(10.12.2014) Heute wurde der erste Stolperstein verlegt, für den ich eine Patenschaft übernommen habe. Mit ihm wird an den Postangestellten Franz Joseph Koch gedacht, der in der NS-Zeit wegen seiner Homosexualität mehrmals in Haft war und schließlich unter ungeklärten Umständen an der Front ums Leben kam.

Franz Joseph Koch ist am 29. Oktober 1916 in Bochum geboren, seine letzte bekannte Adresse ist die Hermannshöhe 8, das entspricht der heutigen Hermannshöhe 36.

Koch hat zunächst keinen Beruf erlernt, sondern wurde 1936 zur Wehrmacht eingezogen. Dort nahm er an der Grundausbildung teil, bis er zum ersten Mal verurteilt wurde wegen § 175 Reichsstrafgesetzbuch, der übrigens bis zum 11. Juni 1994 (!) galt, nach dem homosexuelle Handlungen verboten waren. Das war allerdings nur ein Meilenstein in seiner Leidensgeschichte. Von da an war er unter ständiger Aufsicht der Obrigkeit, wovon seine Akte ein beredtes Zeugnis gibt.

Nach Abbüßen der sechsmonatigen Gefängnisstrafe wurde in eine Sonderabteilung der Luftwaffe versetzt, ehe er – fünf Monate vor Ausbruch des Krieges – aus der Wehrmacht entlassen wurde. Die Zeit außerhalb der Armee dauerte nur fünf Monate, in denen Koch bei der Post arbeitete. am 1. September 1939 wurde er erneut eingezogen und gleichzeitig zum Unteroffizier befördert.

Ein halbes Jahr später stand er wieder vor einem Feldgericht, dieses Mal das des 8. Fliegerkorps und dieses Mal fiel die Strafe für ihn als „Wiederholungstäter“ höhe aus. 2 Jahre Zuchthaus wegen Homosexualität und Wehrunwürdigkeit. Diese Jahre verbrachte Koch in einem der berüchtigten Moorlager im Emsland. Seine Akten belegen, dass er im August 1940 in das Moorlager Estserwegen kam, das er – anders als viele der Mitgefangenen – überlebte.

Nachdem man seine „Frontbewährungseignung“ überprüft hatte, kam er nicht etwa in Freiheit, sondern zur Wehrmacht, degradiert vom Unteroffizier zum einfachen Soldaten. In der sogenannten „Bewährungstruppe“ sollte er bestätigen, dass er für die Verteidigung des Vaterlandes taugte, was wohl gelungen ist, jedenfalls ist bekannt, dass er im Januar 1943 zum 3. Infanterie Bataillon 550 an die Ostfront abkommandiert wurde. Bereits wenige Wochen später starb er dort, allerdings nicht im Kugelhagel oder „für das Vaterland“, er wurde ermordet – unter welchen Umständen ist heute nicht mehr zu ermitteln.

Die Recherchen über das Leben von Franz Joseph Koch stammen von Jürgen Wenke, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins Rosa Strippe e. V. Nachdem ich die Information gestreut hatte, dass ich in Bochum eine Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen wollte, hat Herr Wenke sich mit mir in Verbindung gesetzt. Mir gefällt die Idee, mit den Stolpersteinen an verschiedene Bevölkerungsgruppen, die von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, zu erinnern. In Münster werde ich die Patenschaft für ein Mitglied einer jüdischen Familie übernehmen, das Engagement in meinen anderen Wohnorten gestaltet sich etwas schwierig, doch das ist ein anderes Thema. © Birgit Ebbert