Symphonic Floyd(25.02.2017) Gestern gab es im Theater Hagen ein ganz besonderes musikalisches Highlight, zumindest für diejenigen, die Rockmusik lieben und mit Pink Floyd aufgewachsen sind: Symphonic Floyd. Die Hagener Band Green mit Musikern von Extrabreit, Grobschnitt und Marrakesh Express hat zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Hagen sowie dem Chor und Kinder- und Jugendchor des Theaters Musik von Pink Floyd performed. Ein Erlebnis der Extraklasse, das nur noch heute und am 15. und 16. April möglich ist.

Die Geschichte hinter Symphonic Floyd

Initiator des Projektes ist Rolf Möller, Schlagzeuger bei Extrabreit und Musiker aus Leidenschaft. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt er und erinnert sich genau, wie er vor etwas 1 ½ Jahren die Pink Floyd Platte „Atom Heart Mother“ zufällig wieder in den Händen hielt und dachte, das könnte man auch mal spielen. „Bei der Platte weiß ich sogar genau, weshalb ich sie gekauft habe. Ich habe im Fernsehen einen Beitrag über das Pink Floyd Konzert von Atom Heart Mother gesehen und war elektrisiert. Die Platte musste ich haben.“ Und er hat sie gekauft, nach fast 50 Jahren wiedergefunden und sich inspirieren lassen. „Der Rest war Zufall, dass ich zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Menschen gesprochen habe“, meint Rolf. Aber sicher war es auch seine Begeisterung von damals, die übergeschwappt ist – auf die anderen Musiker von Green, auf die Verantwortlichen im Theater und gestern Abend auf die Zuhörer im mehr als ausverkauften Theater, die Band und Orchester mit Standing Ovations feierten.

Der Abend im Theater Hagen

Aber was ist nun das Besondere an diesem Abend, mögen diejenigen fragen, die nicht Fans von Pink Floyd, von Green oder vom Orchester Hagen sind. Es ist zum einen die besondere Konstellation – Rockband und Philharmonisches Orchester in einem Theater, das mit seinem Jugendstilambiente samt Plüschsessel und Logen so ganz anders ist als die Orte, an denen man sonst Rockmusik hört. Dann die tolle Lichtshow, die dem Theater eine besondere Note verleiht und zusammen mit der Musik traumhafte Sinneseindrücke ermöglicht. Es ist die Musik, bei der die Vocals wie die anderen Instrumente eingebunden werden und es sind natürlich die Menschen, die das Projekt leben. Wirkten die Musiker beim Einstieg nach der Ouvertüre des Orchesters noch verhalten, als könnten sie nicht glauben, was sie da gerade erlebten, zeigte sich schon bald die Freude an dem Projekt, an dem die Musiker seit April letzten Jahres gefeilt und geprobt haben. Und selbst als Nicht-Musikerin, die gerade ein paar Akkorde auf der Gitarre zusammenstoppeln kann, war mir schnell klar, dass diese Musik nicht eben heruntergespielt werden kann, sondern eine unglaubliche Präzision und Konzentration verlangt. Schließlich sind es die Details, die den Abend außergewöhnlich machen, ob das der Kinderchor bei „We don’t need no education“ ist oder die amüsante Musiker Einlage bei „Money“, von der ich jetzt nichts verrate, um ein wenig Spannung aufzubauen 🙂

Atom Heart Mother

Noch kurz etwas zum Kernstück des Abends: „Atom Heart Mother“, der Titelsong einer Schallplatte aus dem Jahr 1970. Rolf Möller erinnerte sich an einen Beitrag über eine der wenigen Aufführungen durch Pink Floyd. Leider habe ich den Ausschnitt aus der Sendung nicht mehr gefunden bzw. das Video war bei YouTube gesperrt, es muss aber in einer ZDF-Aspekte-Sendung 1971 gewesen sein. Rolf erinnert sich, dass es um ein Konzert in Frankfurt oder Umgebung ging und am 25. Februar 1971 spielte Pink Floyd „Atom Heart Mother“ in Offenbach. Wenn jemand einen funktionierenden Link findet, gerne her damit.

Das Stück hat es gleich mehrfach in sich, zum einen fordert schon die Länge von 30 Minuten Rockmusikern und Zuhörern mehr Konzentration ab als die sonst fünf bis sieben Minuten dauernden Songs. Dann ist es eher atonal angelegt, was für Zuhörer mitunter anstrengend ist, den Musikern aber höchste Konzentration abverlangt, weil die Einsätze bewusst disharmonisch sind. Und vor allem gehören zu diesem Stück Instrumente und Stimmen, die in einer Rockband eher selten zu finden sind. Das mögen Gründe dafür sein, dass Atom Heart Mother kaum aufgeführt wird und im TheaterHagen wirklich etwas Außergewöhnliches zu hören ist.

Ein phänomenales Zusammenspiel von menschlichen und Instrumentalstimmen

Und dieses Außergewöhnliche ist außergewöhnlich gelungen mit dem Philarmonischen Orchester Hagen unter Leitung von Steffen Müller-Gabriel, der Band Green mit einem mitreißenden Milla Kapolke, Bubi Hönig, dessen Gesangs- und Instrumentalsolos mich total begeistert haben, Rolf Möller, der beweisen konnte, dass Schlagzeug mehr ist als Rhythmus und laut, Deva Tattva als Virtuose am Keyboard, Michi Rolke, der es in Sekundenschnelle schafft, die Instrumente zu wechseln und sie dennoch sofort grandios einsetzt und Mudita Kapolke, die mit Percussion und Gesang im Hintergrund die Klangkomposition abrundet. Mit dabei außerdeme Family & Friends Manu Kapolke, der mit Gesang und Gitarre nicht nur die Herzen der Kinder erobert hat :-), Demian Hache, der mit überraschenden Einsätzen wie den als Zugtrommler für special effects sorgte, Vanessa Möller, die mit ihrem Geigensolo mein Herz zum Schmelzen brachte und Luisa Ortu, der Stimme aus dem Hintergrund für Nuancen sorgte, ohne die das Gesamtwerk nicht vollständig gewesen wäre.

Ein Hör- und Seh-Erlebnis der Extraklasse, das zeigt, dass Hagen musikalisch etwas drauf hat, das viel häufiger auf diese Weise gewürdigt werden sollte. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen auf der Seite von Green: www.green-band.de

Karten für die weiteren Aufführungen am 15. und 16. April

Weitere Fotos von der Probe am Mittwochabend

Redaktioneller Hinweis: Vielen Dank Rolf Möller für die Hintergrundinformationen und den Musikern von Green dafür, dass ich die Entstehung des Werkes ein Stück begleiten durfte. Leider hat das TheaterHagen mir nicht erlaubt, bei der Premiere zu fotografieren, daher sind die Fotos von der Probe am Mittwochabend.