(09.05.2015) Etwas unangenehm war es mir schon, dass ich dem Leiter des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum gestehen musste, dass ich in meinen zehn Bochumer Jahren nicht einmal sein Museum besucht habe. Da sieht man mal, was mein Steampunk-Fieber bewegt – endlich war ich auf Zeche Hannover, endlich war ich im Malakowturm und außerdem habe ich wieder viele tolle Steampunker kennengelernt. Aber auch die großen und kleinen Dampffahrzeuge, die rund um die Maschinenhalle unterwegs waren, haben mich so begeistert, dass ich morgen glatt noch einmal hinfahren würde, wenn mein Schreibtisch das zuließe.

Das Dampffest rund um den Malakowturm findet alle zwei Jahre statt, 2015 zum neunten Mal. Erstmals gab es das Steampunk-Festival Vaporium Ruhr im Rahmen der Clockworker Steampunk-Woche NRW Schon bei früheren Festen war der eine oder andere Steampunker in seinem Outfit erschienen, sodass es erste Berührungspunkte gab. Bei der Vorbereitung der Ausstellung „Jugendliche Subkulturen von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart“ im letzten Jahr rückte der Steampunk näher und bekam bereits einen Platz in der Ausstellung. Die Einbindung in das Dampffest war dann fast ein logischer Schluss, finden Museumleiter Dietmar Osses und auch die Steampunker, mit denen ich gesprochen habe. Wir waren uns ziemlich einig darin, dass Steampunk wunderbar ins Ruhrgebiet passt.

Auch diese Veranstaltung zeigt, dass sich die fantasievollen Kostüme mit dem Flair des vergangenen Jahrhunderts und die teils verrückten, fast immer aufwendig, liebevoll und selbst entwickelten Accessoires harmonisch in die Industriearchitektur einfügen. Die Dampfmaschinen, die die Besucher mit „Steam“ im wahrsten Sinne des Wortes überschütteten, waren da noch das Tüpfelchen auf dem I. Mein Favorit war ja, das gebe ich zu, die dampfbetriebene Orgel, die auch noch dafür sorgte, dass der Schweinebauch auf dem Grill schön gleichmäßig gegart wurde. Witzig war natürlich die Tankstelle, an der Kohlenachschub geschaufelt werden konnte.

Fast wäre ich kaum noch dazu gekommen, in den Malakotowturm zu steigen, wo die Steampunker ihre Ausstellungs- und Verkaufsstände hatten. Das war schön, dass ich einige alte Bekannte vom Steampunk-Jahrmarkt wieder traf und neue Bekanntschaften geschlossen habe. Mit Stefan Holzhauer habe ich gesprochen, dem Herausgeber der „Steampunk-Chroniken“, der schon Ende der 80er Jahre über das Rollenspiel „Space 1889“ mit Steampunk in Berührung kam und die Szene seither begleitet und beobachtet. Und mit Anja Bagus, die vor vier Jahren zum Steampunk kam, als sie eine Tastatur im Steampunk-Look im Internet sah und begann zu recherchieren. Inzwischen hat sie mehrere Romane geschrieben, in denen sie eine eigene Welt kreiert.

Auch John Copper, einen der Admin des Rauchersalons, habe ich interviewt und schon mal hinterlegt, nach welcher Taschenuhr ich suche – natürlich noch geheim J. Er kam von der Tüftel- und Bastelseite zum Steampunk. Sein Großvater, ein Elektroingenieur, hat ihn mit seiner Leidenschaft fürs Basteln mit vorhandenen oder ausgemusterten Materialien angesteckt. Am Steampunk gefällt ihm der Punk-Aspekt, dass neue Dinge ein altes Design bekommen. Am liebsten sind ihm jene Accessoires, deren Materialien möglichst dich an denen des 19. Jahrhundert sind, eher Holz und Metall statt Kunststoff. Auch bei der Auswahl seiner Waren für sein „Kupferwerk“ achtet er darauf, möglichst dicht an der Zeit zu sein. Das gelingt nicht immer, weil inzwischen eben 100 Jahre vergangen sind, aber gerade bei den Dingen, die er selbst konstruiert, ist das auch die besondere Herausforderung.

Und schließlich habe ich Bekanntschaft mit zwei Zwergschlammelfen gemacht, in die ich mich gleich verguckt habe. Corvo wird ganz stark sein müssen, wenn ich mich intensiver mit meiner Steampunk-Story beschäftigen werde. Auf dem Foto sind Gisella (links) und Clara „Watson“. Einen Zwergschlammelfen-Button habe ich schon, ich halte euch auf dem Laufenden, wie es damit weitergeht und natürlich berichte ich weiter über meine Recherchen in Sachen Steampunk. Der Countdown läuft schließlich, am 20. Februar 2016 findet der Steampunk-Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle statt und dann will ich als Steampunkerin dabei sein! © Birgit Ebbert

Nachtrag: Ich habe gerade nachgeschaut: Rosenmontag ist im nächsten Jahr am 8. Februar, dann merke ich mir den Termin schon mal für die Generalprobe vor.

Weitere Fotos vom Dampffest & Vaporium Ruhr

Fast hätte ich es vergessen, ich habe ja auch noch Steampunk Tribal Dance erlebt mit “Wild Tribe”

Und hier noch die Internetseiten zum Weiterstöbern:

LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum
Vaporium Ruhr    
Clockworker Steampunk-Woche NRW
Clockworker – Steampunk-Online-Magazin
Steampunk-Chroniken
Rauchersalon – Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian
Kupferwerk
Zwergschlammelfen
Anja Bagus
Aethernetz – Helvetische Webpräsenz für Steampunk
Amt für Aetherangelegenheiten
Wupperdampf Laboratorium