Theater Hagen(23.06.2017) Nach vielen Aufregungen um das Theater Hagen in den letzten Jahren, schaut das Theater auf eine Spielzeit mit vielen neuen kreativen Köpfen. Bei der Vorstellung des Spielplans entstand durchaus der Eindruck, dass hier ein Team gewachsen ist, das auf neue Weise – ohne Intendant, dafür mit dem Geschäftsführer – einen spannenden Spielplan entwickelt hat.

Musik ist des Theaters Kern

Das Hagener Theater wird geprägt durch das Philarmonische Orchester und das Ballett ist, dadurch spielen Aufführungen mit Musik eine zentrale Rolle auch im Programm der kommenden Spielzeit. Der neue Generalmusikdirektor Joseph Trafton und der neue Ballettdirektor Alfonso Palencia haben mit dem Spielplan-Team eine interessante Mischung zusammengestellt. Da ist zum einen „Tocsca“ von Puccini, dem Lieblingskomponisten des neuen GMD, er hat sie im Pressegespräch als „Opernthriller“ bezeichnet und gleich meine Neugier geweckt, obwohl ich sonst nicht sehr opernaffin bin. Manchmal muss man auch Kultur eben einen anderen Namen geben J Doch vor dieser Premiere wird eine Hagener Erstaufführung zu sehen sein: „In den Heights von New York“, ein Stück, das vor allem moderne Musik enthält wie Hiphop, Rap und lateinamerikanische Rhythmen. Sehr gespannt bin ich auf „Frau Luna“, die Operette von Paul Lincke, weil ich für mein Buch „Liedergeschichten“ dazu recherchiert habe. „Ritter Roland“ von Joseph Haydn wird zu sehen sein, eine konzertante „Aida“ von Guiseppe Verdi, „Das schlaue Füchslein“ von Leoš Janáček, die europäische Erstaufführung der Oper „Everest“ von Joby Talbot und Cole Porters Musical „Kiss me Kate“. Langeweile kommt da ganz sicher nicht auf, zumal es ja darüber hinaus Sinfoniekonzerte und eben Ballettaufführungen gibt. „Dancing Souls“ nämlich, für drei Choreographen ihre Sicht von tanzenden Seelen auf die Bühne bringen. Und im April bringt Alfonso Palencina „Cinderella“ von Charles Perrault auf die Bühne, eine weitere Uraufführung, die uns erwartet.

Theater für Groß & Klein

Neben dem breiten musikorientierten Angebot, bei dem ich die „Stummfilm mit Musik“-Aufführung von Hitchcocks „The Lodger“ ganz vergessen habe, gibt es auch Theater für alle Altersgruppen. Zu Gastspielen der Landestheater wie Shakespeares „Romeo und Julia“  und Dürrenmatts „Die Physiker“ kommt die Eigenproduktion „Wie im Himmel“ nach dem Film von Kay Pollak. Spannend wird es vor allem im Lutz, wo Anja Schöne in die großen Fußstapfen von Werner Hahn tritt. Neben der Wiederaufnahme einiger bewährter Stücke wird es den „Faust“ mit Musik für junge Leute und Faust-Fans wie mich geben, „Die Kuh Rosemarie“ von Andri Beyeler wird auch in Hagen unzufrieden mit der Welt und ihrem Leben sein, „Der Junge mit dem Koffer“ von Mike Kenny wird ebenso zu erleben sein wie die „Bilder deiner großen Liebe“, eine Aufführung, bei der ich lernen werde, was eine „Theater Road Novel“ ist 🙂 Da das Theater den Anspruch hat, sowohl die jüngsten als auch die ältesten Menschen vom Theater zu verzaubern, gibt es weiterhin den Seniorenclub, der sich mit „Salon Erika oder Helden altern nicht“ auseinandersetzt und „Sternenstaub“, ein Theatererlebnis für die Jüngsten. Da kann wirklich niemand sagen, für seinen Geschmack gäbe es nichts. Am besten ins Programmheft schauen, das schon überall ausliegt und die Termine in den Kalender eintragen. 🙂 Viel Spaß und vielleicht sehen wir uns bei der einen oder anderen Premiere oder Aufführung. Auf jeden Fall am 2. September, wenn es mit einem Tag der offenen Tür in die neue Spielzeit geht.

Die neuen Köpfe im TheaterHagen

Ich weiß nicht, ob es oft vorkommt, dass wie jetzt in Hagen gleich vier kreative Führungskräfte wechseln. Während manche das mit Sorge sehen, finde ich es – auch aus eigener Erfahrung in Führungspositionen – eine Chance für einen Neuanfang. Zwar war der neue Intendant beim Pressegespräch am Montag noch nicht dabei und muss noch vom Rat entschieden werden, aber die anderen drei „Neulinge“ erweckten den Eindruck, dass sie sich auf die Spielzeit freuen und schon fleißig dabei sind, sich in die Stadt und die Mentalität der Hagener einzudenken.

Da ist zum einen Joseph Tratton, der neue Generalmusikdirektor, der bereits mit 21 Jahren bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall sein Debüt als Dirigent gab. Das war 1999 und seither hat er viele Sinfoniekonzerte, Opern, Ballette und Multimedia-Projekte geleitet, zuletzt war er als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim, das 2014/15 immerhin „Opernhaus des Jahres“ war. Er wird sicher für eine Mischung aus modernen und klassischen, nationalen und internationalen Musikprojekten sorgen.

Ballettdirektor Alfonso Palencia ist nicht ganz neu in Hagen, seit 2014 arbeitet er am TheaterHagen bereits als Trainingsleiter und Choreograph. Unter uns: Ich finde es toll, dass es am Hagener Theater auch möglich ist, die Karriereleiter hinaufzusteigen und nicht immer nur neue Kräfte von außen geholt werden. Beim Pressegespräch war zu spüren, dass Alfonso Palencia Lust darauf hat, seine kreativen Ideen auf die Bühne zu bringen. Vermutlich wird er sogar mich fürs Ballett begeistern können 🙂

Und schließlich ist Anja Schöne neu im Team als Leiterin des Lutz. Sie hatte viele verschiedene Zugänge zum Theater, ehe sie nach Hagen kam, unter anderem hat sie Theaterwissenschaften studiert, Theaterstücke geschrieben, Theaterprojekte geleitet, an verschiedenen Theatern inszeniert und im Rahmen der Ruhr 2010 die Local Heroes Woche geleitet. Ihr Herz gehört besonders der jungen Zielgruppe und so wird es in der neuen Spielzeit neben Theaterstücken für und mit Kindern und Jugendlichen auch Krabbeltheater für die Kleinsten geben. Darauf bin ich ja besonders gespannt, wer mir also dafür ein Krabbelkind leihen möchte, bitte melden 🙂 Diese Sparte werde ich sicher besonders neugierig betrachten, weil mich Angebote für und mit Kinder und Jugendlichen interessieren und ich mich im Studium und in meiner Stuttgarter Zeit mit Kinder- und Jugendtheater beschäftigt habe. © Birgit Ebbert

Das Spielzeitheft zum Download