übrigens auch eine Parkmöglichkeit, nach der ich ebenfalls vergebens gesucht habe. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mein Fahrzeug auf einem Firmenparkplatz abzustellen. Endlich konnte ich das Gelände betreten – mit einem beklemmenden Gefühl angesichts der Vorstellung, wie die Menschen vor 70 Jahren hier gelebt haben müssen. Jenen, denen meine Vorstellungskraft fehlt, hilft das Denkmal von Horst Wegener, sich in die Zeit einzudenken. Ich habe von allen fünf Köpfen auch Porträt-Aufnahmen gemacht, allerdings schon beim Betrachten erneut die Beklemmung gespürt und daher nur ein Porträt ausgewählt, das am leichtesten anzusehen ist. © Birgit Ebbert

Einer der fünf Köpfe
Stacheldraht und Gitterspitzen
Beim Fotografieren des Infokastens
Eingangstor
Das Denkmal aus anderer Sicht