Steampunk - kurz & geek(06.05.2015) Als ich „Steampunk“ zum ersten Mal begegnet bin, war ich begeistert von der Idee und der Kreativität, mit der Steampunker diese Idee umsetzen. Beim Steampunk-Jahrmarkt habe ich den Geist quasi in mich aufgesogen und seither arbeitet er in mir. Nun bin ich jemand, der den Dingen gerne auf den Grund geht und alles ganz genau wissen möchte. Auch, was es mit Steampunk auf sich hat, wie es entstanden ist und welche Ausprägungen es gibt. Einiges habe ich im Internet gefunden und in einem ersten Artikel zusammengefasst. Eine gute Zusammenfassung bietet das Buch „Steampunk – kurz & geek“ von Alex Jahnke und Marcus Rauchfuß. Mit vielen Beispielen zeigen sie, was „Steampunk“ ist und sein kann, denn die Entwicklung der Szene und des Genres geht weiter, solange sich Menschen mit Steampunk beschäftigen. Versuche, Steampunk in einem Manifest zu begrenzen oder eindeutig zu definieren, scheiterten bisher an denen, die Steampunk leben, schreiben, spielen, bauen …

„Steampunk“ ist – wie Punk an sich – eine in Teilen widersprüchliche Bewegung. Einerseits gründet Steampunk auf Ideen und Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert und lehnt sich vor allem in Kleidung und Design an das Viktorianische Zeitalter an. Andererseits nutzt es moderne Kommunikationsmedien und weist Denkrichtungen des 19. Jahrhunders wie Klassen- und Geschlechterunterschiede weit von sich. Allen gemeinsam ist ie Idee, gegen den Mainstream zu denken und zu leben und sich kreativ mit den Elementen einer vergangen Zeit zu beschäftigen. Diese Zeit ist zwar inzwischen gut 150 Jahre her, wenn man sie genau betrachtet, ist sie aber auch in vielem die Basis unserer Zeit. Im 19. Jahrhundert begann die Technisierung, wenn auch zunächst „nur“ in Form erster Maschinen und Eisenbahnen. Hätte es die aber nicht gegeben, gäbe es keine ICEs und kein CAD, kein Internet und keine Smartphones. Aber auch der Kampf für die Arbeiter und die Gleichberechtigung der Frauen hat in jener Zeit begonnen. Eine sicher weniger komfortable Zeit als heute, aber nicht weniger spannend für denkende und kreative Menschen.

Handstock mit Fernglas zum Steampunk-Outfit
Das ist schon mal ein Teil meines Outfits 🙂

„Steampunk“ kommt ursprünlich aus der Literatur, es war eine besondere Form von Fantasy, die sich am 19. Jahrhundert orientierte. Daraus hat sich eine Szene entwickelt, die die Gedanken der Literatur ins Leben und in andere Künste übertragen hat. So gibt es Steampunk heute in Film und bildender Kunst, in Computerspiel und eben als Szene, in der man sich trifft und austauscht, um Spaß zu haben und kreativ weiterzudenken.

Dabei sind Steampunker offen für neugierige Betrachter, aber vorsichtig gegenüber „Trittbrett-Luftpiraten“. Nebenbei bemerkt: Das ist der Grund, weshalb ich mir für den Steampunk-Jahrmarkt nicht einfach eine Goggle gekauft und ein paar Zahnräder angeklebt habe. Lieber frage und schaue ich, bis ich die für mich passende Inspiration gefunden habe. Spätestens bis zum nächsten Steampunk-Jahrmarkt in der Bochumer Jahrhunderthalle (am 20. Februar 2016 übrigens) bin ich soweit. Name und Geschichte meines Steampunk-Alter Ego habe ich bereits und erste Teile meines Outfits gibt es schon. Mal sehen, wohin mich die Reise führen wird. Erst einmal zum nächsten Recherche-Ausflug auf Zeche Hannover am nächsten Wochenende, wenn sich Steampunker beim Dampffest zum Vaporium Ruhr treffen. Ich bin gespannt und freue mich, den einen oder die andere dort (wieder) zu sehen. © Birgit Ebbert