(01.07.2019) Am vergangenen Freitag verwandelte sich das Wasserschloss Werdringen zum ersten Mal in ein Elite-Internat. Die Premiere des Stückes, das Indra Janorschke und Dario Weberg für den 2. Werdringer Theatersommer geschrieben haben, gab den ZuschauerInnen Einblicke in die Abgründe von Mädchen- und LehrerInnen-Seelen.

Schlossinternat Werdringen

Nur reiche Mädchen und solche mit außergewöhnlichen Familiengeschichten werden in diesem exquisiten Internat von ebenso außergewöhnlichen LehrerInnen unterrichtet. Und man ahnt es schon, die Mädchen können sich keinen besseren Ort für ihre Schulzeit wünschen als Hagen. Was sind dagegen London, Paris und andere Städte. An Abwechslung scheint es zumindest nicht zu mangeln. An dem Abend, den wir ZuschauerInnen miterleben durften, gab es allerlei seltsame Vorfälle. Ein Hund, der einen blutigen Unterarm samt Hand ins Haus schleppte, ein unpässlicher Professor, eine liebestolle Lehrerin, schlafende Schülerinnen und dann auch noch eine tote Lehrerin. Wer das in seiner Umgebung hat, braucht wahrlich weder Kino noch Smartphone-Spiele. Ungemütlich wird es allerdings, wenn sich herausstellt, dass die Mitschülerin entführt werden könnte und vermutet werden muss, dass ein Mörder in den Reihen der Schüler oder im Kollegium sein muss. Gut, dass Hauptwachtmeisterin Hatty Halbachht den Überblick behält und den Fall am Ende souverän löst.

Inszenierung im Schlosshof

Das muss ich wirklich vorweg schieben, unabhängig davon, welches Programm im Rahmen des 2. Werdringer Theatersommers läuft, ein Besuch lohnt sich schon wegen der zauberhaften Kulisse. Die Bühne steht im Innenhof vor dem Nebengebäude, sodass man während des Spiels über dem Dach und den Zinnen Bäume sehen kann. Außergewöhnlich. Das Stück, das in diesem Jahr gespielt wird, wurde wieder extra für dieses Projekt geschrieben. Es ist eine Kriminalkomödie mit Regionalkolorit, die für viele Lacher zwischendurch gesorgt hat. Carola Schmidt hat sehr schön die resolute, burschikose Hauptwachtmeisterin gegeben, die den roten Faden im Durcheinander findet. Den Lehrkörper gaben Stefan Schroeder als ambitionierter Oberstudiendirektor Müller, Betty Stöbe als französische Mamsell mit einer Schwäche für den Direktor, Dario Weberg als verhuschter Chemielehrer, der in anderen Sphären schwebt und Indra Janorschke als verbissene Deutschlehrerin Lieselotte :ieblich, der keiner so recht eine Träne nachweint, als sie im Speisesaal tot zusammenbricht. Doch was wäre das Internat ohne Schülerinnen, Karolin Kersting verkörpert Theresa April, eine mal schüchtern, mal vorlaute Schülerin, die sich kein X für ein U vormachen lässt. Rosalie Stöbe schlüpft in die Rolle von Angela und schafft es als solche, zielgenau in ungünstigen Momenten die falschen Bemerkungen zu machen, um die Verwirrung komplett zu machen. Ergänzt wird das Schülerinnen-Quartett durch Fabienne, die Tochter des Königs von Oberindien, und Lousienne, schön dargestellt von Lisa und Vanessa Janicki. Nicht zu vergessen, Barnaby als Herr Müller, der durch seinen makabren Fund die ganze Geschichte erst ins Rollen gebracht hat.

Die Premiere bei bestem Wetter – und leckerer Bratwurst vom Grill des Schlosscafés 🙂 – war unterhaltsam und vergnüglich. Das Stück wird noch gespielt am: 03.07., 04.07., 06.07., 07.07. (Am 05.07. gibt es eine weitere Preview des Johnny Cash-Stückes mit Dario Weberg und Karolin Kersting, das ich nicht gesehen habe, aber sehr gut sein soll :-))