Hagener Stadtmusikanten

(16.10.2014) Dass sich im Souterrain eines Hauses Tiere einnisten, haben viele von uns schon erlebt. Die Tiere, die sich seit kurzem im Souterrain des Osthausmuseums herumtreiben, würde sicher niemand im Keller aufbewahren – es sei denn, er hätte eine Schlangenphobie oder einer derartig große Kunstsammlung, dass er auf den Keller ausweichen muss.

Unter dem Motto „Tierischer Besuch im Jungen Museum“ hat Dr. Elisabeth May die Sammlung des Osthausmuseums auf Tiere hin durchforstet – mit beachtlichem Ergebnis. Die Ausstellung ist vor allem konzipiert, um junge Menschen an Kunst heranzuführen, deshalb dürfen auch manche Exponate angefasst werden, was im übrigen Museum nicht erlaubt ist. Allerdings lohnt sich für alle Besucher des Kunstquartiers, die Treppen hinab zu steigen. Zwischen den Säulen, die noch von Henry van de Velde konzipiert wurden, sind ganz unterschiedliche Tier-Kunstwerke zu sehen – von Fossilien bis zu Werken von Pablo Picasso, Max Ernst und Paul Klee.

Das ist der Eulenkopf, zumindest wird das Muschelgebilde so genannt.

Der Gang durch die Ausstellung beginnt, je nachdem wo man hinschaut mit einer Eulenskulptur oder – schüttel – mit einer Motte, an der ich schnell vorbeigeschaut habe zu den Fossilien, den ersten Kunstwerken vom Künstler Natur geschaffen. Sie sind Leihgaben aus Privatbesitz und aus dem Historischen Centrum und sie werden von prominenten Werken bewacht, den Eulen von Pablo Picasso und Max Ernst und anderen Federtieren.

Als nächstes erwarten den Besucher Kühe. Ja, Kühe, die „Mathematik-Kuh“ zum Beispiel und die „liegende Kuh“. Alle von Ewald Mataré, den die Hagener wegen des Brunnens auf dem Friedrich-Ebert-Platz kennen. In der Ausstellung sind neben Kuh-Skulpturen von ihm auch Bilder zu sehen.

Vorbei an kleinen Fohlen-Skulpturen durch die Affenlounge geht es weiter zu den Steinplastiken des Hagener Künstlers Paul Drücke, der es schafft auch Spinnen, Insekten und anderem Getier eine sympathische Note zu verpassen, sodass selbst ich als Insektenhasserin mir die Werke genauer angeschaut habe.

Die „Zickzackspinnenraupe“ von Paul Drücke.

Den Schluss des Rundgangs bilden die Knettiere des Künstlerpaares Svetlana Martinchik und Stepin Igor, die nicht nur skuril aussehen, sondern auch seltsame Eigenschaften haben wie man den Beschreibungen entnehmen kann. Hier sind die Besucher im Übrigen ausdrücklich aufgefordert, aus der bereitstehenden Knete selbst Fantasietiere zu formen, die mit einer kleinen Geschichte oder einem Namen versehen ebenfalls ihren Platz in der Ausstellung finden. Am 15. Oktober hatten sich bereits über 30 witzige Gestalten zu den Knettieren der Künstler gesellt.

Dem Osthausmuseum ist eine sehr schöne Ausstellung gelungen, in der Groß und Klein auf ihre Kosten kommen, junge Menschen an Kunst herangeführt werden, Kunstkenner den einen oder andere Blick-Leckerbissen zu sehen bekommen und alle inspiriert werden, selbst kreativ zu werden. Damit dieses Konzept aufgeht, gibt es neben der Möglichkeit des freien Besuches Führungen und museumspädagogische Angebote für Gruppen, die sich übrigens sehr gut für Kindergeburtstage eignen.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, bis zum 1. März 2015 noch gelegentlich vorbeizuschauen und vielleicht auch zu dem einen oder anderen Thema noch einen speziellen Beitrag zu schreiben. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de