(19.12.2015) Wer träumt nicht von der Situation, in die die beiden Cousinen Audrey (Sarah Pennisi) und Susanne (Carola Schmidt) gestern im Theater an der Volme geraten sind? Sie werden auf den Reiterhof ihres alleinstehenden, wohlhabenden Onkels (Dario Weberg) eingeladen, weil dieser eine Erbin sucht. Nun lässt der Titel Stutenbissig schon erahnen, dass es dabei nicht ohne Komplikationen und wie man heute sagt „Zickenkrieg“ abgeht – nicht nur, weil es ums Geld geht, sondern auch, weil die beiden Frauen kaum verschiedener sein können.

Da ist die Etepetete-Audrey mit ihrer Schmutzphobie, die alles und jeden erst einmal desinfiziert, von Sarah Pennisi köstlich und überzeugend verkörpert. Nicht gerade die optimale Voraussetzung für das Leben auf einem Reiterhof! Ihre Cousine Susanne ist deutlich bodenständiger, herrlich, wie Carola Schmidt der arbeitslosen Finanzbeamtin mit Faible für Kuchen, Esoterik und Lebensweisheiten darstellt. Schon bei der ersten Begegnung der beiden jungen Frauen ist klar – das gibt Ärger. Während Audrey im schicken Outfit erscheint, trampelt Susanne in Strickleggings, Wollkleid und Pantoffeln heran. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie im Waisenhaus aufgewachsen sind, nachdem ihre Eltern unter mysteriösen Umständen gleichzeitig ums Leben gekommen sind.

Zwischen ihnen steht Pferdenarr Onkel Hanno, dem Dario Weberg eine gelungene Mischung aus Würde und Verschmitztheit verleiht. Hanno eröffnet seinen verfeindeten Nichten, dass er bald sterben wird und sie eingeladen hat, um zu entscheiden, wem sein Erbe zufallen wird. Nach kurzem Schrecken machen die Frauen sich daran, die Gunst des Onkels zu erringen. Der Kampf ist eröffnet – Audrey bemüht sich, über ihren Schmutzphobie-Schatten zu springen und Susanne versucht, das Geheimnis ihres verlorenen Jobs durch leckere Speisen und Hilfe im Stall auszugleichen. Dass es dabei einiges zu lachen gibt, verwundert nicht, zumal Susanne es mit allem nicht so genau nimmt, auch nicht mit den Redensarten, die sie bei jeder Gelegenheit einwirft. Da geht der Krug dann schon mal so lange zu Wasser bis er kotzt und Reden ist Gold, während Schweigen Silber ist. Szenenapplaus und viele Lacher im Publikum waren der beste Beweis dafür, dass die Komödie voll eingeschlagen hat.

Indra Janorschke hat das Stück Stutenbissig, das sie zusammen mit Dario Weberg geschrieben hat, gelungen inszeniert und man darf gespannt sein, in welche Theater es von Hagen aus seinen Weg findet. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen und Termine auf www.theaterandervolme.de