(26.03.2015) Am kommenden Sonntag wird im Stadtmuseum Hagen die Ausstellung „Technisches Spielzeug “ eröffnet. Ich durfte gestern mit den Pressevertretern schon spicken und die bereits aufgebauten Appetizer anschauen. Einige habe ich sofort aus der Weltenbrand-Ausstellung wieder erkannt, aber die meisten haben mich doch überrascht. Nun wäre ich vor 100 Jahren auch nicht die Zielgruppe gewesen. Das Spielzeug richtete sich an die jungen Herren der Schöpfung und man geht davon aus, dass das eine oder andere durchaus verschenkt wurde in der Hoffnung, dass der Junge ein Faible für den Ingenieurberuf entdeckt oder entwickelt. Nachdem ich mir habe erklären lassen, wie die kleinen Dampfmaschinen funktioniert haben, kann ich mir vorstellen, dass nicht nur die kleinen Jungen, sondern auch die kleinen Mädchen Ingenieur werden wollten.

Am Beispiel des liegenden Lokomobils, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte, erklärte Holger Flick die Funktionsweise des Spielzeugs. Eigentlich relativ simpel: Wasser einfüllen, ein kleines Feuerchen unter dem Tank machen und warten, bis es zischt und dampft, dann an der richtigen Stelle zum Beispiel ein Fahrzeug oder eine kleine Mühle befestigen und schon bewegte sich etwas. Das klingt einfach, aber wir reden von einem Spielzeug, das 1910 gebaut wurde! Es stammt wie auch die anderen Ausstellungsstücke aus der Sammlung des Arztes Dr. Hartwig Lauter, der übrigens am Sonntag bei der Eröffnung über seine Sammelleidenschaft berichten wird. Seit den 60er Jahren sammelt er Blechspielzeuge und -Baukästen – in einer Zeit, als es ebay noch nicht und nur selten Flohmärkte gab, sondern die Sammelobjekte vor allem auf Auktionen und Spielzeugmessen gekauft wurden.

Das Spektrum der Sammlung ist riesig, da sind Lokomotiven und Dampfmaschinen, Schiffe und Autos, ein Kran aus Metallbauteilen und vor allem viele kleine Dinge, die mich nun wieder besonders fasziniert haben. Während die Herren Fotografen sich um die Fahrzeuge geschart haben, habe ich zum Beispiel versucht, das Modell des Zeitungs- und Buchverkaufsstand aus dem Jahr 1929 zu fotografieren. Obwohl ich gerade in Briefen aus den 30er Jahren gelesen habe, wie es auf einem Bahnhof zu jener Zeit zuging, war ich doch verwundert, dass man zu jener Zeit bereits solche kleinen Stände hatte, an denen auch Bücher verkauft wurden. Dabei hätte ich es wissen müssen, habe ich doch erst kürzlich bei meiner Recherche über das 19. Jahrhundert erfahren, dass 1854 die erste Verkaufsstelle für „Reiseliteralien“ im Bahnhof Heidelberg eröffnet wurde. So hängt eben alles miteinander zusammen. Ich bin jedenfalls gespannt, welche weiteren Spielzeuge in den letzten Kisten versteckt waren.

Für diejenigen, die immer gerne alles ganz genau wissen möchten: Neben der Dampfmaschine und dem Blech-Bahnhof samt Verkaufsstelle gibt es Eisenbahnspielzeug der Spur II, I und 0, von der Lokomotive bis zu dem viergliedrigen Triebwagen von 1937, der unter dem namen „Fliegender Hamburger“ bekannt wurde. Fans von Modellautos werden sich vermutlich an den drei Alfa Romeo P2 nicht satt sehen können, die ab Mitte der 20er Jahre gebaut wurden. Ob das nun das schönste Spielzeugauto ist, das je hergestellt wurde, vermag ich nicht zu beurteilen, durch die Präsentation in der Glasvitrine sehen die Fahrzeuge auf jeden Fall toll aus. Und das Modell des Riesenrads aus dem Wiener Prater sieht nicht nur ziemlich echt aus, wir haben es mit Fotos verglichen, sondern es ist auch vermutlich eines der wenigen, das fertig gestellt wurde. In der Bauanleitung gab es nämlich einige Fehler, die nur jemand mit sehr viel Geduld und technischem Verstand ausbügeln konnte. Wer weiß, wie viele Jungen nur deshalb nicht Ingenieur geworden sind, weil sie das olle Ding nicht fertig bekamen. Tja, der heimliche Lehrplan!

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 29. März um 15.00 Uhr eröffnet und ist ab dem 31. März bis zum 4. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Für Kindergruppen gibt es ein spezielles museumspädagogisches Programm, bei dem auch ein neueres Modell der Dampfmaschine zum Einsatz gebracht wird, aber auch Kinder, die mit ihren Eltern kommen, werden sich ganz bestimmt nicht langweilen – schon wegen der Ausstellungsstücke und weil auch für sie ein Angebot vorgesehen ist. © Birgit Ebbert


Viele schöne Fotos von einem Teil der Exponate auf www.moment-aufnahmen.info

Und was ich noch zum Thema ausfindig gemacht habe im Blogbeitrag „Das wollte ich doch wissen“

Weitere Informationen auf der Seite des Stadtmuseums