(30.11.2014) Seit meiner ersten Teilnahme an einer Blogparade schaue ich gelegentlich in der Liste der aktuellen Blogparaden, weil sie mich inspiriert, mich mit einem interessanten Thema zu beschäftigen. Nun bin ich an der Blog-Party zum Thema „Flow“ hängen geblieben, die ein Lebenskünstler aus Österreich veranstaltet. Er sammelt persönliche Geschichten und so habe ich in meiner Gedächtniskommode gekramt und bin fündig geworden.

Doch zuvor für alle, die gerade nicht sicher sind, ob sie wissen, was „Flow“ ist, eine kurze Einführung. Als Flow bezeichnet man den Moment, in dem man so in einer Tätigkeit aufgeht, dass man alles um sich herum vergisst. Ein Allgemeinrezept gibt es nicht dafür, diesen Augenblick zu erreichen.

Daltons Orckestra mit Seifenblasen

Ich habe solche Flow-Momente gelegentlich beim Lesen und erinnere mich gut daran, dass ich während des Studiums manchmal erst in der letzten Minute aus dem Zug gesprungen bin, weil ich die Zeit völlig vergessen hatte. Mit nicht immer angenehmen Folgen, einmal habe ich – weil ich so verwirrt war vom Übergang aus der Buchwelt in die Wirklichkeit – meine Reisetasche im Zug vergessen. Zum Glück war die Endstation nicht weit von meinem Zielort entfernt, aber eine Stunde Lesezeit hat mich das Ganze doch gekostet.

Auch beim Schreiben hatte ich dieses Erlebnis bereits. Nicht unbedingt, wenn ich an einer Lernhilfe arbeite oder ein Studienheft schreibe, eher dann, wenn ich einen Roman schreibe und mich wie in einen Film in die Geschichte der Protagonisten beame. Dann kann es vorkommen, dass ich eine Verabredung vergessen, sofern ich mir keinen Wecker gestellt habe.

Installation von Claire Morgan im Osthausmuseum

Seit ich wieder verstärkt fotografiere, erlebe ich dort ebenfalls solche Flow-Momente – beim Spaziergang durch den Wald oder den Schnee ist das prima, schwieriger wird es, wenn ich bei Veranstaltungen fotografiere und so darauf fixiert bin, ein Foto zu machen wie kürzlich bei einem Konzert von den Seifenblasen. Flow heißt eben, sich außerhalb von Raum und Zeit zu fühlen und keine Grenzen zu spüren.

Wie sich das anfühlt, sollte ich als Autorin eigentlich beschreiben können, das ist unterschiedlich, manchmal ist es, als machte es Pling in meinem Kopf und als ginge ein Licht auf, so blöd sich das anhören mag. Entsprechend wird es dann auch hell in meinem Kopf, als hätte jemand alles weggeräumt und es wäre nur noch dieser Gedanke, dieses Thema, diese Aufgabe da. Ähnlich wie ein heller Raum, in dem ein einziges Kunstwerk steht, in einem Museum. So befindet sich in meinem Kopf wie unter einem großen Scheinwerfer nur noch das Buch, die Geschichte oder das Fotomotiv, bis ich mein Ziel erreicht habe oder unterbrochen werde.

Vorbereitungen für das Straßentheater ANU

Wie lange, der Zustand anhält, kann ich gar nicht sagen, das ist sehr unterschiedlich und hängt zum Beispiel davon ab, ob ich an dem Tag noch einen Termin habe, der unbewusst abgespeichert ist und als Erinnerung rechtzeitig auftaucht, ob das Telefon klingelt oder jemand den Raum betritt.

Ich würde nicht sagen, dass mich die Sehnsucht nach dem Flow antreibt zu dem, was ich mache, aber ich genieße es, dass ich einen Beruf habe, bei dem ich dieses Erlebnis immer wieder habe und haben dürfen muss. Der Beruf ist allerdings keine Voraussetzung, ein Flow ist möglich bei jeder Aufgabe, die man mit Leidenschaft macht und Begeisterung kann man selbst entzünden, man muss nur wollen. Doch das ist ein anderes Thema, als kleine Anregung für die nächste Blog-Party. © Birgit Ebbert