Ebbert Tod im Tee(21.07.2016) Gerade ist nach Schneewalzer mein zweiter Hagen-Krim Tod im Tee erschienen, in dem unter anderem Agatha Christie eine Rolle bekommt. Der Titel stammt nicht von mir. Ich hatte mir wieder viele Gedanken über Ein-Wort-Titel gemacht und mir so etwas wie „Ritterkappe“ oder auch „Theatertod“ überlegt. Ich vermute, dass der Verlag sich davon hat inspirieren lassen, dass in dem Krimi „Die mörderische Teerunde“ von Agatha Christie vorkommt. Auch der Bezug zu Agatha Christie war ein Wunsch des Verlages. Eine echte Herausforderung, denn wie bringt man Agatha Christie und Hagen zusammen?

Was Agatha Christie mit Hagen verbindet

Die Antwort war dann doch leicht, nachdem ich im Theater an der Volme sowohl Zeugin der Anklage als auch Die Mausefalle gesehen hatte. Inzwischen läuft sogar die dritte Inszenierung nach einem Stück von Agatha Christie: Und dann gab’s keine mehr. Nach Rücksprache mit Indra Janorschke und Dario Weberg durfte ich eine fiktive Theatergruppe mit einer ausgedachten zickigen Spielleiterin im Theater an der Volme agieren lassen. Unter uns: Ein wenig habe ich  mich von Operation Eaglehurst inspirieren lassen. Aber nur minimal weil ich für meine Geschichte ja viele unsympathische Menschen als Verdächtige brauchte 🙂 Da wäre ich in der Eaglehurst-Projektgruppe nicht fündig geworden.

Viele Krimis und eine Autobiographie als Einstieg

Doch da habe ich den zweiten Schritt vor dem ersten erzählt. Bevor ich mich über das erdachte Theaterprojekt entschieden habe, habe ich viele Bücher gelesen. Vor allem aber habe ich ihre Autobiographie gelesen, die mich erst recht neugierig gemacht hat. Am liebsten wäre ich gleich nach Torquay gefahren, wo sie aufgewachsen ist. Im letzten Jahr hatte ich jedoch so viele Projekte gleichzeitig, dass ich sogar die Reise zu der Gift-Ausstellung ausfallen lassen musste. Aber zu dem Zeitpunkt wusste ich ohnehin schon, wie der Täter in meinem Krimi Tod im Tee vorgehen würde. Und das Gift-Handbuch, das ich brauchte, war auch schon fertig. Nachdem ich nämlich den Kapiteln des Krimis „Schneewalzer“ Auszüge aus dem Handbuch der Straßenmusikanten vorangestellt hatte, wollte ich in diesem Krimi vergleichbare Auszüge aus einem Giftmischer-Leitfaden einbauen. Ich bin also jetzt diesbezüglich fit, möchte ich nur mal erwähnen. Und ich weiß, welche Gifte man aus scheinbar harmlosen Pflanzen ziehen kann. 🙂

Der 40. Todestag von Agatha Christie

Im letzten Jahr wäre Agatha Christie 125 Jahre alt geworden und in diesem Jahr wird ihr 40. Todestag begangen. Das war der Anlass für den Verlag mich zu fragen, ob ich in meinem Krimi Agatha Christie einbinden könnte. Ich war überrascht, dass sie wirklich schon 40 Jahre tot ist. Das heißt, dass sie zwei Jahre nach Erich Kästner gestorben ist. Sie wurde am 15. September 1890 in Torquay geboren und starb am 12. Januar 1976. Schon früh hat sie mit dem Schreiben begonnen. Ihr erstes Gedicht erschien, als sie elf Jahre alt war, in einer lokalen Zeitung. Trotzdem studierte sie zunächst Musik, bis der erste Weltkrieg ausbrach und sie als Krankenschwester arbeitete – im Krankenhaus und in einer Apotheke. Zu jener Zeit hat sie also schon Erfahrungen mit Giften sammeln können. Kein Wunder, dass ein Großteil der Opfer in ihren Krimis vergiftet wurde.

Die ersten Jahre des Erfolgs

Der erste Krimi von Agatha Christie erschien 1920, allerdings nicht zuerst in ihrem Heimatland, sondern in den USA. Die Hauptrolle spielte hier bereite Hercule Poirot, dem wir einige spannende Abenteuer und auch Filme zu verdanken haben. Der Durchbruch gelang ihr jedoch erst sechs Jahre später mit dem Krimi The Murder of Roger Ackroyd. Das war auch das Jahr, in dem sie für zehn Tage verschwand. Bis heute ist nicht klar, was sie in dieser Zeit genau gemacht hat. Daraus hätte man auch einen Krimi machen können, allerdings wird sie kaum in Hagen gewesen sein 🙂 Mein Lieblingskrimi „Mord im Pfarrhaus“ erschien 1930, als erste Geschichte mit der schrulligen, nervigen Miss Marple.

Ein Leben als Queen of Crime

Nachdem sie einmal die Erfolgsspur erreicht hatte, blieb Agatha Christie dort, bis sie starb. 66 Kriminalromane hat sie geschrieben, dazu Kurzgeschichten und Theaterstücke. Heute hätte sie sicher ein Journalist als „fleißige Schreiberin“ oder „Vielschreiberin“ bezeichnet und sie hätte sich das ganz gewiss verbeten. Schon als Kind hatte sie ihren eigenen Willen, den sie Zeit ihres Lebens behauptete. Ich habe mich sehr amüsiert, als ich in ihrer Autobiographie las, wie sie ihre Mutter schon als Vierjährige davon überzeugte, dass sie Bücher lesen dürfe. Auch sonst ist das Buch „Meine gute Zeit“ eine wunderbare Lektüre, die einen Einblick in das Leben von Agatha Christie gibt, aber eben auch in die Sitten und Bräuche der gehobenen Gesellschaft vor gut 100 Jahren. Sätze wie „Man betrachtete das Lesen von Geschichtenbüchern als ein wenig zu vergnüglich, um eine Tugend darin zu erblicken.“, kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Agatha Christe in meinem Krimi Tod im Tee

Nachdem ich die ganzen Texte von Agatha Christie gelesen hatte, hätte ich lieber eine Biographie verfasst. Also habe ich versucht, wo möglich, in meinem Krimi Tod im Tee Bezüge zu ihrem Leben herzustellen und meine Fantasie munter schweifen lassen. So habe ich flugs eine Städtepartnerschaft zwischen Hagen und Torquay erfunden, um den einen oder anderen Engländer in die Theatergruppe zu schmuggeln. Die Geschichte aber spielt wieder in Hagen – auf dem Elbersgelände, in der Krimibuchhandlung „Mord & Ortschlag“ am Adolf-Nassau-Platz natürlich, aber auch sonst ist Anja Henke wieder in Hagen unterwegs. Wo, das lässt sich dann demnächst nachlesen 🙂

Lesung, Preread und so

Die Buchpremiere zu dem Krimi findet am 19. Oktober wie immer im Theater an der Volme statt. Den Tag habe ich ausgewählt, weil ich da mein zehnjähriges Jubiläum als freie Autorin und Lernbegleiterin feiere. Mal sehen, vielleicht wird der Termin auch mehr als eine Buchpremiere 🙂 Damit der Sommer nicht ganz lesungsfrei ist, gibt es am 25. Juli im Rahmen der Reihe „Geistreich – unser Sommergarten“ in St. Michael in Wehringhausen ein Preread, den Begriff habe ich gerade erfunden 🙂 Da werde ich über mein Hagen-Buch sprechen, ein wenig aus dem neuen Krimi lesen und vielleicht noch den Kurzkrimi, der in Wehringhausen spielt. Und schließlich werde ich am 11. September beim Sommerfest im Theater an der Volme aus dem Schreibkästchen plaudern und einen Appetithappen vorlesen. © Birgit Ebbert

Mein Krimi: Birgit Ebbert: Tod im Tee. Gmeiner Verlag 2016

Autobiographie von Agatha Christie: Agatha Christie: Meine gute alte Zeit. Autobiographie einer Lady. Scherz Verlag 1977

Offizielle Agatha-Christie Seite

Spiegel-Artikel über das Mysterium im Leben der Lady of Crime

Zeitungsartikel zum Buch

„Alte Backsteinkapelle wird zum Tatort“ Westfalenpost 22. Juli 2016 (Externer Link)

„Wenn der Mörder im Theater lauert“ Wochenkurier 20. Juli 2016 (Externer Link)