(04.05.2018) Während wir gerade die ersten richtigen Sonnenstrahlen genießen und im Theater Hagen die letzten Premieren der laufenden Spielzeit vorbereitet werden, geht der Blick schon in die neue Spielzeit. Am 14. und 22. Mai wird das geplante Programm den Abonnenten vorgestellt, ich durfte an der Pressekonferenz zur Spielplan-Präsentation teilnehmen und habe seitdem ab September einen dicht gefüllten Kalender 🙂 Nachdem ich in der laufenden Spielzeit außer dem Audiowalk nichts mitbekommen habe wegen meiner familiären Aufgaben in Borken, hoffe ich, dass ich zumindest die Inszenierungen, die ich besonders spannend finde, besuchen kann.

Musik, Ballett, Theater und viel mehr

Ganz ehrlich, wenn ich meine Notizen und das Datenheft mit dem Programm anschaue, bin ich fast überfordert, euch das Angebot vorzustellen. Deshalb fange ich mal mit einer grundsätzlichen Neuerung an, die „Stunde der Kritik“, eine tolle Einrichtung, auf die ich schon sehr gespannt bin. In dieser Stunde nach den Neuproduktionen stellen sich Intendant und Team dem Feedback von Publikum und Presse. Es muss also nicht nur am Stammtisch geschwärmt und genörgelt werden, die Hagenerinnen und Hagener können ihre Sicht des Stückes direkt an die Verantwortlichen weitergeben.

Doch was sind das für Stücke, die neu inszeniert werden? Da ist zum Beispiel die Oper „Simon Boccanegra“, in der Guiseppe Verdi die Geschichte des gleichnamigen Dogen von Genua erzählt, der vermeintlich vergiftet wurde. Weniger dramatisch wird es in Jaques Offenbachs Operette „Pariser Leben“, in der ein schwedisches Ehepaar in Paris amüsieren wollen und sich dabei fast selbst verlieren. Mit der Oper „Rusalka“ von Antonín Dvorák nach dem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ gibt es erstmals neben dem Weihnachtsstück für Kinder ein zusätzliches Angebot für einen Theatertag mit der ganzen Familie. Mehr von Dvorak gibt es, nebenbei bemerkt, auch im 2. Sinfoniekonzert des Philarmonischen Orchesters. Doch nicht nur Märchenfans, sondern auch Wagner-Liebhaber kommen in dieser Spielzeit auf ihre Kosten. An fünf Sonntagen wird ab 15.00 Uhr „Tristan und Isolde“ aufgeführt, nachmittags, damit die Besucher der fünfstündigen Aufführung nicht erst nach Mitternacht wieder zu Hause sind 🙂 Ein weiteres besonderes Projekt ist eine Kooperation zwischen Orchester und Ballett, an einem Abend bekommen die Besucher bei „Dido and  Aeneas“ eine Oper von Henry Purcell und zur „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel eine Choreographie von Alfonso Palencia. Der Abend steht ebenso mit einem Ausrufezeichen bei mir im Kalender wie „Spring Awakening“ nach dem Schauspiel „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind. Und das waren nur die Neuproduktionen, die im Datenheft unter „Oper, Operette, Musical, Rock-Show laufen und ich habe ein paar Inszenierungen weggelassen, die kommische Oper „Il Turco in Italia“ von Gioacchino Rossini zum Beispiel und die Undergroundparty „Take a Walk on the Wild Side“, bei der extra vermerkt ist. „Achtung laut! Aber super!“ 🙂 Ach und das Damatische Madrigal Combattimento di Tandredi e Clorinda von Claudio Monteverdi, bei dem Skulpturen aus dem Osthausmuseum ins Bühnenbild integriert werden.

Ballett gibt es natürlich auch noch mehr, „Move on“ zum Beispiel und Schauspiel, die englisch-deutsche One-Woman-Show „Molly Bloom“ aus Ulysses von James Joyce mit Marilyn Bennett als einziger Darstellerin, ein Stück in türkischer Sprache mit Obertitel und – mein absolutes Lieblingsstück! – „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Guildo Horn wird wiederkommen, der Bühnenball mit neuen Konzept, die Benefiz-Veranstaltung im Sommer als „Regenbogengala“ und natürlich Sinfoniekonzerte.

Special Interest und Mitmach-Theater

Ja, ich gebe zu, die Überschrift ist etwas willkürlich, aber der Abschnitt würde sonst zu lang. Und das Sonderkonzert „Die zerstörte Stadt“ zum Gedenken an den ersten Großangriff auf Hagen im Oktober 1943 mit einem Vortrag von Dr. Ralf Blank ist ja auch ein Spezialabend. Ebenso wie „The New York Gypsy All Stars“, wenn diese auch sicher mehr Action und Fun verbreiten. Auch die Produktionen des LUTZ wären zu schade, sie noch eben in einen Nebensatz zu schreiben. Das LUTZ ist dem Kinder- und Jugendtheater längst entwachsen, auch wenn die meisten Stücke für Kinder sind. An dem Programm merkt man deutlich, dass es Anja Schöne und ihrem Team darum geht, Kinder ans Theater heranzführen. Ob das die Krabbelkonzerte in Kooperation mit dem Philarmonischen Orchester sind oder die „mobile Produktion“, bei der Schulen, Institutionen, Unternehmen ausgewählte Produktionen in ihre Location bestellen können und natürlich der Amateur-Kinderclub und die Seniorenspielgruppe, die ihren Beitrag zum Gesamtprogramm leisten. Ein Muss für mich ist da natürlich „Die große Klimakonferenz der Tiere“ von Anja Schöne, frei nach Erich Kästners „Konferenz der Tiere“. Mit „Die Eiskönigin“ gehen ZuschauerInnen auf eine TanzTheaterReise und das Märchen zur Weihnachtszeit ist kein Grimmsches Märchen, sondern „Der Zauberer von Oz“. Mit dem deutsch-englischen TheaterProtest „Animal Farm“ werde ich Gelegenheit bekommen, mich an eine Schullektüre zu erinnern, die immer noch irgendwo liegt 🙂 und auf die multimediale Abenteuer-Komödie „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne bin ich besonders gespannt, weil diese Reise nicht erst bei der Premiere am 23. März starten soll, sondern schon vorher an verschiedenen Orten in Hagen.

Die nächste Spielzeit wird also sehr abwechslungsreich und ich gehe jetzt Lotto spielen, damit ich das Arbeiten einstellen kann, um es zu schaffen, eine Spielzeit lang alle Neuproduktionen anzuschauen 🙂 Wenn ich also nur über das eine oder andere berichten werde, liegt es an den falschen Lottozahlen 🙂

Hier geht es zum Spielplan, der aber auch an vielen Stellen ausliegt – in neuer Optik, die ich super finde, angelehnt an Größe und Aussehen der Reclam-Hefte. Mich hat die Hochglanz-Optik mit fast glänzenden Innenseiten schon immer gestört, weil ich fand, dass sie nicht zu Hagen passte. Mit dem Datenheft fühle ich mich sehr viel wohler, ich habe nicht mehr das Gefühl, ich muss „das kleine Schwarze“ aus dem Schrank holen, um ins Theater zu gehen. Wir sehen uns, ob im kleinen Schwarzen oder in Jeans, ich freue mich! © Birgit Ebbert