(19.07.2014) Mein absolutes Hass-Smalktalk-Thema war und ist das Thema Urlaub, obwohl das vermutlich gleich nach dem Wetter in der Rangliste der Themen für Gespräche beim Cocktailempfang steht. Ich hasse das Thema nicht, weil mich fremde Länder oder andere Regionen nicht interessieren oder ich mir die Reisen nicht leisten könnte. Nein, ich mag Gespräche über Urlaub nicht, weil für Reisen für mich keine Erholung sind.

Ich habe es probiert, ich war in einem Club in Bodrum und in einer Öko-Pension direkt am Bodensee, in London und auf Malta, in Italien und sonstwo. Doch erholt kam ich nie nach Hause. Wenn ich schon dort war, wollte ich viel sehen, Fotos machen, interessante Dinge entdecken und plötzlich waren die Tage genauso angefüllt wie mein Alltag und ich kam völlig erschöpft nach Hause, um mich dort wieder ohne Pause in den Job einzugliedern.

Irgendwann war mir klar, für mich ist der beste Urlaub zu Hause. Ich genieße es, einfach zu tun, worauf ich Lust habe und wenn es die Ankunft der Fußballweltmeister ist, nicht auf die Uhr zu schauen und ein Buch aufzuschlagen und einfach bis zum Ende zu lesen. Irgendwann stellt sich dann ganz von allein das Gefühl ein: „Jetzt möchte ich aber doch gerne wieder etwas arbeiten oder jetzt hätte ich gerne wieder eine Struktur im Alltag.“ Und dann weiß ich, dass ich mich richtig gut erholt habe.

Ich überlege noch, ob ich diese Anregung aus Bochum-Querenburg aufnehme und mich einfach mal mit einem Stuhl mitten auf den Friedrich-Ebert-Platz setze.

Anfangs meinten Freunde und Familienmitglieder noch, ich könnte in meinem Urlaub doch vorbeikommen und dieses oder jenes mit ihnen unternehmen – wenn du sowieso nicht wegfährst. Dann habe ich auch schon mal vorgegaukelt, ich sei verreist. Inzwischen haben sie verstanden, dass ich zwar in meiner Wohnung, aber in meiner Urlaubswelt bin und ich deshalb nicht verabreden, sondern höchstens spontan vorbeikommen kann.

Das einzige Problem, das bleibt, ist also der Smalltalk über den Urlaub, der mich vor oder nach den Ferien immer ereilt. Dank eines Artikels in der aktuellen Psychologie heute, habe ich auch darauf eine Antwort. Während nämlich alle anderen zwar vegan essen und nachhaltig einkaufen, aber sich dennoch in den Urlaubsstress werfen, gehört zu meiner Work-life-balance eben die Befreiung von Terminen und Pflichten. Und wenn das nicht reicht, verweise ich den Autor Falko Löffler, der findet „Zuhausebleiben ist der beste Trip“. Finde ich auch und wenn ich Lust habe, setze ich mich ins Auto und fahre los oder gehe zum Bahnhof und steige in den nächsten Zug der fährt und warte ab, was sich ergibt.

Dass ich mich gut erholt habe, erkenne ich daran, dass ich kribbelig werde, weil ich endlich wieder mit der Arbeit beginnen möchte und ich gespannt bin, was mich auf dem Schreibtisch erwartet. Aber heute darf ich noch einfach so mit einem neuen Roman beginnen, der zwar irgendwie mit meinem Beruf zu tun habe, aber nicht auf meiner Todo-Liste steht. © Birgit Ebbert

Urlaub ist …

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