Theater HagenAm Samstag wurde die neue Saison im Theater Hagen mit der ersten Premiere eröffnet. Gezeigt wurde das Musical „In den Heights von New York“ von Lin-Manuel Miranda und Quiara Alegria Hudes, das in Deutschland bisher kaum aufgeführt wurde. Vielleicht ein Symbol dafür, dass die Saison mit komplett neuem künstlerischem Führungspersonal beginnt. Wenn auch Tempo, Qualität und Vielfalt innerhalb des Stückes symbolisch für die Spielzeit sind, können wir uns auf ein spannendes Programm freuen.

Die Heights von New York

Natürlich versteht man das Stück sofort, wenn man nicht weiß, was die Heights in New York sind. Korrekt müsste es heißen: „Washington Heights“, das ist ein Stadtteil von New York, der besonders von den Einwanderungswellen geprägt und auch immer verändert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten dort viele jüdische Emigranten aus Deutschland, was dem Stadtteil zeitweise den Spitznahmen „Frankfurt-on-the-Hudson“ verschaffte. In den 70er-Jahren wurden diese Einwanderer abgelöst durch russische Immigranten, später durch Einwanderer aus der Karibik. In New York galt die Gegend lange als besonders gefährlich, was sich durch Festnahmen und Polizeipräsenz ins Gegenteil gekehrt hat. Heute ist der Stadtteil einer der sichersten in Manhattan, aber der schlechte Ruf ist geblieben.

Die Musical-Story aus den Heights

Die Zuschauer erleben den Alltag der Menschen in den Heights, da ist Bodega-Besitzer Usnavi, sein etwas tölpeliger Mitarbeiter Sonny, das Ehepaar Rosario, dessen Tochter es bis an die Stanford Universität geschafft, Daniela mit ihrem Frisiersalon und Abuela Claudia, die „Oma“ des Bezirks, die für alle Probleme ein offenes Ohr hat und ihre eigenen Sehnsüchte für sich behält. Diese Gemeinschaft wird durcheinandergerüttelt. Durch einen Lottogewinn, einen Stromausfall und den Entschluss von Vater Rosario, sein Unternehmen aufzugeben, um der Tochter das Studium zu finanzieren. Nichts scheint mehr wie früher, zumal auch Usnavi sich entschlossen hat, seine Bodega zu verlassen, um sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu machen.

Die Umsetzung des Musicals

Was mich schon vorab neugierig gemacht hatte, war die Umsetzung der Story durch Musik und Sprache, die eher jugendaffin ist, es gab nur wenig gesprochene Dialoge, Monologe vor allem von Hauptfigur Usnavi wurden gerappt. Die Songs sind Mischungen aus Hip-Hop, Salsa, Bachata und Merengue, beides traditionelle Musikrichtungen aus der Dominikanischen Republik. Das war ungewöhnlich, passte aber so gut zu der Geschichte, dass die Irritation zumindest bei mir nur kurz war. Zumal Gesang und Choreographie sehr gelungen waren und die Vibrations der Geschichte wiedergaben, über Marilyn Bennett als Abuela Claudia und ihren Gesang muss ich nichts sagen, sie war wie immer super, besonders aufgefallen ist mir Kara Kemeny als Nina Rosario, die eine Vielseitigkeit im Gesang zeigte und auch den schauspielerischen Part glänzend meisterte. Etwas unsicher bin ich mir bei Felix Freund als Usnavi de la Vega, vielleicht weil bei mir beim Begriff Bodega-Besitzer ein anderes Bild entsteht. Er hat gut gespielt, nur bei den Raps wirkte er manchmal zu sehr wie ein Schauspieler, der rappt, was vielleicht auch gewollt war. Ich weiß, es ist ungerecht, nicht jeden Darsteller zu erwähnen, aber es waren 16 Frauen und Männer und gefühlt 100 Tänzerinnen und Tänzer, so viele waren es vermutlich nicht, aber manchmal war die Bühne so voll, dass ich mich schon dadurch in eine Weltstadt versetzt fühlte. Sehr gut gefallen hat mir das Bühnenbild mit der durch Licht und Schatten angedeuteten Skyline von New York. Da war ich ein paar Mal traurig, dass ich keine Fotos machen durfte. In jedem Fall ein sehenswertes Musical, das viele Themen unserer Zeit anspricht. © Birgit Ebbert

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