Das Ensemble bei den Proben: Mortimer Redfern (Lars Lienen), Linda Brewster (Indra Janorschke), Alice Barber (Beate Wieser)

(02.02.2014) Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: Es gibt keinen Grund, den Regisseur dieser spritzigen Komödie zu töten, auch wenn er selbst den einen oder anderen Tipp in die Inszenierung eingebaut hat. Musste er auch, schließlich heißt das Stück von Lars Lienen, das im Theater an der Volme gestern uraufgeführt wurde: „Tee mit Zimt oder Wie töte ich meinen Regisseur“.

Schon die angedeutete Künstlergarderobe als Bühnenbild und die ersten Szenen entführen die Zuschauer in die Welt des Theaters. Da hetzen die drei Schauspieler Alice Barber (Beate Wieser), Linda Brewster (Indra Janorschke) und Mortimer Redfern (Lars Lienen) auf die Bühne, um sich auf die Probe für das Stück „Wenn der Apfel fällt“ vorzubereiten. Bereits da wird deutlich, dass es drei Individuen sind, die das Theater zu einem Ensemble zusammengewürfelt hat und von denen jeder seine Eigenart hat. Sie eint die Arbeit am Theater und der Hass auf ihren Regisseur Lewis Westcastle, einem von sich eingenommenen Tyrannen.

Dario Weberg als Lewis Newcastle mit einer seiner Geliebten (Indra Janorschke als Linda Brewster)

Dario Weberg schafft es schnell, Lewis Westcastle zum potenziellen Mordopfer zu entwickeln, es gibt niemanden in dem Bühnentheater, der keinen Grund hätte, ihm nach dem Leben zu trachten. Und jeder hat seine eigene heimliche Vision davon, wie er ihm den Garaus macht. Pistole, Messer oder Hackebeil – da könnte Blut fließen, wenn die Träume Wirklichkeit würden. Diese Träume waren übrigens meine Lieblingsszenen, erinnerten sie doch durch Licht und Spieltechnik an Stummfilme. Klasse!

Ob die Träume Wirklichkeit werden und warum das Stück „Tee mit Zimt“ heißt, das verrate ich nicht. Ich möchte den Zuschauern nicht den Spaß nehmen, den ich an der Inszenierung hatte. Soviel kann ich verraten: Die erste Hälfte des Stückes endet mit einem Leichenfund und nach der Pause betritt Inspektor Armstrong (Roman Weber) die Bühne. Er sorgt für ein kleines, ach was, ein großes Chaos und hektische Betriebsamkeit. Plötzlich haben alle ein neues gemeinsames Ziel, aber leider sorgt Mr. Murphy – na gut, wohl eher Autor Lars Lienen – dafür, dass schief geht, was schief gehen kann. Sehr zur Erheiterung des Publikums, das nach gelegentlichem Kichern in der ersten Hälfte im zweiten Teil aus dem Lachen kaum herauskommt. Auch wenn das Stück den Tod im Titel trägt, ist es eben eine Komödie. Selbst bis dahin eher griesgrämig wirkende Besucher wirken plötzlich gelöst und heiter.

Roman Weber als Inspektor Armstrong mit der Ensemble-Pflanze „Ginger“

Eine wunderbare Uraufführung mit einem hervorragenden Stück, einem reduzierten, aber treffenden Bühnenbild, witzigen Kostümen, pfiffigen Lichtspielen, überzeugenden Schauspielern und einem begeisterten Publikum. Ja, eine Uraufführung. Lars Lienen, der als Mortimer Redfern einer seiner Figuren selbst Leben einhaucht, hat das Stück mit der britischen Note speziell für das Theater an der Volme geschrieben. Allerdings glaube ich, dass es nicht lange dauern wird, bis andere Theater Interesse zeigen. Vorerst wünsche ich dem Theater an der Volme, dem Autor und dem Ensemble viele weitere ausverkaufte Abende. © Birgit Ebbert

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