Bild aus Sound of Sky von Stefan ErbeAls ich am 11. Juni von der Präsentation der neuen CD von Stefan Erbe nach Hause kam, habe ich als erstes mein Klassikregal durchstöbert und Werke von Debussy gesucht. Für seine neue CD hat der Musiker aus Hagen nämlich die Werke des französischen Impressionisten Claude Debussy in seine Musik umgesetzt. Im Leben hätte ich nicht gedacht, dass die Ursprungsmusik über 100 Jahre alt ist.

Stefan Erbe hat sie so modern umgesetzt, dass ich mich eher in andere räumliche als zeitliche Sphären versetzt fühlte. Ganz falsch lag ich damit wohl nicht, schließlich fand die Präsentation im Rahmen der Reihe „Sound of Sky“ statt, die Stefan Erbe seit einigen Jahren im Planetarium in Bochum anbietet. Inzwischen hat er, das wurde an dem Abend deutlich, einen Fan-Club, der unermüdlich – trotz Fußball-EM – den Weg in seine Veranstaltungen findet und sich aus unserer Welt in neue Weiten entführen lässt.

Wie ich die Musik von Stefan Erbe erlebe

Stefan Erbe in der StadtbüchereiDas erste Mal bewusst gehört habe ich die Musik von Stefan Erbe bei der Sternen-Woche in der Stadtbücherei Hagen. Ich war so begeistert, dass ich gleich einige CDs gekauft habe, die noch immer einen Platz direkt neben dem CD-Player haben, sprich: oft gehört werden. Vielleicht deshalb, weil ich mich damit beim Schreiben gut in andere Welten versetzen kann. Das ist es, glaube ich, was für mich diese elektronische Musik ausmacht. Sie klingt so, als käme sie aus dem Reich der Musen, der Geister, der Inspirationen, Visionen – eine Mischung aus instrumentaler Musik und geheimnisvollen Klängen und Geräuschen. Stefan Erbe mischt sie auf eine Weise, die mich anspricht – ich weiß, die Meinungen zu Synthesizer-Musik gehen auseinander, aber das ist mir gleichgültig, ich höre Musik, die Saiten in mir zum Klingen bringt und das schafft Stefans Musik.

Stefan Erbes Weg in die Musikszene

Ein Teil des Equipments von Stefan ErbeUnd wenn mich etwas anspricht, dann wird auch gleich meine Neugier geweckt und ich wollte wissen, wer hinter der Musik steckt. Da erwartete mich schon die erste Überraschung – Stefan Erbe ist nämlich Hagener, auch wenn er heute in einem Nachbarstädtchen lebt. Schon als Jugendlicher hat er seine ersten Musikexperimente gemacht und mit Synthesizern erste Stücke produziert. Über die Volkssternwarte Hagen kam er in den 80er Jahren dazu, Musik zu komponieren, die einen in die Welt der Sterne entführt. Was eigentlich nur für eine Multimedia-Show für die Sternwarte gedacht war, wurde 1994 zu seiner ersten CD. Bald wurde der Rundfunk auf ihn aufmerksam und so zog seine Musik seine Kreise. Heute ist er weltweit unterwegs mit seiner Musik, aber immer auch im Ruhrgebiet – wie bei der Sternenwoche in Hagen oder im Bochumer Planetarium mit seiner Musikshow „Sound of Sky“, bei der Konserven- und Live-Musik mit Himmels- und Sternenbilder verknüpft werden.

Auf den Spuren von Claude Debussy

Geheimnisvolle Musik von Stefan ErbeDie neuste CD also stellt den Hörern einen französischen Impressionisten vor, von dem ich gerade mal „Clair de lune“ kannte und wiedererkannte. Claude Debussy lebte von 1862 bis 1918 und er ist ein typisches Beispiel dafür, wie zu jener Zeit ein Mensch ohne jegliche Schulbildung durch viel Glück die Chance bekam, sein Talent zu entwickeln. In seinem Elternhaus wurde keine Musik gemacht, sein Onkel finanzierte ihm ein paar Klavierstunden, aber am Ende war es eine wohlhabende Bürgerin, die ihm eine gute Ausbildung finanzierte. Gibt es so etwas heute noch? Da er mit 18 noch nicht gut genug war, um von der Musik zu leben, hat er – vielleicht eine Option für heutige Autorinnen? – eine Familie auf eine Reise durch Europa begleitet, um den Kindern Klavierunterricht zu erteilen.

Seinen Durchbruch hatte Debussy, als er mit 21 Jahren einen wichtigen Preis bekam, an den ein Stipendium gebunden war. Als eines der Hauptwerke gilt „Prélude à l’après-midi d’un faune“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Stéphane Mallarmés, ich kannte immerhin doch Les Nocturnes, wie ich bei meiner Recherche über sein Werk feststellte. In meinem CD-Regal habe ich immerhin die Sonata for Violincello und Piano in einer Interpretation von Hélène Grimaud und Sol Gabetta gefunden – die CD ist jetzt gerade noch in Arbeit.

Einige Fragen an Stefan Erbe

Stefan Erbe im PlanetariumWie immer, wenn ich etwas neu entdeckt, erwacht die Neugier und ich will mehr wissen, als ich im Internet finde. Daher war ich froh, dass Stefan sich bereit erklärt hat, meine laienhaften Fragen zu beantworten. Wenn ihr alles schon wisst, lest einfach drüber weg und hört Musik 🙂

Stefan, es wäre super wenn du einer Musiklaiin wie mir erklären würdest, wie deine Musik entsteht. Spielst du alle Instrumente, nimmst sie auf und mischst sie, oder wie muss ich mir das vorstellen?

Ja, grundsätzlich erzeuge ich alle Elemente der Musik selbst, indem ich sie einspiele, editiere oder auf eine besondere Weise sample. Bei Debussy war es ausnahmsweise mal etwas anders. Hierzu habe ich die Original-Notierung verwendet und verschiedene Techniken benutzt. Die Auswahl der Sounds, Klänge und Instrumente ist neben meinen erweiterten Kompositionen das Wesentliche. Wer die Originale kennt, wird schnell herausfinden, dass ich viele Elemente hinzugefügt habe, um daraus etwas Neues zu machen.
Bei meiner Arbeit als Musiker entstehen die Ideen fließend und ich bin froh darüber, dass mir immer etwas Kreatives gelingt. Da ich dies nun schon seit einiger Zeit so mache, geschieht vieles intuitiv. Als Studiomusiker besitze ich ein bewährtes Arbeitsumfeld, das mir genügend Inspiration spendet. Wie jeder Künstler verarbeite ich meine gesammelten Eindrücke aus meinem Lebensumfeld.

Mhm. Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Wenn es stimmt, was ich gelesen habe, dass du mit 12 Jahren angefangen hast, – damals gab es noch keine PCs mit tollen Audioprogrammen!

Nun, mein Zugang ergab sich über die Technik und der Tatsache, dass meine Familie musikalisch vorbelastet war. Mein Vater hatte damals schon ein Faible für Synthesizer. Das musste abfärben. Über die Jahre wächst man mit seinen Ansprüchen und den eigenen Vorstellungen. Ich habe immer die Absicht mit allen Dingen, die ich so tue, ein gewisses Ziel oder Ergebnis zu erreichen. Es hat aber schon eine ganze Weile gedauert, um brauchbare Ergebnisse zu erzeugen.

Gibt es musikalische Vorbilder?

Natürlich hat mich die Musik der 80er stark geprägt. Die Möglichkeiten der Instrumente veränderten sich ständig und dadurch auch die Musik. Sicherlich habe ich damals Kraftwerk, Jarre und TD gehört, aber auch viel unbekanntes Zeug das in mir den Drang nach eigener Kreativität förderte.
Echte Vorbilder gab es eigentlich nicht, vielmehr haben Einflüsse und Tendenzen etwas hinterlassen, was meinem Stil förderlich war. Eine eigene Identität zu besitzen, ist für einen Musiker ein wichtiger Bestandteil. Manchmal sogar wichtiger als die Qualität der Musik.

Äh! Was bist du eigentlich von Beruf? Eine blöde Frage, ich weiß, Musiker, aber was hast du gelernt?

Ich bin gelernter Kaufmann und war früher in der Computerwelt tätig (ergänzte das Musikersein sehr gut) und habe heute mit meiner Frau ein gemeinsames Büro für spezielle Versicherungsthemen. Dabei teilen wir uns die Arbeit auf, ich betreue viele Musiker und branchenähnliche Kunden, mache Seminare und Workshops, konzipiere Strategien für Betriebe, Absicherungen und Geschäftsideen. Arbeite auch als Grafiker, Webdesigner und natürlich als Musiker. Sie ist Juristin, Zahlen- und AGB-Expertin und kümmert sich um den Kontakt zu Außenwelt. Wir betrachten uns als „Helfer für alle Lebenslagen“.
Für mich gibt es somit keine klare Abgrenzung in meiner Berufswelt, sondern ich mache alles was mir Spaß macht. Ich bin von Beruf Konzeptorientierter Medialist mit Drang zur Vorsorgestrategie.

Kommen wir zu Debussy. Warum hast du dir ausgerechnet diesen Komponisten ausgesucht? Und wie erfolgte die Auswahl der Stücke, die du interpretiert hast?

Meine erste kompositorische Verbindung zur Klassik, war eine Umsetzung von Clair de Lune. Dieses Stück ist so fantastisch, dass ich Wochen damit verbracht habe, es 2008 in eine elektronische Form zu verpacken. Das Ergebnis hatte mich geflasht und mich immer wieder dazu veranlasst, alte Klassik-Stücke neu zu arrangieren.

Die konkrete Umsetzung für das Debussy-Album resultierte aus einer externen Anfrage. Eigentlich wollte ich es (normalerweise verlege, vertreibe und distributiere ich alles selbst) über eine externe Plattenfirma verkaufen, habe dies aber wieder verworfen. Ich hatte bei der Ursprungs-Anfrage darüber nachgedacht, welche Komponisten am besten zu mir passen würden und dachte dann sofort an Debussy. Seine Harmonien sind nicht kitschig und lassen sich außerdem sehr gut adaptieren. Darüberhinaus gibt es eine sehr große Bandbreite an verschiedene Kompositionen, die sich nicht ähnlich sind. Dadurch entsteht ein hoher musikalischer Kontrast und der benötigte Spannungsbogen, den ein Album für 65 Minuten braucht.

Und zum Schluss noch für die Hagener: Wie lange hast du in Hagen gelebt? Auf welchen Schulen warst du? Wo hast du Musik gemacht? Und was sollte man in Hagen unbedingt erleben?

Hagen ist noch immer meine Heimat. Ich wohne zwar nun seit 16 Jahren in Volmarstein, fühle mich aber meiner Heimatstadt sehr verbunden. Wenn ich etwas unternehme, ist es in der Regel hier. Meine Jugendzeit habe ich in Emst und Eppenhausen verbracht und viele kennen mich noch unter meinem Pseudonym „Erbse“. Selbst die meisten Lehrer (Realschule Oberhagen) haben mich damals so genannt.

Mit der Musik habe ich so richtig begonnen, als das (o.g.) Projekt mit der Hagener Sternwarte entstand. Das war Anfang der 90er. Seitdem habe ich unzählige Konzerte dort gemacht, war dreimal Gast beim Muschelsalat, habe mit der Philharmonie gearbeitet und viele andere Projekte umgesetzt.
Seit vielen Jahren reise ich auch quer durch die Republik und konzertiere so 10- bis 20-mal im Jahr. Seit kurzem auch mit meinem Freund und Musikerkollegen Steve Baltes.

Gerne würde ich mal ein Konzert im Hagener Stadttheater machen, bevor dort möglicherweise die Lichter ausgehen (Liebe Stadtoberhäupter, bitte erhaltet es so wie es ist!). Generell wissen viele Menschen gar nicht, wie viel Kultur sich in Hagen begründet hat und wie wichtig die Stadt für die Region ist und war. Leider stellen sich Veränderungen ein, die immer mehr den Wegfall dieser regionalen Stärke beinhalten.

Hagen hat nicht nur viele Künstler, Musiker und Kreativköpfe hervorgebracht, sondern ihnen auch immer eine Plattform geboten. Dies scheint leider in der jetzigen Generation der Stadtverantwortlichen in Vergessenheit geraten zu sein. Womit kann eine Stadt denn mehr überzeugen, als mit dem künstlerischen Output seiner Menschen. Die schönste Innenstadt wird sie nicht mehr werden, einen Fußball-Bundesligisten auch nicht hervorbringen und eher noch weiter schrumpfen, als expandieren. Gute Kulturideen zu entwickeln, scheint mir ein probates Mittel zu sein, die Menschen auf sich aufmerksam zu machen. Ich wäre dabei!

Internetseite von Stefan Erbe

Hörproben von Stefan Erbe auf Soundcloud

Sound of Sky am 27.8. Booth & Creek zu Gast bei Stefan Erbe