c-birgit-ebbert-P1200481(23.04.2016) Der Geist von Agatha Christie hat wieder Einzug in Hagen gehalten – gestern hatte eine Inszenierung ihres meist verkauften Krimis „Und dann gab’s keines mehr“ im Theater an der Volme Premiere. Das Ensemble rund um Dario Weberg und Indra Janorschke hat es wieder geschafft, das Publikum zu fesseln und zum Mitraten zu animieren. Bis zum Schluss blieb es spannend, wer denn nun der seltsame Mister A. N. Onym ist, der die zehn Personen in einem Haus auf einer Insel versammelt hat, um sie einen nach dem anderen für eine längst vergangene Tat zu bestrafen.

c-birgit-ebbert-t-P1200418Das wird nämlich schnell klar, die Damen und Herren, die sich im ersten Bild auf der Bühne versammeln haben eines gemeinsam – sie kennen sich nicht und sie wurden von Herrn oder Frau A. N. Onym auf die Insel gelockt. Dem einen winkte ein stattliches Honorar, der andere sollte alte Freunde treffen oder hatte einfach nur ein Nachdenken, um einen Täter bei Agatha Christie zu findenJobangebot angenommen ohne den Arbeitgeber gesehen zu haben. Eine Schallplatte offenbart eine dritte Gemeinsamkeit – alle tragen die Verantwortung für den Tod eines oderer mehrer Menschen. Das riecht förmlich nach Rache, allerdings sind die zehn Personen auf der Insel eingeschlossen, A. N. Onym muss sich entweder hier verstecken oder einer von ihnen spielt ein doppeltes Spiel.

Agatha Christie hat den Täter wieder gut versteckt

War es gar das Personal?Schon sind die Zuschauer gefangen und fragen sich, wer es ist, der ein doppeltes Spiel spielt. Die Haushälterin Ethel Rodgers, wunderbar gespielt von Kerstin Menzebach, die gleich in Ohnmacht fällt, als ihre Schandtat über die Lautsprecher hallt? Oder der seltsame von Roman Weber skuril verkörperte Psychodoktor, der als Chirurg unter Alkoholeinfluss eine Operation verpfuscht hat? Der Major, jovial in Szene gesetzt von Lars Lienen, der seine Soldaten dem sicheren Tod überlassen hat? Oder Vera Claythome, Sekretärin von A. N. Onym, überzeugend verbindlich dargestellt von Indra Janorschke? Lars Lienen und Indra Janorschke auf den Spuren von Agatha ChristieEs könnte aber auch der General sein, dem Matthias Geck gelungen einen geheimnisvollen Touch verleiht. Oder doch Butler Thomas Rodgers, von Stefan Schroeder untertänig dargeboten? Auch William Blore, der sich auffällig als Mister Davis vorstellt und ehemaliger Polizist sein soll, kommt in Frage, zumal Simon Jakobi ihn herrlich überzogen in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Antonia Marston, schön frech gespielt von Alexandra Böhm, und Richter Lawrence Wargrave, resolut verkörpert von Dario Weberg, können es ja nicht sein, scheiden sie doch auf offener Bühne aus dem Leben wie auch Emily Brent, deren Hochnäsigkeit Sigrid Janorschke überzeugend widerspiegelt. Eigentlich kommt keiner in Frage, außer vielleicht Seebär Narracot, den Christopher Brall am Anfang für wenige Minuten auf die Bühne bringt.

Ein Krimi von Agatha Christie, der viele Fragen aufwirft

Simon Jakobi und Roman Weber im Austausch Fragen über Fragen, die die Zuschauer beschäftigen – ich kenne die überraschende Lösung und bin entzückt davon, wie es Agatha Christie und die Regisseure geschafft haben, uns zu verwirren. Eigentlich müsste ich mir das Stück mit dem Wissen ums Ergebnis noch einmal anschauen, aber ich habe ja zum Glück viele Fotos gemacht – ich möchte ja auch niemanden einen der wenigen noch freien Plätze wegnehmen. 🙂

Die Suche nach dem TäterEine gelungene Inszenierung, von der sicher auch Agatha Christie angetan gewesen wäre, zumal der Text gestrafft wurde und bei der Vorbereitung neben dem Krimi auch die Verfilmungen Pate gestanden haben. Ein Muss für Agatha-Christie-Fans finde ich, aber ich hatte den Eindruck, dass auch die restlichen Besucher begeistert waren. © Birgit Ebbert

In meinem FotoBlog kann sich, wer möchte, durch die Aufführung klicken – natürlich nicht bis zum Ende 🙂