Rathausstraße 23

(18.08.2013) Vor einiger Zeit bin ich in Hagen im wahrsten Sinne des Wortes über drei Stolpersteine gestolpert. Ok, nicht wirklich gestolpert, ich war mit der Kamera unterwegs, sah etwas auf der Straße blitzen und dachte mir, das wird ein schönes Fotomotiv sein. War es auch, eines, das meine Neugier geweckt hat. Als ich mich näher mit der Aktion beschäftigte, fiel mir wieder ein, dass ich schon bei der Recherche für meinen Roman „Brandbücher“ darauf gestoßen war. Aber wie das so ist im Alltag, Informationen gehen auch schnell unter.

Nun habe ich mich auf die Suche nach weiteren Stolpersteinen in Hagen gemacht und in der Innenstadt einige gefunden. Eine Übersicht auf www.stolpersteine-hagen.de hat mir dabei geholfen. Einige Steine habe ich nicht gefunden, obwohl ich einmal ganz um das Sparkassenkarree herumgelaufen bin, waren die Steine, die dort sein sollten, nicht aufzufinden.

Rathausstraße 5

Auch auf der Mittelstraße fehlte einer und ich habe mich gefragt, ob es sein kann, dass die Steine irgendwann wieder ausgegraben werden. Sinnvoll wäre das ja nicht, schließlich sind in die Messingsteine die Namen der deportierten und ermordeten Juden eingraviert, die in dem jeweiligen Haus gelebt haben. Trotzdem habe ich recherchiert und war fassungslos. Über die Hagener Stolpersteine habe ich nichts Negatives gefunden. Aber in Stuttgart musste das Amtsgericht sich tatsächlich mit der Klage eines Hausbesitzers beschäftigen, der Sorge hatte, dass der Wert seines Hauses und seines Grundstücks durch den Stolperstein im Gehweg gemindert würde. Das Stuttgarter Amtsgericht hat die Klage abgewiesen, zum Glück wie ich finde.

Stresemannstraße

Ebensowenig nachvollziehbar ist für mich eine Tat in Berlin. Dort wurden in Schöneberg in der Nacht vor der Verlegung des 5.000 Berliner Stolpersteins 55 Steine geschwärzt. Ob das der Grund ist, warum die Liste der in Deutschland verlegten Stolpersteine nicht mehr ausfindig zu machen ist? Ich weiß genau, dass ich sie vor einigen Wochen im Internet noch gefunden habe.

Die Stolpersteine  sind eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1992 werden diese Messingplatten verlegt. Sie werden immer dort platziert, wo Opfer der NS-Zeit vor ihrer Deportation oder Ermordung gelebt haben. Für jedes Opfer wird ein Stein eingelassen, so finden sich in Hagen zum Beispiel vor dem Haus Rathausstraße 23 acht Steine und auf der Höhe der Rathausstraße 5 nur zwei. In die Messingplatten, die ca. 10 x 10 cm groß sind, werden Namen und Lebensdaten eingraviert.

Elberfelder Straße 4

In vielen Orten haben sich Initiativen oder Vereine gebildet, die sich um die Verlegung der Stolpersteine kümmern. So auch in Hagen. Der Verein ist unter www.stolpersteine-hagen.de erreichbar. Man kann Mitglied werden, aber auch für die Verlegung weiterer Steine spenden. Derzeit liegen in Hagen ungefähr 100 Steine, etwa die Hälfte der Namen auf der Liste, die der Verein erstellt hat, sind bereits verlegt. Rudolf Damm, der Vorsitzende des Vereins, vermutet aber, dass es noch weitere Menschen gab, die deportiert oder ermordet wurden. Möglicherweise tauchen bei der Recherche, bei der der Verein mit dem Bundesarchiv in Koblenz kooperiert, weitere Namen auf.

Seit 2007 ist der Verein hier in Hagen aktiv, mit seinen knapp 30 Mitgliedern recherchiert er, sammelt Spenden und sorgt dafür, dass die Stolpersteine in Bewusstsein der Hagener rücken. Dass das nicht immer gelingt, zeigte sich, als ich die Information über meine Stolperstein-Entdeckung bei Facebook veröffentlichte. Manche kannten die Aktion nicht, andere beschwerten sich über die unsinnige Aktion und wieder andere fanden, es sei doch langsam genug erinnert.

r9Gerade die letzte Äußerung zeigt doch, wie wichtig es ist, die Erinnerung wach zu halten. Schon, dass bisher über 38.000 Stolpersteine verlegt wurden, sollte einen nachdenklich stimmen.

Wie gut, dass einen die Aktion der Achtklässler der Eilper Gesamtschule wieder aufmuntert. Sie haben mit dieser Straßenmalaktion Spenden für Stolpersteine gesammelt.

Weitere Informationen über die Stolpersteine: