Tobias Roch „Reflektionen“

(29.08.2013) Als Hobby-Fotografin bleibe ich in der Ausstellung natürlich jedes Mal wieder bei den Fotos stehen, die in der Größe auf den Museumswänden eine besondere Wirkung entfalten. Besonders angetan hat es mir das Bild „Reflektionen“ von Tobias Roch, weil ich Spiegelungen, Farben und Wasser liebe. Tja, da sind sie wieder die geraubten Illusionen. Bei der Führung am letzten Donnerstag habe ich nämlich erfahren, dass der Düsseldorfer Flughafen, wo das Foto entstanden ist, gar nicht unter Wasser stand, sondern dieser Effekt rein durch das Zusammenspiel eines blank polierten Marmor- oder Granitbodens mit dem Teleobjektiv des Fotografen entstanden ist. Was ich für leichte Wellen hielt, sind nur Unebenheiten im Boden, die durch das Teleobjektiv verdichtet wurden. Nebenbei bemerkt: Solche Informationen bekommt man, wenn man die Künstlerführungen donnerstags nutzt. Ich gehe danach immer mit einem Kopf voller Informationen und Inspirationen nach Hause.
Tobias Roch ist mit seinen Fotografien bereits zum zweiten Mal in der Ausstellung der Hagener Künstler vertreten, bei den sonstigen Ausstellung im KEOM ist er zwar auch eingebunden, allerdings als Museumstechniker, der dafür sorgt, dass im Hintergrund alles reibungslos funktioniert. Wann immer es geht, bringt er in die Tätigkeit seine Foto-Leidenschaft ein, so begleitet er schon mal eine Führung mit der Kamera und dokumentiert auch sonst alles, was im Museum geschieht.
Doch zurück zu seiner Kunst. Seine beiden anderen Werke „Ausblick“ und „Einblick“ gehören zu einer Serie,  das lässt der Titel schon erahnen, aber für mich als heimlicher Zahlenfreak war das sofort klar, weil beide Bilder 25 Blicke ermöglichen. Das Bild „Ausblick“ lässt den Betrachter durch ein altes Industriefenster der verfallen Papiermühle in Delstern schauen und das Bild „Einblick“ zeigt, was hinter den Fenstern eines Krankenhauses in Saigon geschieht. Die Fotos sind, wie alle Fotos von Tobias Roch, nicht bearbeitet, sondern nur auf das passende Format zugeschnitten und hinsichtlich der Perspektive entzerrt.
Seine Leidenschaft für die Fotografie hat Tobias Roch schon als Kind entdeckt. Er erinnert sich an erste Fotoversuche mit sieben Jahren und hat schon als Jugendlicher einen Kurs zur Fotogestaltung besucht. Die Fotografie hat ihn durch sein Leben begleitet. Ob in Iserlohn, wo er aufgewachsen ist, in Berlin oder in Portugal, einem Land das ihn immer sehr fasziniert hat, ob auf seinen Reisen oder seinen Fahrten mit dem Motorrad – ohne Kamera trifft man ihn selten an. Trotzdem, sagt er, könnte er auch ohne Kamerablick durch die Welt gehen und Seh-Eindrücke genießen.
Ehe Tobias Roch 2007 seine Tätigkeit im Osthaus Museum begann, hat er viele andere interessante Stationen durchlaufen – vermutlich hat er eine Fotoalben-Wand, die so groß ist wie meine Bücherwand, er arbeitete als Bühnentechniker im Theater des Westens in Berlin, wirkte als Techniker an der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin mit, buk Pizza in Portugal und sorgte als Schreiner am Theater mit dafür, dass immer die passenden Kulissen bereit standen. Und immer hat er fotografiert, was ihm sehenswert erschien und dokumentierte zum Beispiel den Museumsumbau und den Neubau des Emil Schumacher Museums mit der Kamera. Kein Wunder also, dass er die Ausstellungs-Jury nun schon zum zweiten Mal mit seinen Foto-Kunstwerken überzeugte. Seine Fotos sind auch in anderen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen und natürlich in Katalogen, Broschüren, Magazinen, Büchern und im Internet. Es lohnt sich, die Augen nach seinen Fotos offen zu halten – am besten mit der Website www.tobiasroch.de beginnen, die mich jetzt leider hindert, weiterzuschreiben. © Birgit Ebbert

Außer den öffentlichen Führungen mit Ausstellungskoordinatorin Dr. Christine Kracht am 01.09., 15.09. und 29.09. um 11.15 Uhr, gibt es jeweils donnerstags um 18.00 Uhr eine Führung mit Künstlern, die in der Ausstellung vertreten sind.
29.08. Jutta Tewes, Nuri Irak, Uwe Will
05.09. Arnold Bettges, Sandra Letzing, Nuri Irak, Uwe Will
12.09. Dietmar Schneider, Jutta Tewes, Zsolt S. Deák, Sabine Kedzierski, Uwe Will
19.09. Dietmar Schneider, Uwe Will
26.09. Dietmar Schneider, Jutta Tewes, Nuri Irak, Uwe Will

Am 3.10 findet um 11.15 Uhr eine Lesung mit Musik in der Ausstellung statt.

Weitere Informationen zur Ausstellung