(07.01.2014) Zusammensacken, den Rücken zudrehen … – beim Lektorat für meinen Roman „Brandbücher“ wurden mir diese und andere Begriffe als „umgangssprachlich“ weglektoriert. Ich kam mir vor wie damals im Deutschunterricht, als mein Deutschlehrer meine Wortschöpfungen als zu kreativ erachtete und mich alles überarbeiten ließ.

Um mich abzureagieren, habe ich nach einem Schuldigen gesucht. Demjenigen nämlich, der bestimmt, was umgangssprachlich ist und was nicht. Natürlich bin ich beim Duden gelandet, denn dort steht tatsächlich „zusammensacken“ sei umgangssprachlich, „zusammensinken“ wäre das richtige Wort gewesen. Hoffentlich weiß ich das beim Schreiben des nächsten Manuskripts noch. Wundert euch also nicht, wenn der Tote im nächsten Krimi zusammensinkt statt zusammensackt.

Geblieben ist die Frage, wer entscheidet, was umgangssprachlich ist. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Erklärung gemacht. Wie das manchmal so ist, weiß ich jetzt zwar mehr, bin aber nicht viel schlauer. Immerhin weiß ich nun, dass es verschiedene Stufen des Sprachniveaus gibt – in der Mitte befindet sich die Normalsprache, zu der ich „zusammensacken“ gezählt hätte.

Unterhalb der „Normalsprache“ ist die Umgangssprache angesiedelt. Ein wenig beruhigt hat mich, dass im „Großen Wörterbuch der Deutschen Sprache“ explizit darauf hingewiesen wird, dass „die ‚Markierung‘ umgangssprachlich kaum noch eine negative Konnotation“ hat.

Oberhalb der Normalsprache befinden sich übrigens die Bildungssprache, dazu gehören im Alltag übliche Fremdwörter wie explizit, und die gehobene Sprache (z. B. Antlitz), die eher bei besonderen Anlässen oder in der Literatur Verwendung findet.

Das alles weiß ich nun, aber noch ist mir nicht klar, warum ich in einem Roman keine Umgangssprache verwenden darf und noch immer treibt mich die Frage um, ob es möglicherweise verschiedene Umgangssprachen gibt, je nach Sender und Empfänger,wie Kommunikationstheoretiker sagen würden. Denn letztlich sei es die Sprachgemeinschaft selbst, die bestimmte Ausdrucksweisen eher im zwanglosen Kneipengespräch als in einem Geschäftsbericht oder einer Nachrichtensendung verwende oder erwarte, erklärt mir die Duden-Redaktion und räumt ein, dass die Markierungen der Duden-Wörterbücher im stilistischen Bereich dieses Sprachverhalten nach bestem Wissen und Gewissen dokumentieren. Allerdings sei dabei eine völlig eindeutige, sozusagen mit Zirkel und Lineal vorgenommene Grenzziehung zwischen den Stilschichten sicher nicht möglich. Da wandele ich also wieder mal auf einer imaginären Grenze. Und ihr? Welche Wörter gehören für euch zur Umgangssprache? Welche vermeintlich umgangssprachlichen Wörter sind für euch Normalsprache? © Birgit Ebbert