Karla Hennersdorf (Catherine), Christina Dom (Augustine), Kristina Günther-Vieweg (Madame Chanel),
Neda Rahmanian (Louise), Sylvia Rentmeister (Pierrette),
Katrin Schönermark (Mamy), Annika Firley (Susanne)
Foto: Klaus Lefebvre, Rechte: theaterhagen

(31.03.2014) Am Samstagabend hatte im Theater Hagen eine Kriminalkomödie Premiere, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Und so habe ich mich – trotz des schönen Wetters – in Begleitung meiner Autorenkollegin Marlies Ferber ins Theater Hagen begeben. Mit viel Vergnügen erlebten wir, wie acht Frauen und ein Pianist vor dem ausverkauften Haus ihr Publikum zum Miträtseln brachten.

Ich war schon beim Intro begeistert von dem Stück, auf einer großen Leinwand sahen wir Ausschnitte aus Kriminalfilmen, wie zu bester Stummfilmzeit untermalt von wunderbarer Klaviermusik. Dann hob sich die Leinwand und das Kriminalspiel begann. Rasch wurden die acht Frauen vorgestellt, sodass nach wenigen Minuten die Leiche auftreten konnten. Ok, auftreten ist das falsche Wort, sie trat nicht in Erscheinung und lag auch nicht auf der Bühne, sondern hinter einer Tür. Sonst hätte der Titel „Die acht Frauen“ ja auch nicht gepasst. Schon entspann sich ein Raten über den möglichen Täter, das sich zuspitzte, als klar war, dass der Täter aus dem Haus kommen musste.

Jede der bis dahin sieben Frauen auf der Bühne konnte den Herrn des Hauses erstochen haben. Wie gut, dass die achte Frau auf der Bildfläche erschien, die verstoßene Schwester des Toten, eine optimale Besetzung für die Rolle der Täterin. Fast schien der Fall gelöst, da überschlugen sich die Ereignisse, die Hunde lagen tot im Garten, die Haushälterin wurde angeschossen und vor allem kamen all die kleinen Sünden zu Vorschein, die die Damen so gerne vertuscht hatten.

Motiv über Motiv breitete sich vor dem Publikum aus, sodass man mal die eine, mal die andere für die Täterin hielt. War es die Ehefrau Gaby (Andrea Wolff), die ihrem Gatten wohl gar nichts mehr abgewinnen konnte? Oder die Schwester Pierette (Sylvia Rentmeister), die nach langer Abwesenheit und undurchsichtigem Lebenswandel plötzlich wieder auf der Bildfläche erschien? Oder doch das Hausmädchen Louise (Neda Rahmanian), das schon lange vor der Anstellung eine Liason mit dem Haushern hatte? War es die Schwiegermutter des Verstorbenen (Katrin Schönermark), die dem Wein mehr zusprach, als ihr gut tat? Oder eher die Schwägerin Augustine (Christina Dorn), die den Toten heimlich anhimmelte und sich ansonsten als braves graues Mäuschen darstellte? Oder waren es gar die Kinder des Toten Suzanne (Annika Firley) und Catherine (Karla Hennersdorf) oder Haushälterin Madame Chanel (Kristina Günther-Vieweg)?

Meine Vermutung schwankte und war falsch, auch wenn mir das Ende kurz durch den Kopf ging. Marlies Ferber war der Lösung schon näher, aber auch sie traf die Wahrheit am Ende nicht. Ein Zeichen für ein gelungenes Stück, das älter ist als ich, wie ich gerade feststelle. Es stammt von Robert Thomas und wurde 1961 in Paris uraufgeführt und in Deutschland erstmals ebenfalls 1961 gespielt – unter der Regie des späteren „Kommissars“ Erik Ode.

Für das Theater Hagen ist die derzeitige Inszenierung die erste Aufführung. Ich würde sie als gelungen bezeichnen, auch wenn ich den Sinn der Songs nicht ganz verstanden habe. Sie wurden von Regisseur Thomas Weber-Schallauer und dem musikalischen Leiter Andres Reukauf ausgewählt und getextet bzw. komponiert. Sie waren größtenteils schön anzuhören, keine Frage, für mich passten sie nur nicht in das Stück, aber das ist sicher Geschmackssache. Insgesamt fand ich das Stück gelungen und spiele sogar mit dem Gedanken, es noch einmal anzusehen, nachdem ich nun weiß, wer der Täter ist. Gut gefallen hat mir auch das Bühnenbild, nicht nur, weil viele viele Bücher zu sehen waren, sondern auch die Art wie der Pianist Andrea Reukauf platziert wurde. Es lohnt sich, einen Platz in einer der nächsten Aufführungen zu ergattern!

Aufführungstermine und weitere Informationen: www.theaterhagen.de